Veranstaltungen und Events 2007
Alte Weisheit contra moderne
Architektur
Viele Künstlerinnen und Künstler schätzen moderne, klar gegliederte, hohe, Licht durchflutete Räume wie das Atrium der Österreichischen Beamtenversicherung als Ausstellungsraum - nicht so die Zeichen- und Performance-Künstlerin Lore Heuermann, die trotzdem von 28. Februar bis 11. Mai gemeinsam mit dem Tiroler Komponisten Günter Zechberger zu einer Raum-Klanginstallation in die Wiener Grillparzerstraße lädt.
Regelrecht
„gerungen“ habe sie mit der modernen Architektur,
gesteht die Künstlerin, die sich seit fast 50 Jahren
mit asiatischer Philosophie beschäftigt und ihrer Ausstellung
„Verlorene Orte – verdichtete Zeit“ angesichts
des „globalisierten Zeitungeistes“ eine „poetisch-melancholische
Note“ geben wollte. Um sich ästhetisch-künstlerisch
gegen die von ihr als „fast übermächtig“
empfundene Architektur durchzusetzen, griff die in Deutschland
geborene Künstlerin, die seit 1956 in Wien lebt, auf
einen der ältesten Texte der Menschheit zurück,
das in China vor vermutlich viertausend Jahren entstandene
Orakel- und Weisheitsbuch I Qing.
Im Vertrauen auf die „Macht des Wortes und des Textes“ gelang ihr - keine Symbiose, aber ein wohl gesetzter Kontrapunkt zu dem sich über drei Stockwerke erstreckenden Raum in dem Gründerzeitbau, den der Architekt Walter Stelzhammer Mitte der 90er Jahre mit einem modernen, transparenten Innenleben versehen hatte. Die Renovierung des Hauses durch die ÖBV wurde mit zahlreichen Preisen gewürdigt.
Bis zu fünf Meter lange Bahnen aus Reispapier lösen nun die Glas-Stirnwand des Atriums auf, die Glastüren zu den Seitenräumen werden mit Zeichnungen auf Papier versehen - acht Türen für die acht dem I Qing zugrunde liegenden Trigramme. Auch auf einem Zelt „werden sich Abbildungen von Menschen tummeln, die verschlungene Muster der Lebenslinien“ des homo sapiens bilden und an die Flüchtigkeit, Vergänglichkeit und Fragilität des menschlichen Lebens und die Relativität der Zeit gemahnen. „Unbehaust, fragil, unbeständig und leicht vergänglich“ sei die menschliche Existenz, meint Lore Heuermann, die die Ausstellung in einem Versicherungsunternehmen als Möglichkeit sieht „die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit der Menschen zu schärfen“.
Innere und äußere Bewegung, übertragen mit der Bambusfeder auf handgeschöpftes Papier, ist das zentrale Motiv der Arbeiten Lore Heuermanns. Tage- und wochenlang begleitet sie Tänzer und Tänzerinnen bei ihren Proben, lässt den Tanz der Körper durch sich hindurch auf das Papier fließen. Bewegung ist es auch, die ihre Arbeiten mit der Musik von Günter Zechberger verbindet: Ein Netz von Laserstrahlen durchzieht den Raum und intuitiv löst jeder Besucher durch das Durchqueren der Laserstrahlen Kompositionen von Günter Zechberger aus. Jeder, der sich im Raum bewegt, wird „Komponist und Dirigent“ auf Basis des Klangmaterials von Zechberger - ebenso wie die Tänzerin Claudia Fürnholzer, die am 7. März um 16 Uhr eine Tanz- und Zeichenperformance mit Lore Heuermann gestaltet.
