ÖBV-Veranstaltungen und Events 2006
ÖBV-Dialog: Arbeit ist unser Kapital
19. September 2006, 18:00 UhrÖBV-Atrium
Grillparzerstraße 14
1010 Wien (Rathausviertel)
Margit Appel: Neuer Geschmack
von Effizienz
Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen ist Rückschritt
im solidarischen System. Bereits jetzt hoher Beitrag zur Armutsvermeidung.
Die Bedeutung des öffentlichen Dienstes für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft betonte Margit Appel (Kath. Sozialakademie Österreichs) im Rahmen des von der Österreichischen Beamtenversicherung (ÖBV) und der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) organisierten Podiumsgesprächs, an dem auch Hubert Resch („Forum für Arbeit“, ehem. Vorstandsdirektor der Bremer Straßenbahn AG) und der Journalist Dr. Franz Scherhorn (Die Presse) teilgenommen haben.
Eine Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen würde
zu einer Entsolidarisierung führen, da durch die Bereitstellung
öffentlicher Dienstleistungen Armutsgefährdung in
hohem Maß verhindert wird, so Margit Appel. Mit einer
Privatisierung einher gehen auch ein Verlust an Transparenz
und demokratischer Kontrolle. Appel betonte, dass der öffentliche
Dienst einer anderen Rationalität gehorcht als der profitorientierte
Teil der Wirtschaft. Die Orientierung am Gemeinwohl, die öffentliche
Dienstleistungen leisten, ist angesichts der Verteilungsprobleme
in einer immer reicher werdenden Gesellschaft zeitgemäßer
denn je. „Eine Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen
bedeutet einen Rückschritt im solidarischen System“.
Reformbedarf ortet Appel in Hinblick auf eine notwendige „Prävention
der Verhältnisse“. Durch entsprechende Angebote
im Bereich Bildung könnte etwa die Vererbung von Armut
durchbrochen werden. Derzeit werde im öffentlichen Dienst
noch zuviel Zeit und Energie darauf verschwendet, Menschen
zu kontrollieren. „Eine solche Prävention der Verhältnisse
wäre ein neuer Geschmack von Effizienz“.
Auf die Frage der Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen betonte Appel, dass „Steuern unser Kapital“ sind. Diese hätten eine wichtige Funktion, um einer fortschreitenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche, die auch öffentliche Dienstleistungen umfasst, entgegenzuwirken und öffentliche Aufgaben im nötigen Ausmaß zu finanzieren.
In Hinblick auf die Arbeit der Zukunft betonte Appel, dass Vollbeschäftigung nicht mehr zu erwarten sei. Um aber dem Erfordernis sozialer Sicherheit und dem Umstand, dass Wissen und gesellschaftlicher Reichtum immer schwerer Einzelnen zurechenbar sind, Rechnung zu tragen, braucht es neue Wege der gesellschaftlichen Teilhabe. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist ein solcher Vorschlag.
Wien, 20.9.2006
Rückfragehinweis:Margit Appel
Tel: 01-310 51 59-88
www.ksoe.at
