ÖBV-Veranstaltungen und Events 2006
Tian Guo: Vom Himmelsland, vom Himmelsfluss - eine ost-westliche Begegnung
14.11.2006,
um 18:00 Uhr
ÖBV-Atrium
1010 Wien, Grillparzerstr. 14
Tian Guo – das Duo von Xu Fengxia und Giselher
Smekal
Konzert und CD-Präsentation
Chinesische Saiten-Instrumente und Klavier
Guzheng, die chinesische Wölbbrett-Zither, ist – jedenfalls ihrem Tonumfang nach – ein Gegenstück zum europäischen Flügel. Auf diese Weise begegnen sich also zwei Instrumente aus der orientalischen und der abendländischen Tradition. Doch wichtiger ist die Begegnung der beiden Musiker Xu Fengxia und Giselher Smekal, die sich im Verlaufe der vergangenen Jahrzehnte mit den Traditionen und Stilen aus der jeweils anderen Hemisphäre vertraut gemacht haben.
Zur Person: Xu Fengxia
1963 in Shanghai geboren, wurde seit dem 5. Lebensjahr
im Spiel traditioneller Saiteninstrumente Chinas unterrichtet.
Nach dem Besuch des Konservatoriums und der Musikhochschule
in Shanghai spielte sie in traditionellen Orchestern
und gab Solo-Konzerte. Sie war Mitglied des Shanghai
Orchestra of Chinese Music, mit dem sie 1988 erstmals
auf Gastspielreise in Deutschland war.
Zur selben Zeit erregte sie Aufsehen als Bassistin der
ersten Frauen-Rock-Band Shanghais. 1990 wirkte sie im
ersten Jazz-Konzert im „People’s Theatre“
in Shanghai mit. Seit 1991 spielt sie in diversen Formationen,
die traditionelle chinesische Musik darbieten, aber
auch in Ensembles, welche zeitgenössische Musik
aufführen, u.a. mit dem „Nieuw Ensemble Amsterdam“,
der Bremer Kammerphilharmonie und dem „Ensemble
Recherche“. 1995 begann nach der Mitwirkung im
„Global Village Improvising Ensemble“ eine
intensive Zusammenarbeit mit dem Bassisten Peter Kowald,
die mit dessen überraschenden Tod am 21.September
2002 endete. Er war ihr „Lehrmeister“ bezüglich
freier Improvisation, die sie in den folgenden Jahren
besonders interessierte. Im Trio „San He“
mit dem Flötisten Michael Heupel und dem Perkussionisten
Lukas Niggli, im Duo mit der Geigerin Gunda Gottschalk
und im Trio „New Flags“ mit Roger Turner
und Wolfgang Fuchs lotet sie die Möglichkeiten
ihrer traditionellen Instrumente im Bereich der freien
Improvisation aus.
Zur Person: Giselher Smekal
1945 in Seefeld/Tirol geboren, trat erstmals als Komponist zeitgenössischer Musik 1969 bei der Jugendkulturwoche Innsbruck als Preisträger mehrer Werke in Erscheinung: einmal gab es einen Schlagzeuger anstelle eines Dirigenten, in einem anderen Fall waren es zwischen den Musikern gerollte Bowling-Kugeln, die die Einsätze für diverse Abschnitte bestimmten, und ein Basketball-Match beeinflusste den Ablauf eines Orgel-Stückes. Noch im selben Jahr wurde er Mitglied der „Reform Art Unit“, der Free-Jazz-Pioniere im Lande. Er gründete das Ensemble „Sankyoku“ zur Aufführung großräumiger Performances mit akustischen Instrumenten und Elektronik, unter Einbeziehung ritueller Gestik und Dramaturgie. Sein kompositorisches Schaffen wurde immer wieder unterbrochen durch sein Engagement, im Rahmen des Radio-Programmes Ö1 als Gestalter und Moderator die Vielfalt des zeitgenössischen Musiklebens zu präsentieren, aber auch die Musiktradition aus aller Welt vorzustellen, etwa in der Sendereihe „Mandala“, in der er seine profunden Kenntnisse der traditionellen Musik-Stile der Völker dieses Planeten darstellen konnte. Zwangsläufig – nach vielen Jahren, in denen sie sich kennen gelernt haben – musste es zur musikalischen Zusammenarbeit von Xu Fengxia und Giselher Smekal kommen.
Tian Guo Der Name des Duos von Xu Fengxia und Giselher
Smekal ist eine Anspielung auf ihr erstes musikalisches
Zusammentreffen bei einem Konzert der „Gmundner
Festwochen 2005“.
Sigi Holzbauer hat sich seit Jahren damit beschäftigt,
die chinesische Legende von Zhinü und Nialang,
die als Sternbilder an den Himmel versetzt wurden, bildnerisch
umzusetzen. Zur Präsentation seiner Arbeit wünschte
er sich eine musikalische Begleitung des Ensembles „Reform
Art Unit“ mit Xu Fengxia. Aus den Duo-Passagen
von Xu Fengxia und Giselher Smekal entstand das Duo
„Tian Guo“, was in etwa „Himmelreich“
bedeutet.
