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Foto: Weißes Tryptichon

ÖBV-Veranstaltungen und Events 2006
Verhext - Martina Schettina

05.09.2006,
um 18:00 Uhr
ÖBV-Atrium
1010 Wien, Grillparzerstr. 14

Vernissage am Öffentlichen Dienst-Tag der ÖBV, 05.09.2006
Ausstellung bis 22.09.2006

Laudatio: Helmut A. Gansterer, Co-Herausgeber „trend“

Der Zauber einer gläsernen Handschrift.

Von Helmut A. Gansterer

„Von allen Geschöpfen ist nur uns gegeben,
zu unterscheiden und uns unterscheidbar zu machen“
Erhard Busek

Eine eigene Handschrift ist nicht alles, aber ohne Handschrift ist alles nichts. Zumindest, wenn Bilder auch erfolgreich sein sollen. Martina Schettina, seit zehn Jahren eine der bekanntesten Malerinnen des künstlerisch fruchtbaren Niederösterreich, hat ihre Unverwechselbarkeit gefunden. Allerdings erst, als sie eine Frühphase von Landschaft, Stilleben und Symbolismus überwand. Die frühen Werke waren ausgezeichnet, expressiv spannend und zeigten gute Schulung durch Lehrer wie Gansert und Sengl. Die Künstlerin freilich erhoffte das Aufsteigen von Neuem. Es flog ihr auch zu. Sie fand ihr neues, bis heute großes Thema: Die faszinierende Ausstrahlung interessanter Männer und Frauen, die imstande scheinen, mit der Schwerkraft zu verhandeln. „Magiere“, wie sie Schettina taufte, die mit Geist, Genie, Charisma, Vitalität oder schierer Schönheit die Atmosphäre aufladen, die dingliche Umwelt und deren Wahrnehmung verändern.

Die Art, das unstofflich Magnetische von Menschen darzustellen, fand Schettina mit Instinkt und durch Zufall, nach dem feinen Prinzip Picassos: „Ich suche nicht, ich finde“. Sie legt ihre, meist ins Pin-Up-Schöne idealisierten MagierInnen gläsern über die Hintergrund-Sujets. Ihre Bilder erkennen Wissende auf fünfzig Meter Entfernung. Dies zum Entzücken der Sammler, zu deren frühesten und beständigsten der Autor dieses Essays zählt; und zum Entzücken des Kunsthandels, der hungrig nach unverwechselbarem Duktus ist.

Dieses Ziel zu erreichen, ist schwierig geworden. Fast alle Stilmittel scheinen erfunden. Nur Erfinder werden belohnt. Epigonen werden durch Missachtung bestraft. Wer nach Roy Liechtenstein noch Cartoons rastert oder nach Lucio Fontana noch Leinwände schlitzt, macht sich lächerlich. Die Art, also die Kunst, mit der Martina Schettina ihre Einzigartigkeit fand, wirkt wie alles Großartige verblüffend einfach. Sie erfand die Hell-Dunkel-Doppellinie zur Kenntlichmachung der Durchsichtigkeit ihrer Figuren.

Rund ums Jahr 2000 beschleunigte und verdichtete sich der Ausstellungs-Kreisel der Schettina-Bilder, mit Höhepunkten auch im Ausland wie New York, Florenz und einer Einzelausstellung in Brüssel. Wobei festzustellen war, dass alle bisherigen Magier-Serien ihre eigenen Liebhaber fanden: die ersten „Manhattan-“ und „Heidelberg“-Bilder mit noch konkreten Hintergründen; die schon abstrakteren, ästhetisierten wie „Das rote Sofa“, „Nachtbilder“ oder „Cabo Verde“. Oder jene Serien, die einen verblüffend nonchalanten, oft augenzwinkernden und erfrischend humorvollen Zugang der Künstlerin zur Welt der Technik und Industrie zeigen. Auf Einladung der polyglotten Veranstalter der berühmten Ennstal-Classic-Rallye („Mille Miglia der Berge“) legte sie Magiere über Oldtimer-Detail-Fotos von Michael Alschner, die nun beispielsweise eine Mercedes-Zentrale zieren. Und mit aller denkbaren Süße tauchte sie in die rosarote Welt der Firma Manner.

Die Weigerung der Künstlerin, sich vom Bierernst und der Betroffenheitskultur der meisten Maler anstecken zu lassen, ist evident: Unverwechselbarkeit auch in der Bereitschaft zu einem gewissen Lächeln. Dies mag einer Frau leichter fallen, die nicht nur mit Malerei, auch mit Mathematik und Physik ihr Geld verdient. Eine aparte Mischung von Talenten. In der Welt der Fotografen wäre sie zugleich Albert Renger-Patzsch und Bettina Rheims.

Helmut A. Gansterer
Co-Herausgeber „trend“
Kunstmediator 2003 OscART 2004
Wien, Mai 2005

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