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Bildausschnitt: Felbermeier "Eigen-Schaft"

Veranstaltungen und Events 2008
Heinz Felbermair: "Ent – Wicklung"

Subtitl. Ausbruch aus dem Kokon

Neben den vielfältigen Ausdrucksmitteln der bildenden Kunst liebt es Heinz Felbermair, mit Sprache zu spielen: Analog zu seinen vielschichtigen Gemälden zerlegt er zusammengesetzte Wörter, untersucht die Fragmente auf ihre Bedeutung und erreicht dadurch für seine Bild- und Serientitel neue Sinnzusammenhänge, die mit Form und Inhalt der bildnerischen Arbeiten korrespondieren – dem „Ausbruch aus dem Kokon“. Ent-Wicklung, Aus-Einandersetzung, Eigen-Schaft, BeHUTsam bezeichnen Werke, die den Menschen, seine Befindlichkeit und unmittelbare Umgebung in den Mittelpunkt rücken. Von 26. November 2008 bis 6. Jänner 2009 war der zwischen München und Bruck/Mur pendelnde Künstler mit seinen Gemälden und Grafiken zu Gast in den Räumlichkeiten der ÖBV in Wien.

Txt. Seit längerer Zeit beschäftigt sich Heinz Felbermair mit den Phänomenen Veränderung, Weiterentwicklung und Metamorphose. Offensichtlich durch die Entwicklungsstadien von Insekten angeregt, lässt er seine stark abstrahierten menschlichen Figuren solche Stadien durchlaufen, wobei der Verpuppung und dem Verlassen des Kokons die größte Bedeutung in den als Mischtechnik gemalten Bilderzyklen der Jahre 2004–06 zukommt.

Carl Aigner, Direktor des NÖ Landesmuseums, anlässlich der Laudatio dazu:

„Das Thema Mensch ist doch heute etwas sehr Brisantes. Deshalb gefällt mir der Titel der heutigen Ausstellung auch so gut, das ‚Ent-Wickeln‘. Wohin entwickeln wir uns eigentlich? Wenn Sie die Bilder von Heinz Felbermair betrachten, ist das Entwickeln sehr wörtlich genommen: Menschliche Figuren, die im Begriff sind, sich zu entpuppen – ganz allein auf sich gestellt, in einer Art ‚malerischen Reagenzglas‘, wenn ich das so provokant formulieren darf.“

Die hybriden, entindividualisierten Einzelwesen Felbermairs sind in sich selbst versponnen oder beziehen sich auf ein weiteres, ebenfalls im Kokon steckendes Mischwesen. Annäherung und Berührung zweier solcher Figuren ist selten von Dauer, sondern flüchtig und unverbindlich. Mal im Spiel oder im Tanz, mal im Kampf miteinander oder den eigenen Sehnsüchten und Ängsten befindlich, bleiben die Figuren doch mit ihrem Kokon verhaftet und in ihrer Dynamik und Autonomie eingeschränkt. Ihre minimalen Bewegungen und Loslösungsversuche sind letztlich als Spiegel der menschlichen Existenz mit all ihren Unzulänglichkeiten und Beschränkungen zu deuten. Wie gerne würde man Felbermairs Wesen beim mühsamen Ausbruch aus dem Kokon helfen, den Durchbruch beschleunigen und sie in die Freiheit entlassen ...

Bildausschnitt: Serie 'Eigen-Schaft'

Ab 2006 beginnen sich die mit dem Kokon scheinbar verwachsenen Körper immer mehr freizuspielen – sie haben sich tatsächlich „ent-wickelt“, weiterentwickelt. Der Künstler wendet sich nun Themen zu, die die neu erreichte Autonomie widerspiegeln. Die Serien Eigen-Schaft und BeHutsam zeugen davon: Sie haben eine weitere Dimension gewonnen, die für das Gelingen von Beziehung unentbehrlich ist und ebenso den Bildern von Felbermair gut tut – nämlich Humor.

Konsequenterweise hat sich, parallel zum Inhalt, auch die Malweise verändert: Sie ist klarer, reduzierter und reinfarbiger geworden. Die offen gemalten, pastos gespachtelten Landschaften, die Felbermairs Kokonmenschen bevölkert hatten, sind großflächigen, aus klar umrissenen monochromen Farbfeldern gebauten Bildbühnen gewichen. Diese kompositorischen Tendenzen sollten auch in das aktuelle Projekt des Künstlers einfließen, das nur in Buchform in der ÖBV gezeigt werden konnte: der Bildzyklus „40 Titans“. Im Auftrag einer bekannten Münchner Unternehmensberatung interpretierte der Künstler in vierzig großformatigen Acrylgemälden internationale Wirtschaftsgrößen mit den für sie typischen Attributen, jedoch in gewohnt Felbermair‘scher Manier verfremdet.

Seine Vielseitigkeit unter Beweis stellend, hatte der gelernte Grafiker und seit 1991 freischaffende Maler, Bildhauer und Illustrator für das ÖBV-Atrium auch Druckgrafisches mit im Gepäck. Hervorzuheben sind zwei Serien von Kaltnadel- und Aquatintaradierungen, die den zahlreichen Vernissagengästen einen tieferen Einblick in den künstlerischen Kosmos des Heinz Felbermair gestatteten und den Eröffnungsredner Carl Aigner zu folgenden Betrachtungen inspirierten:

„Wenn Sie von der Malerei zu seinem grafischen Werk gehen, dann sehen Sie dieses ‚Skizzenhafte‘, das für Felbermair etwas grundlegend Bildnerisches ist: dieses Aufreißen des Striches, wie wir es seit Egon Schiele kennen. Die Linie ist jetzt nicht mehr ein geschlossenes Universum, der einzelne Strich gewinnt an Autonomie. Er wird nicht figural niedergeformt, sondern hat eine unglaublich offene Dimension, mit all dem, was wir mit der Zeichnung verbinden – mit dem Spontanen, mit dem Impulsiven, mit dem Momentanen ...“.

Der festliche Eröffnungsakt, bei dem sowohl der scheidende Generaldirektor Dr. Johann Hauf als auch der neue ÖBV-Vorstandsvorsitzende Mag. Josef Trawöger zugegen waren, hielt noch einen weiteren Höhepunkt für das Publikum bereit: die virtuos und spritzig vorgetragenen Interpretationen amerikanischer Jazzstandards durch den Pianisten Sascha Peres.

Maria Christine Holter

Mag. Maria Christine Holter lebt und arbeitet als freie Kunsthistorikerin in Wien.

 

 

Ausstellung-Info

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