ÖBV – Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit – ÖBV Versicherung

Foto: Mag. Christine Dobretsberger mit Mag. Josef Trawöger, Reinhard Leprich, Thomas Angerer, Mag. Dr. Gerhard Pürstel, Markus Schiffer, Josef Gaschl und Dr. Karl Heinz Setinek

ÖBV-Veranstaltungen und Events 2010
Buchpräsentation: „Polizisten weinen nicht – Der Mensch hinter der Uniform“

ÖBV-Atrium
1010 Wien, Grillparzerstr. 14

28.09.2010

Die Verwirklichung einer Idee
Polizisten als Literaten

Eine Idee ist schnell geboren – bisweilen in Sekundenbruchteilen. Danach sind andere Fähigkeiten und weitaus zeitintensivere Tätigkeiten gefragt. Denn vom ursprünglichen Geistesblitz bis zur tatsächlichen Realisierung eines bislang nur in Gedanken existierenden Vorhabens ist es ein langer Weg. So auch im Fall der im Herbst 2008 von Christine Dobretsberger (Journalistin, Autorin) und Eva Enichlmayr (ÖBV-PR-Referentin) gefassten Idee, Österreichs Polizistinnen und Polizisten ein Buch zu widmen, sie selbst zu Wort kommen zu lassen, um ihnen ein Forum für jene Geschichten zu bieten, die sie im Laufe ihrer Karriere am meisten bewegten.

Doch wie bringt man ein derart gewagtes Projekt auf Schiene? Zumal Dienstgeheimnis und klar definierte polizeiliche Hierarchien von vornherein ein strenges Korsett bilden, das naturgemäß in Widerspruch mit einem offenherzigen Informationsaustausch steht. Die erste Antwort auf diese Frage lautete: Vertrauen finden – Vertrauen schaffen. Nun aber der Reihe nach: Dass sich die Idee eines „Polizistenbuches“ in weiterer Folge entfalten durfte, ist zuallererst den beiden ÖBV-Vorstandsdirektoren Mag. Josef Trawöger und Dr. Karl Heinz Setinek zu verdanken, die von Anbeginn ein offenes Ohr für dieses Projekt hatten. Kurzerhand wurde eine Internetplattform eingerichtet und ein Schreibwettbewerb ins Leben gerufen, der sich an alle österreichischen Polizistinnen und Polizisten richtete. Parallel dazu wurden auch die ÖBV-Landesdirektorinnen und -direktoren von diesem Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Schließlich galt es, die jahrzehntelang aufgebauten guten Kontakte zur Polizei wahrzunehmen, damit sich die Idee des Polizistenbuches so rasch wie möglich in Österreichs Polizeiinspektionen verbreitete.

Grundvoraussetzung dafür, dass all diese Aktivitäten überhaupt gesetzt werden konnten, war die Tatsache, dass zuvor grünes Licht für dieses Projekt seitens der Polizeispitze gegeben wurde – konkret von Dr. Herbert Anderl (Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit), General Karl Mahrer (Landespolizeikommandant Wien) und Mag. Dr. Gerhard Pürstl (Polizeipräsident Wien), die dankenswerterweise diesem Buchprojekt ebenfalls positiv gegenüberstanden.

Foto: Landespolizeikommandant General Karl MahrerFoto oben: Landespolizeikommandant General Karl Mahrer

Soviel in aller Kürze zur Vorgeschichte. Dass nun am Abend des 28. Septembers 2010 das Buch „Polizisten weinen nicht – Der Mensch hinter der Uniform“ im ÖBV-Atrium feierlich präsentiert wurde, war für alle Beteiligten ein großer Moment. Wie viel Engagement und Herz hinter diesem Projekt steckt, ließ auch ÖBV-Vorstandsvorsitzender Mag. Josef Trawöger in seiner Eröffnungsrede unmissverständlich durchklingen: „Ein Buch, das den Beruf Polizist in neuem Licht zeigt – zumal der Mensch, seine Gedanken, Sorgen und Hoffnungen im Zentrum des Interesses stehen.“

Danach war Mag. Gerda Schaffelhofer (Geschäftsführung Verlagsgruppe Styria) am Wort. Und auch aus Sicht der Verlegerin war der unmittelbare Bezug zum Menschen, der Einblick in eine bislang weitgehend unbekannte Berufswelt, dafür ausschlaggebend, dass ein renommierter Verlag wie der Molden Verlag diesem Buchprojekt volle Unterstützung angedeihen ließ. Und für die knapp 40 in diesem Buch versammelten Autorinnen und Autoren gibt es wohl kaum ein schöneres Kompliment, als die eigene Geschichte in einem erstklassigen österreichischen Traditionsverlag veröffentlicht zu wissen.

