ÖBV – Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit – ÖBV Versicherung

Georg Tischler (li) und Andreas Novak

ÖBV-Sport: Veranstaltungen & Sponsoring
Behindertensport erfährt zunehmend Anerkennung

ÖBV durfte Georg Tischler auf dem Weg zur Weltspitze begleiten

Seit Jahren zählt der burgenländische Rollstuhlsportler Georg Tischler zur Weltspitze: Er ist mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger im Kugelstoßen. Die ÖBV ist stolz darauf, dass wir ihn – wie auch den ebenfalls mit Olympiagold ausgezeichneten Handbiker Wolfgang Schattauer – auf dem Weg an die Spitze ein Stück begleiten durften. Wir besuchten Georg Tischler an seiner Dienststelle in Bruck/Neudorf und führten das folgende Gespräch mit ihm.

ÖBVaktiv: Sie haben 2009 im Kugelstoßen mit 10,30 Meter bei der Weltmeisterschaft in Indien einen Weltrekord aufgestellt. Sie konnten aber auch davor schon eine Reihe internationaler Erfolge erzielen – welche waren die wichtigsten für Sie?

Tischler: Ich war 2007 schon Weltmeister und 2004 Olympiasieger – das waren bis 2009 die herausragendsten Ereignisse für meine sportliche Karriere. Besonders gefreut hat mich aber auch, dass ich 2008 Sportler des Jahres im Burgenland geworden bin – das ist für einen Behindertensportler eine besondere Auszeichnung.

ÖBVaktiv: Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Georg Tischler: Letztes Jahr war grandios. Ich war vollkommen gesund und hatte Freude und Spaß an der Leistung, am Sport und daran, an meine Grenzen zu gehen. Es war ähnlich wie 2004, als ich Olympiasieger geworden bin. Am Tag X war alles wie vorgesehen: Ich war mental sehr stark, konnte die Leistung abrufen, das „Flow-Gefühl“ war da. Ich habe keine Anstrengung gefühlt, alles war leicht und mühelos. Selbstverständlich hilft mir auch die Unterstützung durch mein Umfeld, vom Dienstgeber angefangen über die Familie bis zur Gemeinde.

ÖBVaktiv: Können Sie ein wenig genauer erklären, welche Rolle das mentale Training für Sie spielt?

Georg Tischler: Ich mache sehr viel Mentaltraining und arbeite mit Visualisierungen. Mit Hilfe einer besprochenen CD eines bekannten Mentaltrainers stelle ich mir in völliger Entspannung die genauen sportlichen Abläufe immer wieder vor, die optimale Flugbahn, die Weite, die ich erreichen möchte; aber auch den Jubel und die Freude bei der Erreichung dieses Ziels führe ich mir mental vor Augen. Das trainiere ich täglich, möglichst immer zur gleichen Zeit. Der Körper stellt sich darauf ein und ich kann das im Wettkampf abrufen und bin dann völlig entspannt, im „Flow“, und kann mir von oben selbst zusehen. Ich trainiere das seit etwa sieben Jahren und bin seither auch erfolgreich.

ÖBVaktiv: Wieviele Stunden trainieren Sie täglich körperlich?

Georg Tischler: Zwei bis drei Stunden mindestens, das ist unbedingt notwendig. Krafttraining mache ich zu Hause, ich habe mir im Laufe der Jahre eine Kraftkammer eingerichtet. Techniktraining kann ich in Gols in einer Halle der Gemeinde machen – das ist optimal …. Bei mir hat sich immer ein Stein zum anderen gefügt, wie bei einem Mosaik.

ÖBVaktiv: Wie sind Sie zum Rollstuhlsport, zum Kugelstoßen gekommen?

Georg Tischler: Eigentlich erst spät. Nach dem Moped-Unfall 1977 musste ich mein Leben ganz neu organisieren, alles wieder lernen: anziehen, mich im Rollstuhl bewegen …

IGeorg Tischlerch musste eine Ausbildung machen, einen Job finden etc. Der burgenländische Behindertensportverein hat mir dann erste Schritte ermöglicht. Und Mag. Walter Pfaller – damals schon ein international bekannter Rollstuhlsportler – hat mit mir dann einen Trainingsplan erstellt. Er hat aber ganz klar gesagt: Das mache ich nur, wenn du bereit bist, dich wirklich zu fordern und zu kämpfen und diesen nicht leichten Weg zu gehen. Er hat mich immer wieder motiviert und letztlich auch zu den Erfolgen der letzten Jahre beigetragen. Das Kugelstoßen hat sich für mich dann als die bestgeeignete Spezialisierung herausgestellt.

