Veranstaltungen und Events 2007
Lore Heuermann ist 70!
Eine gelungene Geburtstagsausstellung in der ÖBV
(Dieter Schrage)
„Wie der Fluss des Wassers sich ständig ändert, Form annimmt, sich auflöst und sich in seinem Wesen doch stets gleich bleibt, versuche ich, diesem Fließen Gestalt zu geben“. So schreibt Lore Heuermann, die äußerst vielseitige Künstlerin (Malerei, Grafik, Installationen, Performance u. a. wie beispielsweise ihre Glasradierungen) in ihrem Einladungstext zu der Ausstellung „Verlorene Orte – verdichtete Zeit“, die bis zum 11. Mai d. J. im eindrucksvollen Atrium der Österreichischen Beamtenversicherung (ÖBV) zu sehen ist.
Integriert in die Ausstellung ist auch eine speziell für diese Schau geschaffene - und sehr gelungne, collagierte - Klanginstallation des in Hall in Tirol als freischaffender Komponist lebenden (!) Günther Zechberger.
Lore Heuermann realisiert in der ÖBV ihre künstlerische Intention „dem Fließen Gestalt zu geben“ in großen, gezeichneten Papierbahnen und in einer Zeichenperformance in Zusammenarbeit mit der Tänzerin Claudia Fürnholzer. Beim Betrachten der in der Form von Kalligraphien gestalteten Zeichnungen von Lore Heuermann wird sofort deutlich, dass diese Künstlerin stark vom fernöstlichen Denken (Tao) beeinflusst ist. Und aus den mir von ihr zur Verfügung gestellten Unterlagen „Die Kunst und das I Ging“ (Fußnote: R. L. Wing, Das illustrierte I Ging, München 1982, S. 13) zitiere ich in Bezug auf das Schaffen der Zeichnerin wichtige „intuitive Sehen“:
· Dieses intuitive Sehen befähigt uns, in dem vorgelegten Kunstwerk mehr zu sehen, als tatsächlich auf dem Papier vorhanden ist.
· Die chinesische Kunst durchbricht die Zeit und beinhaltet somit die unsichtbaren Samen zukünftiger Ereignisse.
· Der Künstler (Anm.: die Künstlerin) versucht, den Betrachter ins Gemälde hineinzuziehen und ihn an der kosmischen Ordnung teilhaben zu lassen.
Da wäre ein „Preis der Stadt Wien“ angesagt!
Doch auch schon vor ihrer Auseinandersetzung mit dem fernöstlichen Denken und ihren Reisen nach China und Japan in den 1990er Jahren spielten das verdichtete Bildzeichen (z. B. in ihren Bildbatiken seit Ende der 1960er Jahren, in denen ich Lore auch kennen lernte), und in den Kalligrafien eine bedeutende Rolle. Und 1973 legte sie ihren in großen Acrylbildern geschaffenen „Bewegungszyklus“ vor, der dann 1976 auch im Rahmen der Olympischen Winterspiele in Innsbruck präsentiert wurde. Es ist kennzeichnend für Lore Heuermanns bis heute anhaltendes gesellschaftspolitisches Engagement, dass sie 1976 ihren „Bewegungszyklus“ auch als Solidaritätsbeitrag in der besetzten Arena im Auslandsschlachthof von St. Marx ausgestellt hatte.
Ihre derzeitige, sehr schöne Ausstellung in der Österreichischen Beamtenversicherung – und dafür ist der ÖBV besonders zu danken – ist Lores 70. Geburtstag gewidmet. Insgesamt kann die jetzt 70Jährige auf ein umfangreiches und erstaunlich vielfältiges Werk zurückblicken – hier wäre ein „Preis der Stadt Wien“ fällig!! Doch den Zenit ihres Schaffens hat diese vielseitige Künstlerin noch längst nicht überschritten.
