ÖBV - Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit - ÖBV Versicherung

Kafka

ÖBV-Veranstaltungen und Events 2002
Kafka. Die Jahre der Entscheidungen.

Reiner Stach: Buchpräsentation

ÖBV-Atrium, Grillparzerstr. 14, 1010 Wien
28. November 2002, 19.30 Uhr

Einführung: Richard Reichensperger
Lesung: Reiner Stach
Doppelconference: Richard Reichensperger / Herbert Strohschein
Die Versicherung zwischen Religion und Hoffnung

1910 bis 1915: Dies sind die Jahre, in denen sich der junge, ungebundene, beeinflussbare Kafka verwandelt in den verantwortungsbewussten Beamten und zugleich in den Meister des präzisen Albtraums und des kafkaesken Humors.

In kürzester Frist entstehen Das Urteil, Die Verwandlung, Der Verschollene und Der Process, und in rascher Folge werden alle Weichen gestellt, die Kafkas weiteren Weg bis zum Ende bestimmen werden: die Begegnung mit dem religiösen Judentum, die ersten Schritte in die Öffentlichkeit, die Katastrophe des Kriegsausbruchs und vor allem die verzweifelt umkämpfte und dann doch scheiternde Beziehung zu Felice Bauer.

Hermes Phettberg  Reiner Stach

Es sind Jahre beispielloser Intensität, das Zentrum von Kafkas Existenz. Stachs Schilderung ist atmosphärisch dicht und bietet Panoramablicke über Kafkas Welt ebenso wie Nahaufnahmen aus seinem Alltag, wobei auch neueste, bisher unveröffentlichte Forschungsergebnisse aufgenommen werden.

Die bildhafte Erzählweise, die den Leser alle Entscheidungssituationen fast filmisch miterleben lässt, setzt neue Maßstäbe in der deutschsprachigen Biographik

zur Person: Reiner Stach,

geboren 1951 in Rochlitz (Sachsen), studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Mathematik. Für mehrere große Verlage arbeitete er als Wissenschaftslektor und als Herausgeber von Sachbüchern.

1987 erschien seine Monographie Kafkas erotischer Mythos im Fischer Taschenbuch Verlag. In verschiedenen Zeitschriften veröffentlichte Stach grundlegende Essays zu Franz Kafka, unter anderem in der Neuen Rundschau (Berlin) und in der Revista de Ubros (Madrid). 1999 gestaltete Stach die Ausstellung Kafkas Braut, in der er den Nachlass Felice Bauers präsentierte, den er in den USA entdeckt hatte. Die Ausstellung wurde unter anderem in Frankfurt, Wien und Prag gezeigt.


In der Beamtenversicherung wurde am 28.11. der Fall des berühmtesten Versicherungsbeamten des letzten Jahrhunderts verhandelt: Franz Kafka. Aber nicht nur dieser Einzelne war Thema des gastierenden Kafka-Biografen Reiner Stach: Für das, was mit Millionen in der Gewaltmaschinerie des Jahrhunderts geschah, fand Kafka zu Kriegsbeginn 1914 das Kürzel des verwalteten Menschen: Josef K. In der Grillparzerstraße ("mein Blutsverwandter", so Kafka) las Stach aus seiner viel beachteten Biografie, moderiert von Richard Reichensperger.
(Der Standard)

Das Aufregende an diesem Buch ist, dass der Mathematiker Stach neben vielen Entdeckungen auch ganz neue Fragen stellt. Und dass er die Spannungen der Gesellschaft plastisch vergegenwärtigt:

Konflikte in Prag, Arbeitswelten (etwa die Bürotechnik bei K.s geduldiger Verlobter Felice Bauer), Kampf um jüdische Identität. Ein wild nach sich selbst Suchender wird hier Kafka: Kein Ruhen in Berufsrollen, in Familien- oder Geschlechterrolfen war ihm gegönnt, er rebellierte, auf alles radikal und leidend verzichtend: eine Lektion in Unnachgiebigkeit, eine Schule der Ungeläufigkeit.
(Der Standard)

Reiner Stach: Kafka. Die Jahre der Entscheidungen.
S. Fischer Verlag. 2002

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