ÖBV-Veranstaltungen und Events 2004
Amsterdam und Wien - kulturelle Verantwortung und ihre Grenzen
ÖBV-Atrium
1010 Wien, Grillparzerstr. 14
am 11.11.2004
Beginn der 4 Workshops: 14:30 Uhr
Vortrag und Pordiumsdiskussion um 19:30 Uhr
Stargast: Hanna Belliot
Stadträtin für Bildung, Kultur, Integration und Soziales,
Amsterdam
In Kooperation mir IOS-Management und EDUCUL


Wie gehen die Städte Amsterdam und Wien mit öffentlicher kultureller Verantwortung um? Dieser Frage ging man am 11. November im Atrium der ÖBV im Rahmen eines Symposiums, in Zusammenarbeit mit Educult und IOS - Management, nach.
Die Wiener frühstücken im Sacher und tanzen danach im Dreivierteltakt in die Arbeit. In Amsterdam hingegen geht man mit Holzschuhen vor einem Besuch eines Coffeeshops noch ein paar Tulpen pflücken. Wie gehen wir mit den Klischees um, die unserer Kultur anhaften? Wer ist dafür verantwortlich und was haben wir davon?
Wenn man auch nur kurz darüber nachdenkt, dann versteht man, wie viele Fragen sich in diesem Zusammenhang auftun. Deshalb hat man am 11. November schon um 15 Uhr begonnen in Workshops über viele Fragen zu diskutieren. Kultur lässt sich mit vielen politischen Fragen verknüpfen: Bildung, Migration, öffentliche Ressourcen und vieles mehr. Man ist sich einig darüber, dass in all diesen Problematiken auch Chancen stecken. Wie geht man in Amsterdam, einer Stadt, die zur Zeit mit einer Welle von marokkanischen Neu - Amsterdamern geflutet wird, mit dieser Problematik um?
Hannah Belliot, Amsterdamer Stadträtin für Gesundheit, Kultur, lokale Medien und Monumente setzt bei der Lösung vieler Probleme auf die Mithilfe der Kultur. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion betonte sie in ihrer Rede, dass es, nicht nur für Amsterdam oder Wien, sondern für das ganze europäische Projekt hilfreich sein wird, auf kulturellen Stolz zu setzen. Denn eine der stärksten Verbindungen zwischen Menschen kann durch die Liebe zu dem Ort entstehen, an dem man sich ausgesucht hat zu leben.
Man könnte meinen, dass für Wien hier schon eine Möglichkeit steckt, von der Einstellung der Amsterdamer Stadträtin zu lernen. Mit Sicherheit ist kaum etwas so barbarisch, wie dem Wiener sein Granteln über die Stadt zu nehmen, aber über alle Nicht - Raunzer Zonen hinaus sollten wir nicht vergessen, was man bewirken kann, wenn man am selben Strang zieht.
Es ist ein interessanter Lösungsansatz darüber nachzudenken, bei welchen politischen Fragen Kultur eine Schlüsselrolle spielen kann. Dabei solle man nicht außer Acht lassen, was ein Kulturbegriff, der so etwas vollbringen soll, alles mit einschließt. Wohnungsplanung, Schulsysteme, Gesundheit und Medien sind nur ein Auszug dessen, was einen zeitgemäßen und hilfreichen Begriff von Kultur definiert. Letztlich kann man durchaus so weit gehen, dass einfach die Art und das Geschick, wie die Dinge diskutiert und erledigt werden, eine Kultur ausmachen. Eine klare Definition wird dabei ein Problem darstellen, wenn man sich vor Augen führt, wie komplex das Netzwerk ist, aus dem eine Stadt gesponnen ist. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass die Kultur gleichzeitig in der Lage sein kann der Kitt zwischen diesen heterogenen Einzelteilen zu sein.
Wer soll das bezahlen?
Große politische Fragen sind auch immer mit großen finanziellen Fragen verbunden. Man war sich weitgehend darüber einig, dass Kultur in der Zukunft nicht mehr ausschließlich subventioniert werden kann. Ernst Woller, Vorsitzender des Gemeindeausschusses für Kultur und Wissenschaft in Wien, wusste seine Stadt und damit auch seine Arbeit zu verteidigen. Er brachte seine Auffassung nahe, dass Kultur, Infrastruktur und das Gesundheitswesen gleichberechtigte Elemente in der Politik sein sollten, und dass die Kultur dabei nicht immer in die Rolle des Bittstellers gedrängt werden dürfe. In seiner nicht weg zu diskutierenden Rolle als Vertreter der Menschen mit kultureller Verantwortung in Wien, stellte er natürlich die Erfolge und das Bemühen der Stadt in den Vordergrund. Bei der Frage, ob man in Wien für das, was man hat, auch ausreichend Verantwortung übernimmt, herrschte allerdings peinliche Stille am Podium.
Auch wenn Thomas Weber (Format) befürchtet, dass die Kunst in der Subvention nur allzu leicht zu versumpfen droht, werden Städte in der Zukunft als Netzwerk zwischen Regierungen und privaten Finanziers verstanden werden müssen. Weil das ATRIUM der ÖBV in unserer Stadtkultur, als selbstverständlicher Ort zur interkulturellen Begegnung ohne Verpflichtung an das Bildungsbürgertum, eher eine Ausnahme ist, ging auch hier die ÖBV einmal mehr mit gutem Beispiel voran und ermöglichte die Kommunikation zwischen Wien und Amsterdam. Hanna Belliot nannte es „Shareing thougts to sollutions", also der Austausch von Gedanken und Erfahrungen anderer um seine eigenen Lösungen zu finden. Man kann sich gewiss sein, dass auf diesem Boden noch viele europäische Städte mit Wien kommunizieren werden.
