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Foto: Prof. Franz Kolland im Gespräch mit ÖBV-Generaldirektor Dr. Johann Hauf

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Das "Age-Work-Paradoxon"

Das „Age-Work-Paradoxon“ nennen es Soziologen – die Tatsache, dass das Erwerbsleben einen immer kürzeren Zeitraum und das Altern eine immer längere Phase in der Biographie von Menschen in den Industrieländern einnehmen. Die rasche Entwertung von Qualifikationen und die Tatsache, dass die meisten Unternehmen eher Bereitschaft zeigen in die Fortbildung jüngerer MitarbeiterInnen zu investieren als in ältere, ist einer der Gründe dafür, dass zwar von Seiten der Politik versucht wird, das gesetzliche Pensionsalter zu erhöhen, der Zeitpunkt des tatsächlichen Pensionsantritts dem aber hinterher hinkt.

Eine Veranstaltung der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) und der Wiener Landesdirektion im ÖBV-Atrium widmete sich dem Thema Altern: Die Sektion 22 der GÖD präsentierte auf Einladung des stellvertretenden ÖBV-Landesdirektors Michael Walter ihre Pläne, sich als echte Service- und Informationsstelle für Pensionisten zu positionieren. Der frisch gekürte Vorsitzende Otto Benesch forderte eine bundesweit einheitliche Regelung der Kosten für Pensionisten- und Pflegeheime und eine stärkere Vertretung der Pensionisten bei den Sozialversicherungsträgern sowie in der Politik.

Kurzfristige konkrete Ziele der neuen Sektion sind die Veröffentlichung und ständige Aktualisierung eines Ratgebers für Pensionisten, kleinere Bildungszuschüsse, Rechtsbeistand, Veranstaltungen zu aktuellen Themen und der Aufbau einer eigenen homepage. Auch mit den
bestehenden Seniorenorganisationen möchte die Sektion verstärkt zusammenarbeiten.

Die GÖD-Sektion als Interessensvertretung von Pensionisten sieht „naturgemäß“ die Probleme älterer Menschen im Vordergrund. Die Gerontologie, so der Soziologe Prof. Franz Kolland in seinem anschließenden Vortrag im Atrium, sieht im Altern ein kostbares Humanvermögen. Die Erfahrungen älterer Menschen gepaart mit einem großen Potential für freiwillige Aktivitäten sollten als großer Gewinn für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts betrachtet werden.

In Europa ist die Dreiteilung des Lebens in Jugend = Bildung, Mitte des Lebens = Berufstätigkeit und Pension = Freizeit, noch ziemlich unhinterfragt. Dadurch bleibe die „Kulturintelligenz“ älterer Menschen gesellschaftlich ungenutzt. In den USA etwa vermischen sich die drei Phasen zunehmend zu einem flexibleren Umgang mit lebenslangem Lernen und Arbeiten sowie immer wieder eingebauten Phasen der Freizeit.

Ob wir das auch wollen ist wieder eine andere Frage. Laut Prof. Kolland sind Menschen im Ruhestand vor allem mit Aktivitäten beschäftigt, die sie auch mit 50 schon täten.

Seine Empfehlungen an Pensionisten, nicht um „ewig jung zu bleiben“, wie es die Anti-Aging-Werbung verspricht, sondern vielmehr um sich im Prozess des Alterns Lebensqualität zu bewahren: Viel Bewegung und auf Sexualität nicht verzichten. Auch Neugierde und Irritationsfähigkeit sollte man sich auf jeden Fall erhalten, denn darin liege die Chance für Veränderungen: und dafür ist man nie zu alt.

Dass rechtzeitige finanzielle Vorsorge dazu beitragen kann, das Alter jenseits der Erwerbstätigkeit als eine selbst bestimmte und gestaltete Lebensphase zu begreifen – dafür gibt es uns, die ÖBV, die schon seit mehr als 110 Jahren den Öffentlichen Dienst in allen Fragen der finanziellen Vorsorge begleitet – und selbstverständlich auch alle Privaten.

Mag. Eva Enichlmayr

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