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Foto: Kienast - Objekte

Veranstaltungen und Events 2008
Die Verwandlungen des Weinvierliers Ignaz Kienast

"Wandelbare  Objekte"

nennt Ignaz Kienast seine jüngsten Arbeiten, die er im einzigartigen Am-biente des Schlosses Traismauer, dem niederösterreichischen Landesmuseum für Frühgeschichte, in einer eindrucksvollen Präsentation ge­zeigt hat. Wobei die Ausstellung mit einer Prozession eingeleitet wurde und die Objekte - zur Musik des Kollegiums Kaiksburg - durch den Hof getragen und im Ausstellungsraum an ihren Platz gestellt wurden. Diese etwas theatralische Einleitung zeigte einmal mehr, daß Kunst durchaus etwas mit Ritual zu tun hat - und daß sie auch mit einer gewissen Feierlichkeit aus dem Alltag herausgehoben werden soll, um nicht in der Trivialität des Alltags unterzugehen.

„Wandelbar" meint demnach nicht nur die Veränderung von Gebrauchsgegenständen durch den Künstler - die Einzelteile von Weinfässern werden zu künstlerischem Material - sondern auch den geistigen Prozeß, der aus Dauben, Faßböden, Korken, Holzkisten oder Korkenziehern Objekte der Kunst schafft, die ihre Herkunft nicht verleugnen, aber in ihrem Zweck verändert, verwandelt und gewandelt werden. Ignaz Kienast geht es nicht nur darum, künstlerisches Recycling zu betreiben, indem er Objekte einfach so nimmt, wie sie sind, sondern er will das Vorgefunde­ne und Vertraute sehr wohl bearbeiten, ihm eine andere Form geben. Er muß das Gefundene zuerst selbst in jenem geistig­handwerklichen Prozeß verwandein, der aus dem sinnhaften Gegenstand einen anderen ebenso sinnhaften erschafft. Nur damit weist der Künstler über das Vorgefundene hinaus und ermöglicht neues Se­hen und Erkennen.

Geboren und aufgewachsen in Unterstinkenbrunn im Weinviertel, ist Ignaz Kienast von klein auf mit der Landschaft, der Natur, den Weingärten, vor allem aber mit den Gegenständen der Weinbauern vertraut. Den Weinkeller des Vaters hat er später zu seinem Atelier umgebaut und den verwilderten Hohlweg wiedergeöffnet und kultiviert. Nach dem Studium in Wien (bei Wander Bertoni) und Studienreisen in alle Welt hat Ignaz Kienast einen weiten Bogen gespannt, der von seinen Anfängen hinausweist in die Ferne und zurückführt in die Nähe. Was so pathetisch klingt, ist in Wahrheit ganz einfach, und man darf im Goethe-Jahr an eines derwohl bekanntesten Zitate erinnern „Warum in die Ferne schweifen, sieh das Gute liegt so nah".

Was aber bedeutet, daß man die Ferne braucht, um das Nahe zu erkennen. Ignaz Kienast fühlt sich auf eine kritische Wei­se seinen Wurzeln verbunden. In diesen Tagen ist Ignaz Kienast 40 Jahre alt geworden, er hat seine Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Österreich und vielen anderen Ländern gezeigt, er hat Preise erhalten und Auftragsarbeiten für Kunst im öffentlichen Raum übernommen. Der letzte Auftrag, der erst in diesem Jahr fertiggestellt wurde, ist der (feierlich eingeweihte) Tabernakel in der Ruprechtskirche in Wien. Auch diesen Schrein hat er aus Faßdauben gebaut, möglicherweise ein Symbol für den in Christi Blut verwandelten Wein bei der Heiligen Messe. Längst hat sich Ignaz Kienast mit seiner unaufdringlichen aber überzeugenden bildhauerischen Sprache Achtung und Wertschätzung erworben. Er hat auch in seiner ländlichen Heimat Bewußtsein geweckt; nicht nur für Schönheit, sondern auch dafür, daß Schönheit Aufmerksamkeit braucht und Pflege, damit sie nicht verloren geht.

Angelica Bäumer
Autorin, Kunstkritikern, lebt in Wien

Zitiert aus:
"morgen, Kulturzeitschrift aus NÖ
09 / 1999 Kulturberichte"

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