Veranstaltungen und Events 2008
Vom Tragen und Verwandeln
„Wandelbare Objekte" hat Ignaz Kienast seine Arbeiten oft genannt, die er unter anderem auch einmal im Schloss Traismauer gezeigt hat. Mit „wandelbar" ist dabei gleich mehreres gemeint. In Traismauer beispielsweise eine Prozession, mit der die Ausstellung eingeleitet wurde und die Objekte, zur Musik des Kollegium Kalksburg, durch den Hof getragen und, im Ausstellungsraum angekommen, an ihren Platz gestellt wurden. „Wandelbar" ist aber auch die Arbeit des Künstlers selbst, indem er Gegenstände des Alltages aus diesem heraushebt und ihnen eine andere Gestalt, eine künstlerisch „gewandelte" gibt.
Ignaz Kienast will aber die Träger seiner Kunstwerke von damals auch als „Informationsträger" verstanden wissen, und damit bezieht er gleich das Publikum mit ein, denn dieses ist ja Teil, nicht nur der Prozession, sondern des künstlerischen „Prozesses", „trägt" also, im übertragenen Sinn, durch sein Interesse und Verständnis, das Kunstwerk mit. Es mag aber auch sein, dass diese etwas theatralische Einleitung daran erinnern sollte, dass Kunst durchaus etwas mit Ritual zu tun hat, dass sie auch mit einer gewissen Feierlichkeit aus dem Alltag herausgehoben werden muss, um nicht in der allgemeinen Trivialität unterzugehen.
„Wandelbar" meint aber nicht nur die Veränderung von Gebrauchsgegenständen durch den Künstler - die Einzelteile von Weinfässern werden zu künstlerischem Material -, sondern auch den geistigen Prozess, der aus Dauben, Fassböden, aus Korken, Holzkistendeckeln oder Korkenziehern Objekte der Kunst schafft, die ihre Herkunft nicht verleugnen, aber ihrem Zweck entfremdet, ge-wandelt und ver-wandelt werden.
Es ist seit Marcel Duchamp nichts Neues, dass Gefundenes aller Art, aufs Podest gestellt, zu Kunst wird. Ignaz Kienast geht es aber nicht darum, künstlerisches Recycling zu betreiben, indem er die Objekte einfach so nimmt, wie sie sind, und sie nur in eine andere räumliche Beziehung setzt, sondern das Vorgefundene ist ihm Material, zur Bearbeitung freigegeben. Indem er aber das Vertraute bearbeitet und ihm eine neue Form gibt, hebt er es erneut ins Bewusstsein. Dafür muss er sich das Gefundene zuerst selbst anverwandeln in jenem geistig-handwerklichen Prozess, der aus dem einen sinnhaften Gegenstand einen anderen ebenso sinnhaften erschafft, denn nur damit weist der Künstler über das Vorgefundene hinaus, erreicht ein verändertes Bewusstsein, ermöglicht neues Sehen und Erkennen.
Längst hat sich Ignaz Kienast mit seiner unaufdringlichen, aber überzeugenden bildhauerischen Sprache Achtung und Wertschätzung erworben. Seine archaisch anmutenden Objekte in Holz, Stein oder Bronze tragen eine eigene Handschrift. Er wäre aber nicht Bildhauer, wenn es ihm nicht immer auch darum ginge, seine Objekte in Beziehung zu setzen, zu ihrer eigenen Körperhaftigkeit vor allem, aber auch zu dem Raum, für den er sie schafft. Beispielsweise für eine Kirche oder für einen Platz mitten in der Landschaft. So hat er selbst in seiner ländlichen Heimat Bewusstsein geweckt, nicht nur für die Schönheit, sondern auch dafür, dass diese Schönheit Aufmerksamkeit braucht und, ob es sich um alte Kulturdenkmäler handelt oder um zeitgenössische Objekte, auch Pflege, damit sie nicht verloren geht.
Die Kunst kann Wege aufzeigen, mit künstlerischen Mitteln sogar ökologisches Bewusstsein schaffen, das hat Ignaz Kienast oft und oft und mit wechselndem Erfolg getan. Er fühlt sich nicht nur verbunden mit den uralten Traditionen, mit der Natur und ihren Kräften und nützt sie für seine Arbeit, er weiß sich auch verantwortlich für sie. Das Mittel aber, mit dem er diese Verantwortung trägt, ist die Kunst.
Prof. Angelica Bäumer
Kulturjournalistin / Autorin

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