ÖBV-Veranstaltungen und Events 2010
Ernst Skrička
ÖBV-Atrium
1010 Wien, Grillparzerstr. 14
Vernissage: 19.10.2010 um 18:00 Uhr
Ausstellung: 20.10.2010 – 23.12.2010
Mo - Fr, 9:00 bis 16:00 Uhr
Strich und Punkt
Ernst Skrička studierte in Wien Malerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste bei Max Melcher sowie Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität. Er war Professor an der Pädagogischen Hochschule in Wien-Strebersdorf, hat gemeinsam mit dem Freund und Kollegen Erich Steininger eine Radierwerkstatt in Wien, lebt und arbeitet aber auch seit über 30 Jahren in einem Haus in Heinrichs bei Weitra in Niederösterreich.
Skričkas zentrales Thema ist der Mensch, er zerlegt ihn in seine Bestandteile, in Kopf, Rumpf, Arme, Beine und macht aus diesen Teilen mit seiner Kunst wieder ein Ganzes, indem er das Körperhafte in Befindlichkeit verwandelt, der physischen Realität psychologische Deutung gibt. „Auf der assoziativen Fährte der kalkuliert betitelten Köpfe und Gesichter ist der Spielraum für rege Gedankensprünge und psychologisierende Deutung im Sinne nachvollziehbarer Erlebnisvorgaben groß. Seine Werktitel wie ,Kopfkörper’, ,Kluftgesicht’, ,Lauschmund’ entpuppen sich allesamt als eruptive grafische Ein- und Durchbrüche emotionalen Engagements an einer mehrere Kunstgattungen berührende Sache (darunter Theater, Tanz und Pantomime)“, schreibt Peter Baum. Und Ernst Skrička selbst nennt das gerne seine „subjektive Anatomie“, wenn er Blätter ,Wangenflügel’ oder ,Hirnbiss’ nennt. Diese Bilderfindungen gehören für ihn zu jenem spielerischen Faktor, der ihm so wertvoll ist.
Skrička selbst meint dazu:
Ein Hochgefühl für den Zeichner, wenn er sich und die Linie, die momentan aus ihm strömt, als EINES spürt; wenn er die Linie vorantreibt, sie ihn aber zugleich trägt, wenn seine Energie Spur wird als atmende Linie.“
Und meint weiter, dass die gezeichnete Linie eine seismographische Lebens-Spur ist, wobei das freie Gleitenlassen, das Atmenlassen der Linie nur bei entsprechend gelöster Befindlichkeit gelingen kann. Der Künstler wird selbst immer wieder überrascht von seiner eigenen Hand, die, beispielsweise im Zyklus der großformatigen Radierung „move“, eine flüssige Leichtigkeit erlangt wie kaum jemals vorher. „Zeichnen“ so meint er, „bedeutet ,ES’ laufen zu lassen und da können und sollen Überraschungen möglich sein“.
Trotz dieses „die Linie laufen lassen“, was aus einer inneren Stimmung heraus unbewusst geschieht, mal aggressiv, mal subversiv, mal mit Bedeutung aufgeladen, und oft eben völlig frei und gedankenlos, versteht Skrička es meisterhaft, mit seinem Können umzugehen. Und wenn er seine Gesichts- und Körperteile spielerisch auf dem Blatt verteilt, sich dem „Kunstspiel“ hingibt und völlig schwerelos seine Bilderfindungen fliegen lässt, dann sitzt jedes Detail, passt die Komposition, Linie, Punkt und Fläche sind genauso verteilt, wie es der Künstler will. Hier setzt er also sehr wohl großes Können, langjährige Übung, bewusste Aktion und klares Konzept ein.
Ernst Skrička ist stets auf der Suche nach noch mehr Möglichkeiten, den menschlichen Körper zu erkennen, ihn so zu „zerlegen“, dass seine innere und äußere Gestalt zwar nicht realistisch, wohl aber geistig zu erkennen ist. Er will den inneren Zusammenhängen auf die Spur kommen, die Wahrheit des Menschen finden, der ja selbst stets auf der Suche nach seinen Ursprüngen ist. Skrička vermittelt das Ergebnis seiner Suche über den Umweg der Kunst, so wie es die Wissenschaft auf ihre Weise tut. Es ist eine lebenslange Suche.
Prof. Angelica Bäumer
aus UM:DRUCK, Nr. 2, Dezember 2006
Bild links: „Erleuchtung“ - Acryl auf Leinwand,. 80 x 65 cm, 2009 (Ausschnitt)
