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Foto: Nut und Feder

Veranstaltungen und Events 2008
Malerei des Johannes Ramsauer

Johannes Ramsauers Malerei sind feine und sensible Bilder, gänzlich gegenstandsfreie Werke. In Ihnen bleibt aber die Natur und Naturhaftes immer als Idee oder Vorstellung spürbar, besonders die erdhaften und naturnahen Farben rufen Erinnerungen und Assoziationen an Vorgänge und Prozesse der Natur wach. Es sind Bilder von großer Bewegtheit, voller Tempo, immer wirbelt etwas, bewegt sich etwas, ist etwas im Fluss. Auch der Farbauftrag ist leicht und flüssig.

Der Maler legt die Leinwände auf den Boden und trägt dann die Farbe mit dem Pinsel oder der Hand auf. Mitschwingt auch immer der ganze Körper, das Tempo der Bewegung ist deutlich lesbar und nachvollziehbar. Auch wirkt seine Malerei immer fast wie ein Aquarell, der Bildgrund der Leinwand bleibt weiß – wie das Papier beim Aquarell.

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Diese Bilder „stellen nichts dar“ und dennoch gibt der Maler uns „Sehhilfen“ – durch seine Titel - obwohl ich mir nicht ganz sicher bin ob die Titel nicht manchmal augenzwinkernd ironisch gemeint sind. Ramsauer titelt: „Shrimps“, „Roter Erdling“ oder „Zander gebraten“. Mit diesen Titel will der Künstler uns vielleicht auch darauf hinweisen, dass in der Kunst nicht immer und überall eine rationale und erklärbare, lesbare Botschaft gesucht und gefunden werden kann.

Das Geheimnisvolle, das Persönliche soll und darf auch in der Malerei Johannes Ramsauers getrost ohne weitere Erklärung stehen bleiben.

Strandgut

Auch die Begriffe „Natur“ und „Ich“ werden sie in diesen Titeln lesen – und so bringt er zum Ausdruck, dass für den Entstehungsprozess seiner Malerei das Spontane, das Irrationale, das Unkontrollierte der Psyche Begriffe sind, die einen wichtigen Teil seiner Bilder ausmachen.

Als Gegenpol zur Malerei Johannes Ramsauers stehen die strengeren, weitaus stärker „gebaut“ wirkenden grafischen Werke. Es sind Linolschnitte, die in ihrer Farbigkeit auf Schwarz- Weiß reduziert sind oder manchmal mit wenigen Farben kombiniert werden. Es sind massive, starke, ganz auf die Fläche und die Umrisslinie setzende Bilder, auf den ersten oberflächlichen Blick ganz im Kontrast zur Malerei stehend.

Wenn man sich den Entstehungsprozess aber genauer ansieht stellt man fest, dass der Künstler auch hier den Zufall und das Material selbst als wichtige Faktoren in die Bildfindung und Bildwerdung hinein nimmt: Er brennt das Linol, reißt die Ränder ein, schabt und ritzt über die erhitzte Platte. Das Ergebnis ist meist nicht genau vorhersehbar, das Material selbst und der Zufall bestimmen schlussendlich mit wie das fertige Bild aussehen wird. Also auch hier setzt der Maler - wenn auch nicht so deutlich spürbar wie in der Malerei – auf den kalkulierten Zufall als wichtiger Teil des Entstehungsprozesses. Die Kunstgeschichte kennt zahlreiche Kunstrichtungen, die den Zufall und die Energie des Unbewussten gefeiert haben – DADA etwa oder auch die Surrealisten aber auch die Maler des Informel. Das Eigenleben der Form steht bei diesen Künstlern wie auch in den Bildern Johannes Ramsauers im Vordergrund. In den Linolschnitten ist es die abstrakte geschlossene Form, in seiner Malerei die abstrakte dynamische Form, gesteigert durch die  Ausdruckskraft der Farbe und den gestischen Farbauftrag durch den der Maler Emotion und Subjektivität vermittelt.

Die Bildsprache des gestischen, des Informel hat ja eine lange Bildtradition vorzuweisen. Als künstlerisches Phänomen ist es in der österreichischen Kunst fest verwurzelt und hat seit 1945 ganz unterschiedliche Aspekte und Ausformungen gefunden – das bedeutet auch dass uns die verschiedenen Möglichkeiten gestisch emotionaler Malerei von Markus Prachenskys „Peinture liquide“ bis hin zu den Schüttbildern von Hermann Nitsch einen gewissen Rahmen schaffen, die unmittelbare Übertragung der Emotion in malerische Aktion zu akzeptieren. Schwerer haben es da wohl die spröden Linolschnitte Ramsauers: Ich denke dass gerade diese formal sehr anspruchsvollen grafischen Arbeiten ein großes Maß an Bereitschaft der Auseinandersetzung mit dieser sehr eigenwilligen Formsprache voraussetzen.
Mir persönlich gefallen gerade die grafischen Werke besonders, sie sind eindrücklich in ihrer Festigkeit und Konzentration auf Wesentliches, wobei das Leichte und Spielerische das die Malerei Ramsauers auszeichnet auch in diesen Blättern spürbar ist.

Susanne Berchtold
Wien, 2007

 

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