Mit der ÖBV durchs Leben
ÖBV-Veranstaltungen und Events 2006
Tommy Schneider: Neu lich
ÖBV-Atrium, 1010 Wien, Grillparzerstr. 14
Vernissage am Öffentlichen Dienst-Tag der
ÖBV, 28.11.2006 um 18:00 Uhr
Die Zeit im Raum - Farbfragmente der Erinnerung. Arbeiten
auf Papier und Multiples von Tommy Schneider.
Musik: Lothar Zanzinger spielt „Stücke für
Gitarre” von Hans Erich Apostel (1901 - 1972),
Begrüßung und Laudatio: GD i. R. Dr. Johann Hauf,
Kunstpause am 12.12.2006 um 15:30 Uhr
Ausstellung 29. November 2006 bis 19. Jänner
2007,
Mo - Fr 10 bis 17 Uhr
Zur Person: Tommy Schneider

Geboren
in Suben am Inn HS für Gestaltung,
Linz Stadtwerkstatt,
Linz HS für Angewandte Kunst,
Wien Preis der Stadt Wien,
1987 Talentförderungspreis O.Ö.,
1991 Lehrtätigkeit: HS für Angewandte Kunst,
Wien
1991- 1994 HS Mozarteum Salzburg seit 1997 Arbeitsbereiche:
Malerei, Video, Film. Lebt und arbeitet in Wien.
Die Erfahrbarkeit von Welt
als künstlerisches Thema bestimmt sich im aktuellen Kunstgeschehen durchwegs über spezifische Einteilungen, über Analyse, über größtmögliche Konzentration auf einen ausgewählten Aspekt, der dann in weiterer Folge als individuelle Aufgabe zumeist auch zu einem persönlichen Markenzeichen wird. Die zudem massiv forcierte Reflexion der eigenen Gestaltungsmittel als integriertes Element dieser eigenen künstlerischen Arbeit, verstärkt zusätzlich den Prozeß der Segmentierung: Wirklichkeit wird - nicht nur hier - zu einer Machtfrage, inwieweit persönliche Annäherungen an Welt zu einem allgemein sozial gültigen Parameter werden kann.
In seiner absolut konsequenten künstlerischen Arbeit öffnet Tommy Schneider diese Fragestellung. Er sucht eine Annäherung an Erfahrbarkeit von Welt, die umfassende Strukturen vermittelt - schlagwortartig als Atmosphäre bezeichenbar. Er sucht das Zusammenfließen menschlicher Wahrnehmungen zu gestalten, eine möglichst intensiv verbundene Informationsfülle; ohne sich in belangloser Breite zu verlieren, wird die möglichst weit gefaßte Ansicht zum Schwerpunkt des eigenen Kunstwollens.
Wichtiges künstlerisches Gestaltungsmoment hierfür ist Wiederholung und Varianz. Als einziges Sinnesorgan des Menschen ermöglicht das Auge eine (fast) identische Wiederholung einer Sinneserfahrung - Tommy Schneider benützt diesen Aspekt, um den Betrachter seiner Bild- und Videowerke auch zur Frage zu führen: Wie komme ich zu dieser (meiner) Wirklichkeit, welche Grenzen setze ich ihr, was schließe ich aus, welche integrierenden Möglichkeiten gibt es?
Der Künstler konzentriert diese Auseinandersetzung auf das thematische Phänomen Afrika. Die Welt dieses Kontinentes wird immer wieder von neuem in ihrer umfassenden Zeichenhaftigkeit erfahrbar gemacht. Völlig unsentimental gelingt über die Andersartigkeit von Landschaftsraum, kultureller Tradition, Klima, Menschenbild usw. eine offenere gestalterische Zusammenführung vor allem über die Farbe.
Die Farbe
als selbständige Gestaltungskraft auszuloten und hier
vor allem von ihrer Abbildungsfunktion zu befreien,
war über viele Jahrzehnte unseres Jahrhunderts
ein Hauptanliegen progressiver Künstler, wie es
Jahrhunderte zuvor die möglichst intensive Naturnachahmung
mit Hilfe gestalteter Farbe auf einem Bildträger
war. Bei allen so erfolgreichen Bemühungen um das
Ausweiten dieser selbständigen Wirkungsmöglichkeiten
löste sich diese von einem Künstler auf einem
Bildträger aufgetragene Farbe doch niemals vollständig
von Darstellungsbeziehungen bzw. von Naturkonnotationen.
Tommy Schneiders Bildwerke suchen hier eine kompakte Verbindung zwischen einer eigenständigen Farbwirksamkeit sowie ihrer Beziehung zu anderen Erfahrungswirklichkeiten. Fernab dem Bemühen um Lokalfarbe verschließt Tommy Schneider sich auch im übertragenen Sinne nicht vor den Abbildungsqualitäten von Farbe. Auf der Basis der vielfältigen Abstraktions-erfahrungen der Kunstgeschichte unseres Jahrhunderts operiert er ganz bewußt mit der Impression: dem direkten Festhalten eines umfassenden optischen (Farb-, Licht-,) Eindruckes, der als expressive Handlung zu einer Bildkomposition gestaltet wird.
Die mit diesen Farben aufgebaute Formenwelt ist geometrienahe, verweist daher auf ein Ordnungsprinzip, ohne dieses jedoch in scharfer Grenzziehung zu exekutieren. Vielmehr werden durchwegs die Ränder unscharf belassen, die vorgestellten Bereiche überlagern sich nicht nur zu Schichtungen, sondern konstituieren sich durch die Weichheit der Ränder als bewegliche Größen.
Die Bewegung
der Bildeindrücke hin zur Unterbrechung, zu einer speziellen Blickkonzentration zu führen, ist das Anliegen jedes menschlich geschaffenen Bildes.
Tommy Schneider entfernt diesem Prozeß sowohl von gemalten wie auch von gefilmten Bildwerken alle Schärfe. Behutsam verändert er das Tempo der lichtgeschwindigkeitsschnellen Augenblicke. Im Bewußtsein der Filmkader des menschlichen Blickes bemüht er sich, den zeitlichen Abstand zwischen diesen Filmkadern zu vergrößern. Er zeigt jeden dieser Kader als eine spezifische Situation, die sich im nächsten Kader völlig verändern kann und doch zusammen mit anderen Filmkadern von einer gemeinsamen Situation handelt.
Das Bewußtsein der solchermaßen optisch-modulhaften Erfahrung von Welt lenkt die Aufmerksamkeit wie selbstverständlich auf die dynamischen Möglichkeiten der Veränderung. Eine fließende Bewegung im Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz.
(Dr. Peter Assmann, Direktor des Oberösterreichischen Landesmuseums)
Lesen Sie dazu auch:
NEU LICH
Die Zeit im Raum – Farbfragmente der Erinnerung
Der Bilder- und Filmemacher Tommy Schneider im Gespräch
mit ÖBVaktiv
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Christine de Grancy

Univ.Prof. Dr. Walter Würdinger – ein guter Freund der ÖBV