„Tian Guo“ hat inzwischen ein Duo-Programm
entwickelt, das einerseits auf dem Zhinü-Projekt
basiert, andererseits aus neuen Stücken besteht.
Außerdem ist für das „Acousmania-Festival“
in Bukarest 2006 ein Stück mit Einbeziehung elektronischer
Musik geplant.
Die Schriftzeichen „Tian Guo“ (Himmelsland),
abgebildet auf der CD „celestial flowing“,
sind eine Kalligraphie von Lu Chun Ling, einem der Musiklehrer
von Xu Fengxia.
Seitlich stehen eine Widmung, das Datum 9. Mai 2006
und die Unterschrift des Meisters mit der Bemerkung:
„Gemalt im 85. Lebensjahr“.
Himmelsmechanik
"Celestial Flowers" heißt eine filigrane Duo-Aufnahme in ungewöhnlicher Besetzung, die der in Tirol geborene Pianist und Komponist Giselher Smekal mit der chinesischen Guzheng-Spielerin Xu Fengxia eingespielt hat.
„Tian Guo“ (Himmelssand), so der Name des in mehrerer Hinsicht außergewöhnlichen Duos. Denn der Ansatz, traditionelle chinesische Musik, Mystik und Lyrik mit abendländischer Experimentalmusik zu verbinden um die Jahrtausende alte chinesische Legende „Von der Weberprinzessin und dem Rinderhirten“ zu vertonen, darf durchaus als ehrgeiziges Unterfangen angesehen werden.
„Mir erscheint es wichtig, all diese traditionellen und zeitgenössischen Einflüsse in der Schwebe zu halten, gegenüber den allermeisten World Music oder Crossover-Projekten, die ja meistens eine einseitige Vergewaltigung darstellen“, erklärt Smekal. „In solchen Fällen wird eine Seite immer unbefriedigt bleiben, und wenn das passiert muss letzten Endes, zumindest auf einer weniger bewussten Ebene, ja doch der Eindruck entstehen, dass die eine Tradition weniger wert ist als die andere, weil sie sich womöglich als weniger flexibel erweist. Daher halte ich den Versuch, irgendetwas zu kreuzen schlichtweg für unsinnig, weil es zu keinem Ergebnis führt.“
Ausgangspunkt von »Tian Guo« stellt ein Konzert von Xu Fengxia mit der Reform Art Unit, seit langem immer wieder auch musikalische Heimat von Giselher Smekal, im Rahmen der Gmundner Festwochen 2005 dar, das begleitend zu den Installationen des bildenden Künstlers Sigi Holzbauer stattfinden sollte. Aus dieser Zusammenarbeit heraus entwickelte sich das Duo mit der chinesischen Saitenvirtuosin, die neben ihrer Mitarbeit in traditionellen Orchestern auch auf eine Zeit als Bassistin der ersten Frauen-Rock-Band Shanghais und ab 1995 auf erste Erfahrungen im Bereich freier Improvisation unter Anleitung von Peter Kowald zurückblicken kann.
Mittlerweile haben sich unterschiedliche Programm-Varianten herausgebildet, die von einer speziellen Adaption für Kinder und Jugendliche bis hin zur Verbindung mit elektronischen Elementen im Auftrag des Festivals „Acousmania 2007“ reicht. Smekal selbst datiert sein wichtigstes musikalisches Schlüsselerlebnis übrigens auch auf die Zeit seine: frühesten Kindheit zurück: „Meine Großmutter war sehr Musik begeistert und hat mir in diesem Alter alles beigebracht, was mit Musik zu tun hat. Eines Tages hat sie zu mir gesagt, > Du, das müssen wir uns im Radio anhören, schau einmal, da in der Zeitung gibt es nämlich ein Bild, und da steht das sind Noten, und die spielen sie dann im Radio.< Und dieses Bild mit den Noten waren Kreise, die sich irgendwie überschnitten haben - ich rekonstruiere - John Cage vermutlich. Das hat mich so begeistert, dass ich noch als Knirps damit begonnen habe, selber solche Zeichnungen anzufertigen und mich ans Klavier zu setzen um sie zu spielen.“
Ein Vorgriff auf die spätere Arbeitsweise von
Giselher Smekal, die sich auch in der Verwendung der
graphischen Notation mit dem Titel »Himmelsmechanik«
widerspiegelt, die den Ausgangspunkt für einige
Stücke dieser außergewöhnlichen CD-Einspielung
bildet.
Martin Gansinger
Xu Fengxia
Giselher Smekal 
GD Dr. Johann Hauf, Otto Brusatti, Margarita Equiluz
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