ÖBV-Veranstaltungen und Events 2001
Ingrid Simon: Present Continuous
ÖBV-Atrium, Grillparzerstr. 14, 1010 WienAusstellung : 21. März bis 31. Mai 2001

Die englische Bezeichnung einer bestimmten Verbform der Gegenwart beinhaltet so etwas wie ein Paradoxon: Sie benennt den fortgesetzten Moment, den anhaltenden Augenblick.
Die Arbeit besteht aus dreizehn Farbfotos, aufgenommen Ende vergangenen Jahres an der südlichsten Adriaküste Apuliens.
Ausgangssituation dieser
Serie sind die Probleme der Flüchtlinge,
die von Schleppern vor der felsigen Küste
abgesetzt, nasse Kleidungs-Stücke am Ufer
zurücklassen. Von "Relikten der Flucht"
spricht Ingrid Simon, der es "nicht um romantische
Ästhetisierung menschlichen Elends und Ausgesetztseins
oder um Bild-beschreibungen" geht, sondern
"um die künstlerische Relevanz der Beziehungen
zwischen Text und Bild".
Die liegen gelassenen Kleider beziehen sich auf
die Abwesenheit der Personen, die sie getragen
haben. Die Texte, an sich neutrale, auf die Grammatik
bezogene Übungsbeispiele aus einem Englisch-Lehrbuch
für Ausländer, gewinnen durch die Fotos
eine höchst differenzierte Bedeutung. Sie
fragen, wie Simon betont, nach der Identität
und den Lebensumständen des "I",
"you", "he, she, it", "we"
oder "they" und erhalten dadurch plötzlich
existenzielles Gewicht und verdeutlichen die Situation
der "Nicht-Existenz" von Flüchtlingen.
Aus der Eröffnungsrede
von Heinz Gappmayr:
"In dieser Ausstellung
von Ingrid Simon geht es um die künstlerische
Relevanz der Beziehungen zwischen Text und Bild
und nicht um die romantische Ästhetisierung
menschlichen Elends und Ausgesetztseins oder um
Bildbeschreibungen."
Aus der
Begrüßungsrede von Christine von Kohl:
"Der Flüchtling ist zuerst und vor allem
ein Nichts - ein Nichts, das in der Luft schwebt,
in einem luftigen Niemandsland. Ein dreifaches
Nichts, denn hinter ihm ist Nichts und vor ihm
ist Nichts.
Dann bleibt "ein Flüchtling an sich"
weiterhin im Nichts, dort nämlich, wo er
auf der Erde der Realitäten ankommt - er
weiß im allgemeinen gar nicht, wo das ist
- sein "Ankommen".
Er weiß auch noch nicht, dass es in keinem Land Gesetze gibt, die einen "Flüchtling an sich" schützen würden. So ist der Flüchtling, wo immer er auch hinkommt, erstens vogelfrei und zweitens unerwünscht."
Lesen Sie dazu auch: zur Person Ingrid Simon