ÖBVaktiv: Was sind Ihre nächsten Pläne?

Georg Tischler: 2011 steht die Weltmeisterschaft in Neuseeland auf der Tagesordnung. Da bin ich bereits qualifiziert und habe daher keinen Druck mehr, die Norm zu schaffen. 2012 sind wieder Paralympics, in England. Viele sagen, ich soll wieder teilnehmen; ich warte es ganz entspannt ab. Der Rollstuhlsport macht mir Spaß, ich bin gerne unterwegs, aber ich muss nicht um jeden Preis dabei sein.

ÖBVaktiv: Findet Ihrer Meinung nach der Rollstuhl- bzw. Behindertensport genügend Anerkennung in der Öffentlichkeit?

Georg Tischler: Es wird mittlerweile in der Sportwelt akzeptiert, dass der Behindertensport auch ein Leistungssport ist und es wird auch schon mehr darüber berichtet. Da hat sich in den letzten zehn Jahren viel verändert. Überregional würden wir uns speziell vom Fernsehen mehr erwarten. In der Schweiz etwa oder in Deutschland gab es während der Paralympics täglich drei bis vier Stunden Berichterstattung, in Österreich wurde vier Wochen später ein Beitrag gesendet. Der ORF sollte da seinem Auftrag als öffentlich-rechtliche Sendeanstalt stärker nachkommen.

ÖBVaktiv: Dementsprechend ist es wahrscheinlich auch nicht so leicht, Sponsoren zu finden?

Georg Tischler: Das stimmt, weil überregional die mediale Aufbereitung fehlt. Es gibt nur einen Profi-Rollstuhlsportler in Österreich. Ich erhalte Unterstützung vom Dienstgeber, von der ÖBV und von regionalen Sponsoren.

ÖBVaktiv: Wie lange kennen Sie die ÖBV eigentlich schon?

Georg Tischler: Ich bin seit 1999 beim Bund, also vormals Gendarmerie und jetzt Polizei, und da ist mir der Name ÖBV bald einmal zum Begriff geworden. Seit 2007 bin ich auch ÖBV-Berater.

ÖBVaktiv: Es ist bewundernswert, welche Kraft Sie sportlich und menschlich aufbringen…

Georg Tischler: Der Sport gibt mir Kraft, er erleichtert das Leben. Durch die Fitness sind die körperlichen Anstrengungen geringer, auch bei so einfachen Dingen wie ins Auto einsteigen beispielsweise. Die Fitness vereinfacht auch den Umgang mit Menschen – man wird selbstbewusster durch die Erfolge, erhält Anerkennung, Glückwünsche, alle reden mit einem. Verzweifelt zu Hause in der Küche sitzen hilft niemandem, weder mir noch der Familie noch der Gemeinde.

Auch viele „Behinderte“ sehen in mir ein Vorbild – behindert unter Anführungszeichen, denn ich fühle mich nicht behindert. Die Gesellschaft behindert mich, indem sie Stufen baut, wo keine sein sollten, steile Rampen als „behindertengerecht“ erklärt, und indem sie Restaurants zulässt, in denen ich nicht aufs WC gehen kann – das sind meine Behinderungen. Wobei sich in den über 30 Jahren, die ich im Rollstuhl sitze, schon sehr viel zum Guten verändert hat.

ÖBVaktiv: Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihren weiteren Weg!

Georg Tischler, RevInsp Harald Keszei, BezInsp Johann Gartner, KontrInsp Hermann Schwarzbauer


Bild links vorne: v.l. Georg Tischler und RevInsp Harald Keszei
hinten: v.l. BezInsp Johann Gartner, KontrInsp Hermann Schwarzbauer

 

 

Foto links: Georg Tischler (li) und Andreas Novak, Regionaler Vertriebsleiter (RVL) der ÖBV im Burgenland.

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