ÖBV-aktiv im Gespräch mit Helmut Tomek über die Kommunikationsgewerkschaft gpf – Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit – ÖBV Versicherung

Klein aber fein:
Die Kommunikationsgewerkschaft gpf

Bundesgeschäftsführer Helmut Tomek im Gespräch

Sie ist die kleinste der sieben Mitgliedsgewerkschaften des ÖGB, aber äußerst finanzstark.

Foto: gpf Bundesgeschäftsführer Helmut TomekKäme es zum Äußersten, einem Streik, könnte sie mühelos mehrere Monate durchhalten, zeigt Bundesgeschäftsführer Helmut Tomek im Gespräch mit ÖBVaktiv Muskeln. 54.000 Mitglieder sind in der gpf organisiert, aus historischen Gründen überwiegend Angehörige der A1 Telekom und der Post AG. Seit vier Jahren ist Tomek Bundesgeschäftsführer, bereits zehn Mal so lange ist/war er in der Telekom bzw. der früheren Post- und Telegraphenverwaltung beschäftigt. ÖBVaktiv führte folgendes Gespräch mit dem Bilder sammelnden Eisenbahn- und Oldtimer-Fan, der seit 2007 im ÖBV-Aufsichtsrat vertreten ist.

ÖBVaktiv: Meine erste Frage gilt der Zusammenlegung von Telekom und Mobilkom im vergangenen Jahr. Wie beurteilen Sie diese aus Gewerkschaftssicht?

Helmut Tomek: Die Geschichte wiederholt sich. Zur Zeit der Post-Ausgliederung in der zweiten Hälfte der 90er Jahre erklärte man uns Betriebsräten, man müsse das Unternehmen aufteilen. Wir haben uns damals gegen die Zerstückelung gewehrt. Jetzt, zehn Jahre später, erklärt man uns – andere handelnde Personen, aber von der gleichen Management-Ebene –, warum die Unternehmen zusammengelegt werden müssen.
Ich bin seit 40 Jahren im Unternehmen. In diesem Zeitraum haben viele versucht, die Post- und Telegraphenverwaltungen umzubringen, gelungen ist es keinem – es wird meiner Meinung nach auch in den nächsten 20 Jahren niemandem gelingen.

ÖBVaktiv: Die gpf ist mit 54.000 Mitgliedern die kleinste der sieben im ÖGB beheimateten Gewerkschaften. Besteht die Gefahr eines Mitgliederschwundes oder sind Sie optimistisch?

Helmut Tomek: Wir sind finanziell sehr gut aufgestellt. Einen Streik könnten wir acht, neun Monate lang durchhalten, so gut bestückt sind unsere Reserven. Es ist allerdings wirklich nicht leicht für uns, Mitglieder zu halten bzw. neue zu werben. Die Mitarbeiter der „alternativen“ privaten Anbieter gehören zur gpa und bei Post und Telekom werden Mitarbeiter/-innen abgebaut. Gewisse Chancen ergeben sich durch die Liberalisierung des Postmarkts. Wir versuchen bei neuen Anbietern sofort einen Fuß in die Tür zu setzen und Mitglieder zu werben. Konkurrenz existiert zwischen den Unternehmen, zwischen den Mitarbeiter/-innen sollte sie aber nicht bestehen. Wenn es nur eine Gewerkschaft gibt, können uns die Unternehmen auch nicht ausspielen.

ÖBVaktiv: Wie beurteilen Sie die Aktion „Postler zur Exekutive“?

Helmut Tomek: Das ist für uns eine tragische Geschichte, weil wir ja von den Beiträgen der Mitglieder leben. Wenn Mitarbeiter/-innen zur Polizei gehen, verlassen sie oft die gpf. Je weniger Mitglieder, desto teurer wird aber die Erhaltung der gesamten Infrastruktur. Ich habe nicht unbedingt Freude mit diesem Wechsel, verstehe aber auf der anderen Seite die Mitarbeiter/-innen, die weggehen. Sie erhalten eine Chance auf eine Zukunft. Eine andere Problematik dieser Geschichte ist, dass es zu Spannungen führen kann, dass die Mitarbeiter in ihrem Gehaltsschema bleiben. So kann es unter Umständen dazu kommen, dass ein Telekom-Mitarbeiter Schreibkraft bei der Polizei wird und mehr verdient als sein Posten-Kommandant – das kann zu Problemen führen.

Das Problem für uns ist weiters, dass bei Post und Telekom kaum Neuaufnahmen getätigt werden. Neue Leute kommen von Leasingfirmen oder werden über Sonderverträge beschäftigt, d. h. im Jahresbericht scheinen sie nicht unter Personalkosten, sondern unter „Materialkosten“ auf. Da spießt es sich für uns schon ordentlich …Wenn wir uns allerdings dagegen wehren, wird gar niemand neu beschäftigt, das heißt, die Leute würden auf der Straße stehen. Insgesamt muss ich aber sagen, dass wir immer eine gute Gesprächsbasis mit der Unternehmensleitung hatten und haben, es gibt eine Gesprächskultur, und unsere schärfste Waffe ist, dass wir einen Streik beantragen, das reicht dann schon, dann reden wir wieder.

ÖBVaktiv: Sie sind seit vier Jahren Bundesgeschäftsführer der gpf…

Helmut Tomek: … ich bin seit vier Jahren von der Telekom freigestellt und pendle zwischen Unternehmen und Gewerkschaft.

Mir ist die Präsenz im Unternehmen sehr wichtig und ich muss sagen, wir haben insgesamt als Gewerkschaft einen sehr guten Kontakt zu den Leuten. 25 % bis 30 % unserer Mitglieder kenne ich persönlich, zum Teil aufgrund der langen Zeit, die ich im Unternehmen bin. Für andere Gewerkschaften ist das schwieriger, komplexer. Es hat auch Vorteile, klein zu sein. Unsere Service-Angebote sind aber hervorragend. Bei den letzten Kollektivvertragsverhandlungen im Dezember haben wir 65 Euro monatlich mehr durchgesetzt, 15 Mal im Jahr – das ist nicht ohne. Unser Vorteil ist – auch gegenüber der gpa –, dass wir nur ein Unternehmen vertreten, da kennen wir natürlich die handelnden Personen, und wissen, wo wir ansetzen müssen.

ÖBVaktiv: Ein Themenwechsel hin zu Versicherungen: Sie bieten Ihren Mitgliedern ja auch Kontakte zu Versicherungen wie der ÖBV an?

Helmut Tomek: Wir bieten die Kontakte an, die ÖBV steht da im Wettstreit mit den Postversicherungen. Mit 54.000 Mitgliedern sind wir ja ein Markt. Wir geben die Angebote nur weiter, die Mitglieder sollen vergleichen und für sich heraussuchen, was für sie besser ist. Das sind ja alles erwachsene Menschen, wo sich jeder selbst ausrechnen kann, was für ihn günstiger ist. Wir haben diesen Service-Charakter und das nutzen die Mitglieder auch sehr stark aus. Aber was für mich das Beste ist, muss nicht für jeden anderen gelten.

ÖBVaktiv: Sie sind seit 2007 im ÖBV-Aufsichtsrat. Wie sehen Sie die Entwicklung unseres Unternehmens?

Helmut Tomek: Sehr positiv und es freut mich, dass die ÖBV als nicht sehr große Versicherung trotzdem so gut auf dem Markt positioniert ist. Vor allem hat sie es verstanden, ihre Nische zu besetzen. Es freut mich auch, dass die ÖBV expandiert und neue – qualitätsvolle – Mitarbeiter aufnimmt und dass die Zahlen sich so positiv entwickeln. Die ÖBV ist aber auch ein Unternehmen, das sehr auf seine Mitarbeiter/-innen schaut. Selbstverständlich muss Leistung verlangt werden, in der ÖBV passiert das auf eine sehr menschliche Art.

ÖBVaktiv: Darüber hinaus sind Sie aber auch schon jahrzehntelanger Kunde der ÖBV…

Helmut Tomek: Ja, das stimmt. Meine erste Lebensversicherung habe ich 1969 bei Eintritt in mein Berufsleben abgeschlossen, das waren damals acht oder zwölf Schilling im Monat, die ich einbezahlt habe. Jetzt habe ich schon sehr viele Versicherungen bei der ÖBV und mit Christian Prihoda, der einmal bei mir gearbeitet hat, einen sehr guten Berater. Egal, was ich brauche, ich rufe immer den Christian an und es wird prompt erledigt.

ÖBVaktiv: Vielen Dank für das Gespräch!

Who is who?

Helmut Tomek

Geboren im Dezember 1953 in Wien, verheiratet, eine Tochter.
1969–1973: Ausbildung in der Fernmeldemonteurschule zum Nachrichtentechniker;
1979: Werkmeisterprüfung;
seit 1998 im Topmanagement der Telekom Austria AG
Seit 2007 im ÖBV-Aufsichtsrat

Gewerkschaftliche Funktionen:

1990–1997 Vors.-Stellv. Bezirksgruppe Fernmeldebed.
1997–1998 Vorsitzender der Bezirksgruppe Fernmeldebed.
1999–2001 Vors.-Stellv. Bezirksgruppe Telekom
2001–2004 Mitglied d. Landesgruppe Telekom
ab 2001 Mitglied d. gpf-Bundesvorstands
ab 2005 Mitglied d. gpf-Leitungsausschusses
ab 23.05.2007 Mitglied d. gpf-Präsidiums
ab 23.05.2007 Geschäftsführer der gpf
ab 2007 Mitglied d. Bundesfachgruppe Multimedia und Informationsdienstleistungen

Arbeitnehmervertretung:

1990–2001 VPA-Vors.-Stellv. Telekom
2001–2004 Personalausschussmitglied Telekom
ab 2004 Mitglied d. Zentralausschusses Telekom

Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit