ÖBV-Veranstaltungen und Events 2001
Walter Stach und Peter Kainz: IO - Zwölf digitale Metamorphosen
ÖBV-Atrium, Grillparzerstr. 14, 1010 Wien
Ausstellung : 30. August bis 9. November 2001
IO ist nicht nur eine der zahlreichen Geliebten Jupiters - das Gemälde von Correggio mit dem Gott in Wolkengestalt gehört wohl zu den bekanntesten klassischen Interpretationen des Stoffes.
IO ist als Zeichenkombination über die Jahrhunderte hinweg in den verschiedensten Gestalten präsent - vom romanischen Feudenschrei bis zum Binärcode OI. Die digitalen Variationen Walter Stachs transformieren das Correggio-Motiv auf 16 großen Tafeln.
Das Original-Bild des Renaissance-Malers ist im Wiener Kunsthistorischen Museum zu besichtigen.
Für die Vernissage komponierte Christoph Cech "reakt IO n - 11 vorausgeahnte Klangereignisse zu Walter Stach zu Correggio", Herbert Strohschein verlas ein von ihm verfasstes Libretto.
Zur Erinnerung: Io ist eine Gestalt der griechischen Mythologie, die von Zeus verführt und in eine Kuh verwandelt wird. Die Frau von Zeus, Hera, lässt diese von dem hundertäugigen Argus bewachen. Von Hermes befreit, flieht Io, von einer Bremse getrieben, über den Bosporus ("Rinderfurt") nach Ägypten, wo sie ihre menschliche Gestalt wieder erhält, mit Zeus einen Sohn zeugt und als Isis verehrt wird.
In einer humorigen Begleitveranstaltung im Theseus-Tempel spielten nicht die Götter mit den Menschen, sondern die Menschen saßen über Götter zu Gericht.
Beim Stegreif-Dramolett "Tribunal gegen Jupiter" urteilten der Präsident des Jugendgerichtshofes Udo Jesionek und Margot Scherl als Richterinnen über Jupiter/Zeus - gespielt von Caspar Einem. Die betrogene Zeus-Gattin und moralische Anklägerin spielte die Journalistin Elfriede Hammerl und Io wurde von der Juristin Anna Sporra gegeben, die das Ganze auch koordiniert hatte.
Die Anklage lautete auf Vergewaltigung, Anstiftung zum Mord und Körperverletzung. Zeus alias Jupiter akzeptierte zwar das psychologisch-analytische Gutachten, das ihm attestierte, in der Entwicklung vom Gott zum Mann stecken geblieben und daher in einer Identitätskrise und unfähig sich auf Beziehungen einzulassen, zu sein, nicht aber das, in Hexametern verlesene Urteil, das ihn vor die Wahl stellte, zwei Monate Sisyphos zu vertreten oder der Verwandlung in einen Ochsen zuzustimmen. Zeus erbat sich Bedenkzeit.


