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Egon Matzner

ÖBV-Veranstaltungen und Events 2001
Egon Matzner: Die vergeudete Republik

ÖBV-Atrium, Grillparzerstr. 14, 1010 Wien
Buchpräsentation und Diskussion:

Prof. Egon Matzner ist durch seine scharfsinnigen Kommentare zu Innen- und Außenpolitik bestens bekannt. Er ist in der österreichischen Zeitgeschichte seit langem fix verankert, ist aber auch an ausländischen Universitäten sehr aktiv.

 

An der Diskussionsrunde nahmen u.a. Dr. Rudolf Bretschneider, Dr. Irmtraud Karlsson, Dr. Andreas Kohl, Prof. Christian Vielhaber und Alfred Payrleitner teil.

Prof Matzner in seinem Einleitungsstatement:

"Die Zweite Republik, alles in allem eine Erfolgsgeschichte, ist zu Ende.

Ihre Stützen sind mangels Erneuerung brüchig geworden. Das ließ sich bei genauem Hinsehen seit vielen Jahren erkennen. Die Lehren aus der Geschichte der Ersten Republik, aber auch die der Zweiten, wurden vergessen. Das angesammelte politische Vermögen ist vergeudet.

Es geht darum, die Stationen des Niedergangs der Zweiten Republik und vergebliche sowie missachtete Reformvorstellungen zu skizzieren.

Die Virtualisierung Österreichs, eine zeitgemäße Möglichkeit des Untergangs, ist heute eine ernstzunehmende Gefahr.

Was folgt auf die Zweite Republik? Die Dritte Republik, autoritär, plebiszitär und nach außen dicht? Oder eine Republik, demokratisch und zuverlässig, nachbarschaftsfreundlich und weltoffen, die sich selbst achtet und von anderen geachtet wird?
Ich schlage vor, die Republik mit einem neuen Grundkonsens wiederzubegründen."

Was kommt nach der 2. Republik?

Die Thesen zu Egon Matzners Buch "Die vergeudete Republik. Wie sie wiederbegründet werden könnte" (Edition Va Bene, Wien 2001) begründeten den Ausgangspunkt der Diskussion.

These 1:
Die 2.Republik, die Erfolgsgeschichte Österreichs im 20.Jahrhundert, wird von der ÖVP/FPÖ-Regierung beendet.(Konsensverzicht in der Außen- und Sicherheitspolitik, Schwächung der Sozialpartnerschaft, Missachtung der Arbeitnehmervertretungen)

These 2:
Der Niedergang der 2.Republik wurde durch 14 Jahre SPÖ/ÖVP-Regierung vorbereitet.(Verlust der historischen Erfahrung, Verzicht auf Bestimmung der Interessen Österreichs in Europa und der Welt, unsolidarische Politik gegenüber den „östlichen“ Nachbarn, Ausgrenzung der FPÖ, unfreundliche Übernahme der CA durch die BA, usw.)

These 3:
Der Aufstieg der FPÖ von einer Mini- zu einer Mittelpartei ist nicht auf eine „verdrängte“ Vergangenheit und Haiders provokative Rhetorik, sondern auf die Fehler der SPÖ und ÖVP zurückzuführen. (Korruption und legale Bereicherung, Konfrontation und Ausgrenzung statt Kooperation bei der Erfüllung öffentlicher Aufgaben)

These 4:
Jedes Gemeinwesen, aus dessen politischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Vermögen mehr entnommen als dazugetan wird, gerät in die Krise.

These 5:
Die Austro-Intellektuellen (Schriftsteller und Journalisten, Historiker, Politologen und Künstler) haben durch ihre proportionslose und undifferenzierte Kritik und ihre Fixierung auf die Nazizeit und Haiders verbale Provokationen die Analyse der gegenwärtigen und zukünftigen Probleme des Landes verdrängt. Sie haben deshalb unfreiwillig zum Niedergang der 2.Republik beigetragen.

These 6:
Die Medien haben, ähnlich wie die Austro-Intellektuellen, durch ihre stets groß aufgemachte Kritik (ungewollt) als Haider-Macher fungiert.

These 7:
Die SPÖ wie die ÖVP müssten sich über die Gründe ihres Abstieges von der Groß- zur Mittelparteien Klarheit verschaffen.

These 8:
Die SPÖ muss die öffentlichen Angelegenheiten, denen sie dienen will, neu definieren und dabei klarstellen, wer ihre politischen Gegner sind.
These 9:
Nach dem Niedergang der 2. Republik und dem internationalen Bedeutungsverlust Österreichs soll die Republik wiederbegründet und ihre Grundsteine erneuert werden.

These 10:
Zu den Grundsteinen der wiederzubegründenden Republik zählen vor allem die Hinwendung zu den realen Problemen von Gegenwart und Zukunft; dabei ist die historische Erfahrung, gewonnen aus Untergang und Wiederaufbau, zu berücksichtigen:

Wiederbegründung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik; Bemühen um eine Kultur der Globalitätsfähigkeit;
Erarbeitung einer neuen Bundesverfassung, die den gegenwärtigen Zustand einer Verfassung ohne Autorität beendet und den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts gerecht wird; und endlich
Erneuerung der symbolischen Repräsentanzen der Republik, die hoffnungslos gestrig sind. Das Amt des Bundespräsidenten sollte, zeitlich befristet, jeweils ein Landeshauptmann ausüben; das Staatswappen und die Bundeshymne wären neu zu fassen.

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