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Foto: Muße genießen

ÖBV Top-Thema: Arbeit
Brauchen wir Muße?

„Müßiggang ist aller Laster Anfang!“, sagt ein altes, schon etwas abgegriffenes Sprichwort.
Gültig ist es, gemessen an der europäischen Geschichte, noch nicht allzu lange. Noch in der Antike galt Arbeit als Schande und in vielen europäischen Sprachen leitet sich das Wort Arbeit von Mühsal, Plage, Qual und Not ab.

Mit beginnender Neuzeit und sich abzeichnender Industrialisierung begann sich diese Einstellung zu wandeln: Luthers Maxime – in Rückgriff auf einen Ausspruch von Paulus - wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen - aufgegriffen u.a. von Lenin in der Verfassung der Sowjetunion, setzte sich durch.

Schon sehr früh übten Philosophen und Schriftsteller in Europa Kritik an der Entwicklung zur Vereinnahmung des Menschen durch Arbeit. Michel de Montaigne etwa, einer der einflussreichsten Wegbereiter der französischen Aufklärung, ist ein Beispiel dafür, später setzten namhafte Philosophen wie Nietzsche oder Kierkegaard die Zivilisationskritik fort.

Immer mehr ergreift die Arbeit Besitz von den Menschen, definieren wir uns über Arbeit, gestalten wir unser gesamtes Leben den Bedürfnissen der Arbeit folgend. Allmählich häufen sich aber die Hinweise auf ein Wiedererwachen der Sehnsucht nach Muße, nach einer Lebensqualität, die Freiräume beinhaltet und ohne Zeitdiktat und Termindruck schlicht dem Leben gehorcht.


Lektüre-Tipps

Leopold Rosenmayr: Schöpferisch Altern.
Eine Philosophie des Lebens. Lit Verlag Berlin. 2007.
Illustrationen von Prof. Josef Pillhofer.

Eine Zusammenschau eines wissenschaftlich und menschlich reichen Lebens legt der renommierte österreichische Sozial-Gerontologe Leopold Rosenmayr (Jahrgang 1925) mit diesem Buch vor.
Es lädt ein über grundlegende Fragen des Mensch-Seins nachzudenken, schöpferisch und sorgsam mit der eigenen Entwicklung umzugehen und das nicht erst im Alter.
Leopold Rosenmayr hat dieses Buch für Menschen geschrieben, die sich Gedanken über die eigene Zukunft machen. „Die medizinischen und technologischen Möglichkeiten schlagen ein Buch auf, dessen Seiten leer sind“, so Rosenmayr, der seit 1990 Mitglied der Akademie der Wissenschaften ist. „Es gibt Menschen mit reicher Lebenserfahrung. Sie wollen das neue Lebensbuch beschreiben (…) Sie wollen selber schreiben. Auch für sie schreibe ich“.

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Zum Thema Muße mit Texten von der Antike bis zur Gegenwart:

Wolfgang Schneider: Die Enzyklopädie der Faulheit.
Eichborn-Verlag. Berlin. 2003

Zwei Zitate daraus:

„Wir sind ein einziges Mal geboren; zweimal geboren zu werden ist nicht möglich; eine ganze Ewigkeit hindurch werden wir nicht mehr sein dürfen. Und da schiebst du das, was Freude macht, auf, obwohl du nicht einmal Herr bist über das Morgen? Über dem Aufschieben schwindet das Leben dahin, und so mancher von uns stirbt, ohne sich jemals Muße gegönnt zu haben“. (Epikuros, 341-271 v. Chr.)

„Man sollte dem Geist Erholung gönnen; wenn er ausgeruht ist, wird er sich kräftiger und frischer erheben. Wie man fruchtbare Äcker nicht überfordern darf (denn eine unausgesetzte Fruchtfolge würde sie schnell erschöpfen), so schwächt beständige Anstrengung auch den Schwung des Geistes. Wenn er ein wenig erholt und entspannt gewesen ist, gewinnt er wieder neue Kraft. Aus beständiger Anstrengung entstehen eine gewisse Abstumpfung und Erschöpfung.“ (Seneca, 4 v. – 65 n.Chr.)

Mag. Eva Enichlmayr

Lesen Sie dazu auch:
"Das Age-Work-Paradoxon"

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