Mit der ÖBV durchs Leben
ÖBV-Top-Thema:Arbeit
Laboro ergo sum
Stimmt das in unserer Zeit noch? Stimmt dieser Grundsatz – ich arbeite daher bin ich – in einer Zeit wo die Produktivität unzweifelhaft steigt, aber auch die Arbeitslosigkeit? Stimmt es, dass Arbeit das Leben des Menschen ausmacht? Das Thema Arbeit bestimmt momentan eine Diskussionsreihe, die wir in der Österreichischen Beamtenversicherung abhalten. Am 19. September haben wir zum letzten Mal im Atrium darüber diskutiert, ein Beitrag darüber ist in dieser Ausgabe enthalten.
Die Frage, ob uns die Arbeit ausgeht, ob der Produktionsfaktor Arbeit verschwindet oder um es marxistisch auszudrucken, ausschließlich in Kapital gefroren wird oder ist – diese Frage berührt natürlich die menschliche Existenz. Wir glauben nicht, dass die Arbeit ausgeht, es geht unter Umständen die Bezahlte auf dem „Arbeitsmarkt“ aus. Wir glauben auch nicht, dass wir uns den seligen Zeiten der Antike nähern, in der Arbeit etwas Unanständiges und Verwerfliches war, und die Arbeit ausschließlich von Sklaven verrichtet wurde. Wir sind der Meinung, dass Arbeit etwas urtümlich Menschliches ist – nur der Mensch arbeitet, daher auch laboro ergo sum. Arbeit ist etwas spezifisch Menschliches und Teil der menschlichen Identität – auch bezahlte Arbeit.
Arbeit reduziert auf bezahlte Tätigkeit ist in ihrem Stellenwert, ihrer Wertigkeit durch Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt bestimmt; für immer mehr Menschen – und Experten sehen darin keinen von konjunkturellen Maßnahmen und / oder Wirtschaftswachstum abhängigen Faktor, sondern ein strukturelles Problem – gibt es schlicht keine bezahlte Arbeit mehr.
In den seltensten Fällen
Damit gehen sie aber auch sozialer Rechte, kultureller, gesellschaftlicher Partizipation, Recht auf Selbstverwirklichung etc. verlustig.
Für einen noch größeren Teil gibt es nur mehr prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Teilzeitbeschäftigungen, Wissensarbeiter/-innen, die Selbstausbeutung zu Selbstbestimmung erklären; Arbeitsplatzbesitzer hingegen wird immer mehr die Aufgabe ihrer Identität abverlangt, bzw. die Verschmelzung persönlicher Identität mit Anforderungen der Arbeitswelt.
Definiert sich wie bereits oben gesagt Arbeit als Teil
der menschlichen Identität stellt sich
zwangsläufig die Sinnfrage – und wird damit
immer mehr an den mythos des
Sysiphos erinnert, der bekanntlicher Weise immer wieder
den Stein nach oben wälzen muss…..
Sysiphus wird als aufbegehrender Mensch, aufbegehrend gegen die Götter, bestraft und muss „sinnlose“ Arbeit durchführen. Für uns stellt sich die Frage – gerade im Bereich der Aufklärung – ist die Arbeit des Sysiphos sinnlos? Mit Albert Camus und anderen Denkern des Existenzialismus wird dieser Arbeitsbegriff einer genauen Analyse unterzogen und wie folgt definiert.
Definition ...
Es ist interessant festzustellen, dass der Sysiphus-Mythos sowohl in der Antike als auch im Mittelalter so gut wie vergessen war. Die existenzielle Sinnfrage stellte sich nicht. Sinn stiftete sich in der Antike, dass Arbeit nicht menschlich ist und im MA eben daraus, dass Sinn sich kosmisch definierte. Die Welt und das menschliche Leben war Teil eines von Gott bestimmten Planes. Man tröstete sich damit, dass es ein übergeordnetes Lebensmuster gab und dass jeder Mensch in diesem Entwurf eine bestimmte Rolle spielt.
Erst mit Beginn der Aufklärung entdeckt man Sysiphos wieder – anfänglich ist er der Inbegriff aller Leidenden, er wird zur Chiffre für menschliches Leiden, Sysiphos ist der sterbliche Mensch, der zurückgleitende Stein ist die ewig dauernde harte Mühe. Schließlich wird Sysiphos zum Sinnnbild des frommen Christen, der seinen Leiden und Irrwegen trotzt und den immer wieder erfolglosen Pfad der Tugend bei aller Mühe weiter geht.
Mit dem Aufkommen wissenschaftlicher Haltungen, die uns auch letztendlich heute noch bestimmen aber auch mit dem Kant’schen Infragestellen der Existenz, als festgesetzter objektiver Realität wurde der kosmische Sinn in Frage gestellt. Der Mensch verstand sich immer mehr als Individuum. Gleichzeitig wurde der Sysiphos-Mythos neu interpretiert und dargestellt.
Die Erkenntnis Camus` ist, dass der Mensch und nur der Mensch als „arbeitendes“ Wesen, als Identität und Sinn suchendes Wesen vor einer absurden aber unabwendbaren Situation steht: absurd weil seine Tätigkeit sinnlos ist und in vielen Fällen auch unbezahlt durch den Markt, auf der anderen Seite aber Teil der Identität und mehr als bezahlte Arbeit ist.
Nach dem philosophischen Exkurs zurück zur realen
Zustandsbeschreibung: überlassen wir die Frage
„Was ist Arbeit“ bzw. „Wer darf /
muss arbeiten“ und damit überspitzt formuliert
die Frage „Wer darf essen“ in unseren Gesellschaften
dem Markt und seinen Mechanismen oder glauben wir, dass
die Wirtschaft letztlich für die Menschen da ist
und nicht umgekehrt.
Und an diesem Punkt sind alle gesellschaftlichen Kräfte,
Parteien, Gewerkschaften, Wissenschaften etc. gefordert,
die Diskussion zu suchen, Alternativen wie etwa das
Grundeinkommen, Lohn für Hausarbeit, etc. zu prüfen.
Auch die Diskussion um die Funktion öffentlicher
Dienstleistungen ist zu führen: der freie Markt
ist nicht unbedingt geeignet dem Gemeinwohl zu dienen,
andererseits gäbe es viele Bereiche in öffentlichem
Interesse, deren Finanzierung politischer Entscheidungen
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ÖBV-Dialog:
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Im Spannungsfeld des öffentlichen Dienstes
