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Wolfgang Schattauer: Mut zum Leben
Ein schwerer Trainingsunfall beendete abrupt die Karriere
des Triathleten. Durch diesen schweren Unfall hat sein Leben
eine andere Wendung bekommen, doch er bleibt seinen Zielen
treu.
Dreiundzwanzig Ironman-Triathlons absolvierte er im Laufe
seiner Karriere. Jetzt lebt er ein Leben im Rollstuhl: Aber
an das Ende seiner Sportkarriere denkt er noch lange nicht.
Am 30. Juli 1999, um 5 Uhr 30 setzte sich Wolfgang aufs Rennrad,
um auf seine Trainingsstrecke eine Runde von etwa 55 km zu
absolvieren.
Es war ca. 6 Uhr morgens und wenig Verkehr. Alles, woran sich
Wolfgang noch erinnert, ist, dass er plötzlich im Straßengraben
lag.
Sein Tachometer zeigte ca. 33 km/h an, als das Unglück
geschah. Irgend etwas hatte ihn mit großer Wucht von
hinten getroffen und ihn gegen einen Begrenzungspfosten geschleudert.
Ein Pkw oder ein Lkw? Der Lenker beging Fahrerflucht und ließ
den schwerverletzten Sportler einfach liegen. Mit dem Handy
holte Wolfgang Schattauer Hilfe: "Ich habe irgendeine
Notrufnummer gewählt".
Notarzt, Hubschrauber, Krankenhaus. Was ihm die Ärzte
dort mitteilten, war niederschmetternd: Serienrippenbrüche,
Schlüsselbeinbruch, Quetschungen, der erste Halswirbel
und vier Brustwirbel gebrochen. Querschnittslähmung,
Aortariss!
20 Tage lang wird Wolfgang in einen künstlichen Tiefschlaf
versetzt. Die vielen Medikamente und Narkosemittel führen
zu weiteren Komplikationen. Am 20. August ist Wolfgang endlich
wach.
Von Entzugserscheinungen nach den starken Narkosemitteln und
Fieberschüben geschüttelt, erholt er sich auf der
Intensivstation nur langsam. Mit der Überstellung in
die Rehabilitationsklinik am Weißen Hof beginnt langsam
und mühevoll der Weg zurück ins Leben.
Sein ausgezeichneter Trainings- und Ausdauerzustand haben
ihn diesen Unfall überleben lassen. Seine mentale Stärke
und sein eiserner Wille, die ihn auch über die vielen
Trainingskilometer (15.000 bis 20.000 km auf dem Rad, 2000
bis 4000 km Laufen, 800 bis 1000 km Schwimmen pro Jahr) getragen
haben, helfen ihm auch dieses neue Leben lebenswert zu machen,
seine Ziele zu erreichen.
"Sich Ziele setzen", das ist so wichtig. Und "aus
jeder Situation das Positive" herausholen.
Nichts ist für den Beamten des Innenministeriums mehr
wie vorher oder eher: fast nichts. Denn seine bewundernswerte
Disziplin, seine Ausdauer und sein fester Wille sind geblieben.
Und Wolfgang Schattauer trainiert wieder.
Beim Wiener Inline-Marathon am 17.9.2000 legt er mit seinem
Hand-Bike, das mit einer Handkurbel bewegt wird, 23,7 km – drei Runden um den Ring – zurück und erreicht den dritten
Platz.
Resignieren oder aufgeben kennt Wolfgang Schattauer nicht:
Täglich von 8 bis 16 Uhr versieht er seinen Dienst im
Innenministerium. Fünfmal pro Woche trainiert er in seinem
selbst gebauten Handbike, ein per Handkurbel angetriebenes
Renn-Dreirad und fährt dabei wöchentlich zwischen
100 und 280 km.
Im Jahr 2001 nahm er an insgesamt 9 Rennen teil und wurde
Gesamtsieger des Austria Inline Cups in der Kategorie Handbike
Fitness.
Der Handbike-Sport ist für ihn „in erster Linie
eine sportliche Herausforderung und auch zugleich Therapie,
weniger ein
Wettkampf gegen andere Sportler“ und er will mit seinen
Leistungen vor allem auch „andere Behinderte zum Sport
ermuntern“.
2002 mischt er auch wieder an der Weltspitze mit:
mit seinem Handbike, einer Art Rollstuhl mit 3 Rädern
und Handkurbelantrieb, hat er an zahlreichen österreichischen
und internationalen Bewerben teilgenommen, darunter an der
Rad-Weltmeisterschaft der Behinderten im deutschen Altenstadt
und am EHC Handbike-Marathon in Innsbruck. Davor beteiligte
er sich an Wettkämpfen in Frankreich und der Schweiz.
