ÖBV Top-Thema: Arbeit
Das "Age-Work-Paradoxon"
Das „Age-Work-Paradoxon“ nennen es Soziologen – die Tatsache, dass das Erwerbsleben einen immer kürzeren Zeitraum und das Altern eine immer längere Phase in der Biographie von Menschen in den Industrieländern einnehmen. Die rasche Entwertung von Qualifikationen und die Tatsache, dass die meisten Unternehmen eher Bereitschaft zeigen in die Fortbildung jüngerer MitarbeiterInnen zu investieren als in ältere, ist einer der Gründe dafür, dass zwar von Seiten der Politik versucht wird, das gesetzliche Pensionsalter zu erhöhen, der Zeitpunkt des tatsächlichen Pensionsantritts dem aber hinterher hinkt.
Eine Veranstaltung der Gewerkschaft Öffentlicher
Dienst (GÖD) und der Wiener Landesdirektion im
ÖBV-Atrium widmete sich dem Thema Altern: Die Sektion
22 der GÖD präsentierte auf Einladung des
stellvertretenden ÖBV-Landesdirektors Michael Walter
ihre Pläne, sich als echte Service- und Informationsstelle
für Pensionisten zu positionieren. Der frisch gekürte
Vorsitzende Otto Benesch forderte
eine bundesweit einheitliche Regelung der Kosten für
Pensionisten- und Pflegeheime und eine stärkere
Vertretung der Pensionisten bei den Sozialversicherungsträgern
sowie in der Politik.
Kurzfristige konkrete Ziele der neuen Sektion sind die
Veröffentlichung und ständige Aktualisierung
eines Ratgebers für Pensionisten, kleinere Bildungszuschüsse,
Rechtsbeistand, Veranstaltungen zu aktuellen Themen
und der Aufbau einer eigenen homepage. Auch mit den
bestehenden Seniorenorganisationen möchte die Sektion
verstärkt zusammenarbeiten.
Die GÖD-Sektion als Interessensvertretung von Pensionisten sieht „naturgemäß“ die Probleme älterer Menschen im Vordergrund. Die Gerontologie, so der Soziologe Prof. Franz Kolland in seinem anschließenden Vortrag im Atrium, sieht im Altern ein kostbares Humanvermögen. Die Erfahrungen älterer Menschen gepaart mit einem großen Potential für freiwillige Aktivitäten sollten als großer Gewinn für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts betrachtet werden.
In Europa ist die Dreiteilung des Lebens in Jugend = Bildung, Mitte des Lebens = Berufstätigkeit und Pension = Freizeit, noch ziemlich unhinterfragt. Dadurch bleibe die „Kulturintelligenz“ älterer Menschen gesellschaftlich ungenutzt. In den USA etwa vermischen sich die drei Phasen zunehmend zu einem flexibleren Umgang mit lebenslangem Lernen und Arbeiten sowie immer wieder eingebauten Phasen der Freizeit.
Ob wir das auch wollen ist wieder eine andere Frage.
Laut Prof. Kolland sind Menschen im Ruhestand vor allem
mit Aktivitäten beschäftigt, die sie auch
mit 50 schon täten.
Seine Empfehlungen an Pensionisten, nicht um „ewig
jung zu bleiben“, wie es die Anti-Aging-Werbung
verspricht, sondern vielmehr um sich im Prozess des
Alterns Lebensqualität zu bewahren: Viel Bewegung
und auf Sexualität nicht verzichten. Auch Neugierde
und Irritationsfähigkeit sollte man sich auf jeden
Fall erhalten, denn darin liege die Chance für
Veränderungen: und dafür ist man nie zu alt.
Dass rechtzeitige finanzielle Vorsorge dazu beitragen kann, das Alter jenseits der Erwerbstätigkeit als eine selbst bestimmte und gestaltete Lebensphase zu begreifen – dafür gibt es uns, die ÖBV, die schon seit mehr als 110 Jahren den Öffentlichen Dienst in allen Fragen der finanziellen Vorsorge begleitet – und selbstverständlich auch alle Privaten.
Mag. Eva Enichlmayr
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