Mag. Gerda Schaffelhofer, Styria-Pichler VerlagMag. Gerda Schaffelhofer, Geschäftsführung Styria-Pichler Verlag.

Der Mensch hinter der Uniform mit all seinen berufsbedingten Stresssituationen und Nöten war auch Themenschwerpunkt in der anschließenden Diskussionsrunde mit LPK General Karl Mahrer, Polizeipräsident Gerhard Pürstl sowie der Herausgeberin des Buches Christine Dobretsberger. Dank der gekonnten Moderation von Manfred Steinberger (Verkaufsdirektor ÖBV) wurden brisante Themen (u. a. Stressbewältigung bei notgedrungenem Gebrauch der Dienstwaffe, Gratwanderung zwischen Autoritätsperson und „Freund und Helfer“, tagtägliches Berufsrisiko) in gelöster Atmosphäre diskutiert. Für Christine Dobretsberger, die sich journalistisch mehr als zwei Jahre lang intensiv mit dem Berufsalltag von Polizistinnen und Polizisten befasst hat, steht eines fest: Im Gegensatz zur TV-Krimi-Fiktion ist reale Polizeiarbeit alles andere als eine „coole“ Angelegenheit. Uniform zu tragen, erweckt zwar den Anschein von Unnahbarkeit, schützt aber weder vor Trauer noch Schmerz. Beweis hierfür ist ein Gutteil der nunmehr in Buchform veröffentlichten Geschichten, die schlichtweg unter die Haut gehen.

So herrschte im Publikum auch spürbare Betroffenheit, als es zur Lesung jener vier Texte kam, die von der Jury prämiert wurden. Bei den Teilnehmern der Jury möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich für ihre Beteiligung bedanken: Es waren dies Mag. Josef Trawöger, Vorstandsvorsitzender der ÖBV, Hermann Greylinger, der Vorsitzende der Exekutivgewerkschaft, die stellvertretenden Vorsitzenden Kurt Kaipel und Leopold Keiblinger, Dr. Norbert Schnedl und Hannes Gruber vom GÖD-Vorstand sowie die Literaturwissenschafterin Evelyne Polt-Heintzl.

Den Auftakt zur Lesung der prämierten Texte machte Bezirksinspektor Thomas Angerer mit seinem Text „Bis dass der Tod uns scheidet ...“. Im Zentrum seiner Schilderungen steht die unauslöschbare Erinnerung an einen besonders tragischen Suizid-Fall. Danach folgte „Alexander“, ein sensibles Porträt eines auf die schiefe Bahn geratenen jungen Mannes, vorgetragen und verfasst von Chefinspektor Josef Gaschl. Nicht minder berührend: „Das Lächeln der Tochter“ von Gruppeninspektor Markus Schiffer. Seine Geschichte macht auf erschütternde Weise deutlich, dass ein routinemäßiger Einsatz zur Schlichtung eines Ehestreits unerwartet eskalieren und das Leben eines Polizisten kosten kann. Wiederum auf gänzlich andere Weise zu berühren wusste Gruppeninspektor Reinhard Leprichs Beitrag „Nirgendwo ein Fremder“. Seine Geschichte gibt auf literarisch höchstem Niveau die menschliche wie seelische Tragik eines politischen Flüchtlings wieder.

Kurzum: Der ursprüngliche Wunsch, Polizisten selbst zu Wort kommen zu lassen, wurde nicht zuletzt dank dieser stimmungsvollen Buchpräsentation Realität. Und in Anlehnung an den Titel des Buches durfte im Rahmen dieser Veranstaltung freilich auch gebührend gefeiert werden. Womit nach den schreibenden Polizistinnen und Polizisten nun auch das kreative Potential der musikalisch höchst begabten Kollegen ausgeschöpft werden durfte.

Foto: Combo der Polizeimusik Wien

Sehr zur Freude der zahlreichen Gäste sorgte die beherzt aufspielende Combo der Polizeimusik Wien für allerbeste Stimmung und verlieh diesem Abend noch eine zusätzliche unvergessliche Note.


Lesen Sie die prämierten Geschichten online:
www.oeffentlicherdienst.at/menschen


 

Bild links:
Vorne: Herausgeberin Mag. Christine Dobretsberger mit Mag. Josef Trawöger, Vorstandsvorsitzender der ÖBV.
Hinten v.l. die anwesenden Buchautoren Reinhard Leprich, Thomas Angerer, der Wiener Polizeipräsident Mag. Dr. Gerhard Pürstel, die Autoren Markus Schiffer, Josef Gaschl und der stv. ÖBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Karl Heinz Setinek.

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