2003 ist Wolfgang Schattauer einer der besten Handbiker
Österreichs: zweiter Platz beim Linz Marathon, 4. Platz
beim Rennen in Rosenau/F, erster Platz bei den belgischen
Meisterschaften im Einzelzeitfahren über 10 km und Dritter
beim Maas-Marathon.
Mit dem fünften Platz im Straßenrennen und Platz
6 im Einzelzeitfahren bei den Europameisterschaften in Teplice
war Wolfang Schattauer dann angesichts der schwierigen Streckenführung
– der EM-Rundkurs in der Nähe von Teplice wies auf 35
km 25 Anstiege mit bis zu 10% Steigung auf – und der große
Hitze durchaus zufrieden.
Nach seinem Unfall vor vier Jahren bereitete ihm eine Stunde
Sitzen noch größte Probleme – heute spult
er locker 250 km pro Woche auf seinem selbst gebauten Handbike
ab. Ingrid Schattauer unterstützt ihren Mann aus vollen
Kräften und ist bei Trainingsfahrten oft mit dem Fahrrad
dabei.
Wenn das Wetter das Training im Freien nicht zulässt,
trainiert Wolfgang im Keller auf einer für das Handbike
umgebauten Walze, wo das Sportgerät mit dem Vorderrad
eingespannt ist und betreibt Krafttraining an Geräten
und mit Kurzhanteln.
2004: Nach 4,5 Jahren in Rollstuhl und nur 3 Jahren
Training qualifiziert sich Helmut Schattauer für die
Paralympics 2004 in Athen.
„Das allein ist für mich ein großer persönlicher
Erfolg. Die Spiele in Athen waren ein einmaliges, beeindruckendes
Erlebnis, an das ich immer gerne zurückdenken werde;
ich habe viele Eindrücke gesammelt, Freundschaften geschlossen,
die Stimmung im Österreichischen Team war hervorragend;
es war eine schöne Zeit. Sportler verschiedenster Nationalitäten,
die trotz oft schwerster Behinderung das alltägliche
Leben meistern, zeigten durch ihre Freude und Ihren Einsatz,
dass der Sport ein wichtiges Verbindungselement zwischen Nichtbehinderten
und gehandicapten Menschen darstellt, ganz im Sinne der Paralympics.
Besonders beeindruckend fand ich die Eröffnungszeremonie,
bei der die Nationen unter dem Jubel von 50.000 Zusehern in
das Olympiastadion einzogen.
Ich konnte mit dem 4. Platz im Einzelfahren und dem 5. Platz
im Straßenrennen beweisen, dass ich in meiner Behinderungsklasse
(HCA) zu den besten Handbikern der Welt gehöre.
Auch mein 4. Platz im Gesamtclassement (die 5 besten Resultate
aus 8 Rennen) des EHC und der 3. Platz bei der WM in Lausanne
am 3.10.2004 unterstreichen das.“
Am 10.10.2004 war Wolfgang Schattauer Zweiter beim EHC-Finale
in Wien, wo es ihm gelang, den Weltmeister und den Paralympicsieger
deutlich zu distanzieren.
Er ist sich sicher, seine Leistungen weiter steigern zu können
und plant für 2005 wieder die wichtigsten Handbikebewerbe
in Europa und Österreich zu bestreiten. Für die
EM ist er bereits qualifiziert.
2006 Wolfgang Schattauer ist Weltmeister:
Diese Siegesfeier war sogar für Wolfgang Schattauer eine
ganz spezielle: Er gewann das Straßenrennen in der Klasse
„Handcycling A“ über 34,8 km, wurde Weltmeister
und erhielt das begehrte Regenbogentrikot sowie die Goldmedaille!
Doch das war im September nicht der einzige Anlass zur Freude
für den Spitzensportler, der seit sieben Jahren querschnittsgelähmt
ist.
In der Woche vor seiner Goldenen hatte in Aigle/CH die IPC-RAD
WM 2006 der Behindertenradfahrer stattgefunden (www.2006ipc-cycling.com)
und das österreichische Team hat dabei 14 Medaillen erreicht:
das beste Ergebnis, welches die Radfahrer des ÖBSV je
erreicht hatten.
Für Schattauer sind beide Ergebnisse die besten Resultate
seit seinem schweren Unfall 1999. Schon in der ersten Jahreshälfte
waren die Bewerbe äußerst gut für ihn gelaufen,
bei 12 Rennen erreichte er 11 Mal einen Platz am Podium. Neben
dem WM-Titel im Straßenrennen und der Silbermedaille
im WM-Einzelzeitfahren, konnte er heuer u.a. auch die internationalen
Marathons von Bonn, Hamburg und Frankfurt gewinnen; in Frankfurt
erreichte er am letzten Oktoberwochenende trotz Defektes in
1:26:28 persönliche Bestzeit über die 42,2km, das
ist die drittbeste Zeit, die bisher in der Div.A mit dem Handbike
gefahren wurde.
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