ÖBV – Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit – ÖBV Versicherung

Foto: Bildausschnitt

Veranstaltungen und Events 2008
„Der rechte Winkel schwingt“

Gedanken zu den neueren Arbeiten von Eva Sarközi Pusztai

Meina Schellander, Mai 2007

 

Burghart Schmidt bezeichnet den Raum in den Arbeiten Eva Sarközi Pusztais als „Schwingung“. Der „beschwingte Raum“ (Zitat B.Schmidt) dürfte mittlerweile das Markenzeichen ihrer stelen- und skelettartigen Skulpturen geworden sein.

Harte Tatsachen, existenzielle Schwere werden erträglich, wenn es gelingt, sie in ihrer künstlerischen Umsetzung zum Schwingen zu bringen.

Im Vergleich zu ihren laut Peter Gorsen von der Haltung der Arte povera bestimmten Skulpturen der 80er Jahre, die „das Halten und Gehaltenwerden“- so Pusztai – thematisieren, reduziert sie ihre ab ca. 1993 entstehenden Arbeiten zunehmend auf geometrische Konstruktionen, die keinen ihr bewussten mathematischen Gesetzmäßigkeiten entsprechen, sondern intuitiv und von Musikalität durchdrungen, fragile Ordnungen in seriellen Reihensystemen darstellen und variieren.

Das Überraschungsmoment der Bewegungsmöglichkeit erweitert ihre minimalistischen Strukturen, die gebauten Ordnungen verleiten zum Antippen der Metallelemente, der Betrachter/die Betrachterin wird zum Akteur/zur Akteurin, kann mit ihnen kommunizieren und wird mit dem Aufkommen von Freude belohnt. Es ist aber auch ein Spiel mit der Irritation, die präzise Ordnung wird durch eine Vibration herausgefordert, in Frage gestellt. Eine flüchtige Ordnung, irritierbar und verletzlich? Aspekte des Zerfallens, der Labilität, kalkuliertes Chaos werden angedeutet, wenn innere geschützte, gebaute Räume, sogenannte „Boxen“, ihre Position durch eine initiierte Bewegung unterbrechen, ins Schwanken geraten und sich nach dem Abklingen der Schwingung wieder in eine ruhige Lage, den Stillstand, einpendeln.

Der kleinste Hauch einer Erschütterung genügt, um eine scheinbar stabile Ordnung aus dem Gleichgewicht zu bringen. Eine Interruption, eine Auflösung auf Zeit, Stillstand und Bewegung lösen einander ab. Kein trockenes, verstaubtes Reglement finden wir vor, sondern Lebendiges, Existenzielles, authentische Formulierungen, erspürt und erdacht in täglicher Auseinandersetzung mit sich selbst, ihrem Umfeld und ihrer Arbeit, die der Form ein Schnippchen schlagen.

Auch größere Wand- und Raumgestaltungen mit ihren elementaren, lustvollen Konzeptionen wären vorstellbar, da alle Arbeiten Pusztais mit dem Architekturbegriff operieren.

Die zeichenhaften Wandformationen der letzten Jahre simulieren körperhafte Raumgebilde und integrieren manchmal auch bewegbare, filigrane Teile; wie die meisten Skulpturen Pusztais bestehen sie aus miteinander verschweißten dünnen Eisenstäben und oxydierten Eisenplatten mit blanken linearen Aussparungen; sie erscheinen karg und bestechend klar.

Basierend auf ihrem humanistischen Weltbild und ihrer asketischen Grundhaltung verdichtet Eva Sarközi Pusztai ihre Überlegungen in ihren sehr differenzierten Zeichnungen. Intuitiv baut sie konstruktive Ordnungen, strenge formale Lösungen, es genügt ihr auch in diesem Medium der rechte Winkel, den sie jedoch nicht hard-edge-mäßig einsetzt, sondern verhaltene Spannungsfelder in zart angelegten Farbschichtungen zwischen gelb-sand-ocker-rostbraun-grau-anthrazit-weiß definiert. Daraus resultieren in sich ruhende Raumkonstellationen, Ebenen mit virtueller Strahlkraft und Sogwirkung. Mit spitzen Blei- und Farbstiften erzeugt sie monochrome, gebrochene Farbschattierungen auf Papier, die durch ihre Geschichtetheit meditative Tiefe erreichen.

Dies zeugt von einem Prozess der Langsamkeit im Gegensatz zum Rasen unserer schnelllebigen Zeit. Ein Vorgang, Bereiche etwas langsamer fließen, aus inneren Bildern Proportionen wie Filmkader zu lösen und sie unmittelbar am Papier erscheinen zu lassen. Es sind dies nicht aalglatte, serielle Konstruktionen, sondern behutsame Kompositionen, Labyrinthe, an deren vermeintliche Grenzen man anzustoßen, nicht weiterzukommen glaubt.  Nischen, Fluchten, Rückzugsorte, Schächte, Lichtzonen erschließen sich als innere Räume, die bei längerer Betrachtung zu schwingen scheinen.

 

Zurück zur Übersicht:
Ausstellung

 

Zur Übersicht:
Ausstellung

Good vibes!
Bericht zur Ausstellung 

 

Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit