ÖBV - Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit - ÖBV Versicherung

Foto: Klara Blum

ÖBV-Veranstaltungen und Events 2004
Wie aus Klara Blum Dhsu Bai-Lan wurde

Zum 100. Geburtstag
Annemarie Türk und Johanna Tomek auf den Spuren eines abenteuerlichen Lebens – musikalisch begleitet von Xing Shuang

ÖBV-Atrium
1010 Wien, Grillparzerstr. 14
am 02.12.2004 Beginn um 19:30 Uhr

Lesen Sie dazu auch das Textbuch der Veranstaltung mit Gedichten und Briefen von Klara Blum.


Der heutige Firmensitz der Österreichischen Beamtenversicherung in der Wiener Grillparzerstraße war nur eine von zahlreichen Adressen im faszinierenden Lebenslauf der 1904 geborenen Klara Blum.

Czernowitz, Wien, Moskau, Paris, Shanghai und Kanton waren die Stationen der Schriftstellerin, Journalistin und Literaturprofessorin. Sie war nicht nur engagierte Zeitzeugin zahlreicher politischer Großereignisse des 20. Jahrhunderts. In ihrer Person vereinte sie auch wichtige ideologisch-kulturelle Zeitströmungen.

Klara Blum war die Tochter bürgerlicher, jüdischer Eltern, wandte sich später dem Sozialismus und Feminismus zu und dürfte sich auch mit der Individualpsychologie Alfred Adlers beschäftigt haben. Am 27. November 2004 jährt sich der Geburtstag Klara Blums zum hundertsten Mal.

Annemarie Türk, Historikerin, seit vielen Jahren aber im Kulturbetrieb tätig - seit mehr als fünfzehn Jahren auf den Spuren Klara Blums - präsentiert aus diesem Anlass im Wiener ÖBV-Atrium Ton- und Bilddokumente, die sie im Zuge ihrer Recherchen sammelte.

Fasziniert war Annemarie Türk auch von Klara Blums Liebesgeschichte: eine "unglückliche und unerfüllte Liebe, die sie mit unheimlicher Intensität gelebt hat".

Ende 1933 hatte Klara Blum bei einem Schriftstellerwettbewerb eine mehrwöchige Reise durch die Sowjetunion gewonnen. Da in Österreich inzwischen der Bürgerkrieg ausgebrochen war, beschloss sie in Moskau zu bleiben. Dort lernte sie 1938 einen chinesischen Regisseur kennen, der in Shanghai erstmals europäische Theaterformen eingeführt hatte und Gründer einer Schauspielergewerkschaft gewesen war. "Es war die Liebe ihres Lebens, aber nach nur drei Monaten ist er über Nacht verschwunden. Ihr ganzes weiteres Leben war von der Suche nach diesem Mann geprägt".

Ein Leben, das Klara Blum zunächst - von Moskau war sie ausgewiesen worden - von Bukarest aus großteils zu Fuß über Wien und Prag nach Paris führte. Dort gelang es ihr, ein Schiffsticket nach Shanghai zu bekommen, wo sie 1947 ankam, zu einem Zeitpunkt, als die deutschsprachige Exilgemeinde bereits in Auflösung begriffen war. „Klara Blum erlebt den Einmarsch der Roten Armee in Peking, machte schwere Hungersnöte mit und kämpfte sich völlig mittellos durch, - immer auf der Suche nach ihrem Geliebten Dshu Zhang", erzählt Annemarie Türk, die in den 90er Jahren während eines längeren China-Aufenthalts viele ehemalige StudentInnen und Bekannte Blums interviewt hatte.

Erst damals wurde auch bekannt, dass Dshu Zhang 1939/40 als Trotzkist oder Konterrevolutionär in der Sowjetunion liquidiert worden war. Sein Bild begleitete Klara Blum und stand bis zu ihrem Tod 1971 auf ihrem Tisch, auch daran erinnerten sich viele ihrer Studentinnen, die Blum seit Anfang der 50er Jahre an chinesischen Universitäten unterrichtet hatte.

Sie nannte sich mittlerweile Dshu Bailan, übersetzt "Weiße Orchidee" und hatte auch Aufnahme im chinesischen Schriftstellerverband gefunden.

„Sie dürfte sich mit dem kommunistischen Aufbau in China sehr identifiziert haben, die Kulturrevolution allerdings, so war mein Eindruck, konnte sie nicht mehr ganz mittragen und ist auch deshalb sehr in Isolation geraten", so Annemarie Türk.

Sie ist von der Persönlichkeit Klara Blums fasziniert, die "eine sehr streitbare Person" gewesen sein dürfte. So überwarf sie sich mehr oder weniger mit allen Organisationen und Parteien, in denen sie aktiv war, und beschäftigte sich intensiv mit der Frauenfrage. Ihre Widersprüchlichkeit als Person ist sicher auf die Fülle an Einflüssen zurückzuführen, denen sie ausgesetzt war.

"Aufgewachsen in Galizien, mit einer psychisch kranken Mutter, die sich wenig um sie kümmern konnte, ins 'rote Wien' der 20er und 30er Jahre gekommen. In Moskau lebte sie vor, während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und sie erlebte die kommunistische Machtübernahme in China, fast zuviel für ein Menschenleben sollte man meinen."

„Geboren auf Europas Hintertreppen…Die Judengasse ist mein Ahnenschloss, mein Vaterland ein bunter Völkertross, der rastlos wilde Eigensinn mein Erbe“. (Klara Blum – Dshu Bai-lan)

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Lesen Sie dazu auch: das Textbuch