ÖBV – Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit – ÖBV Versicherung

Edeltraud Wiesmayr, Gundi Haigner, Sonja Pfeiffer, Mag. Gerda Schaffelhofer, Mag. Christine Dobretsberger,Mag. Josef Trawöger

ÖBV-Veranstaltungen und Events 2011
Buchpräsentation: „Balsam für die Lehrerseele“

ÖBV-Atrium
1010 Wien, Grillparzerstr. 14

15.03.2011

Schule ist nicht nur PISA

Sie sind stündlich gefordert. Denn Routine gibt es in diesem Beruf nur bis zu einem gewissen Grad. Ihr Arbeitsplatz ist die Schule, ihre Bühne das Klassenzimmer, ihr „Publikum“ sind Kinder und Jugendliche im Pflichtschulalter und darüber hinaus. Sie sind von Beruf Lehrerinnen und Lehrer, sind Wissensvermittler, Erzieher, oft auch Elternersatz in einer Person. Und sie haben es heutzutage nicht leicht. Weder beim Unterrichten noch an ihrem oft unzureichend ausgestatteten Arbeitsplatz – von ihrer seitens der medialen Öffentlichkeit zugewiesenen Rolle des „Sündenbocks“ ganz zu schweigen.

Melody Three
Melody Three – drei musikbegeisterte Lehrer aus der Steiermark begleiteten den Abend musikalisch: v.l. Reinhard Mair, Hannes Preßl und Reinhard Kirchengast

Egal ob Schülerstreik, Integrationsprobleme oder steigende Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen – die „Schuldigen“ sind schnell bei der Hand: Es sind die Lehrerinnen und Lehrer. Diese imageschädigende Pauschalverurteilung geschieht meist unreflektiert, Bashing scheint zum beliebten medialen Volkssport geworden zu sein. Kurzum: Die Zeit war reif, der Diskreditierung dieses Berufsstands entgegenzusteuern und den österreichischen Lehrerinnen und Lehrern ein Forum zu bieten, offen über den täglichen Schulstress zu berichten. Analog zum erfolgreichen Pilotprojekt mit der Exekutive („Polizisten weinen nicht. Der Mensch hinter der Uniform“) wurde von der Österreichischen Beamtenversicherung abermals ein Schreibbewerb ins Leben gerufen, der sich an alle österreichischen Lehrerinnen und Lehrer richtete. Von Mai bis November 2010 waren Pädagoginnen und Pädagogen dazu eingeladen, ihre bemerkenswertesten Schulerlebnisse und Erfahrungen zu Papier zu bringen. Da dieses Projekt darüber hinaus auch tatkräftige Unterstützung seitens des Molden Verlags sowie des Vereins Zeitung in der Schule (ZiS) fand, wurde die Idee zu diesem Buch ausgesprochen schnell in den Konferenzzimmern bekannt

100 Gäste
An die 100 Gäste füllten das ÖBV-Atrium

Und entsprechend groß war die Freude, als am 15. März im Atrium der ÖBV das Buch „Geschichten, die die Schule schreibt. Wie Lehrer stündlich gefordert sind“ präsentiert wurde. In seiner Eröffnungsrede wies ÖBV-Vorstandsvorsitzender Mag. Josef Trawöger dezidiert darauf hin, wie wichtig dieses Buch im Sinne einer längst notwendig gewordenen Imagekorrektur sei, zumal „die Bevölkerung viel zu wenig vom Berufsalltag der Lehrerinnen und Lehrer weiß“. „Die Respektperson Lehrer“, so Mag. Trawöger, sei einer „Prellbock-Funktion gewichen“. Lehrerinnen und Lehrer sind neben der Vermittlung von Bildung mit einer Fülle weiterer Aufgaben betraut. Konflikte aller Art zu lösen, stehe an der Tagesordnung. „Sinn dieses Buches ist es“, so Vorstandsvorsitzender Trawöger abschließend, „dass diese für den Schulalltag signifikanten Geschichten in die breite Öffentlichkeit gelangen.“

In der nachfolgenden Begrüßungsrede war Mag. Gerda Schaffelhofer (Geschäftsführung Verlagsgruppe Styria) am Wort. Ihr liegt dieses Buch nicht nur als Verlegerin in besonderer Weise am Herzen, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass sie selbst auf den Erfahrungsschatz einer zehnjährigen Lehrerlaufbahn zurückblicken kann. Auch in ihren Augen ist der in diesem Buch nachgezeichnete Schulalltag „nicht von der großen schulpolitischen Diskussion geprägt, die seit Jahrzehnten fröhlich im Kreis geht, sondern zuallererst von der Sorge um die Kinder und Jugendlichen; von der Bemühung, Werte zu schaffen und Wissen weiterzugeben; von der Verzweiflung über unzumutbare Arbeitsbedingungen und unzulängliche Rückendeckung; vom Kampf um die eigene Motivation und die eigenen Ideale; von Initiativen und Etappensiegen; vor allem aber: von der Freude an der Arbeit mit jungen Menschen. Denn Schule ist nicht nur PISA. Dieses Bild ist so schief wie der Turm.“

Dr. Eckehard Quin, Mag. Christine Dobretsberger, Manfred Steinberger, MMag. Dr. Thomas Bulant
Diskussion über das Buch: v.l. Dr. Eckehard Quin, Mag. Christine Dobretsberger, ÖBV-Verkaufsdirektor Manfred Steinberger und MMag. Dr. Thomas Bulant.

Der „Lebensraum Schule“ mit all seinen gruppendynamischen Facetten, psychischen Stresssituationen und zwischenmenschlichem Konfliktpotential war auch Thema in der anschließenden Diskussionsrunde. Gewohnt kurzweilig moderiert von ÖBV-Verkaufsdirektor Manfred Steinberger, standen Dr. Eckehard Quin (Vorsitzender der Gewerkschaft AHS-Lehrer/-innen), MMag. Dr. Thomas Bulant (stv. Vorsitzender der Gewerkschaft Pflichtschullehrer/-innen und Autor der Geschichte „Carpe Diem“) und die Herausgeberin des Buches, Mag. Christine Dobretsberger, offenherzig Rede und Antwort.

Danach kam es zur Lesung jener drei Texte, die von der Jury (Mag. Josef Trawöger, Walter Riegler, Vorsitzender der Gewerkschaft der Pflichtschullehrer/-innen, Mag. Michael Zahradnik, stv. Vorsitzender der Gewerkschaft der AHS-Lehrer/-innen) in ganz besonderem Maße ausgezeichnet worden waren. Den Auftakt machte Gundi Haigner (Kooperative Mittelschule Anton Baumgartnerstraße, 1230 Wien) mit ihrem pointiert formulierten Beitrag „Ich kündige“. Jede Menge Emotionen entfachte im Anschluss Sonja Pfeiffer (Volksschule Gaullachergasse, 1160 Wien) mit der berührenden Erzählung „Ali“. Ihre Schilderungen zeichnen den tragischen Tod eines Schülers im Turnunterricht nach. Zum Abschluss des Lesereigens kam Edeltraud Wiesmayrs Text „sie tun nichts“ zu Gehör. In acht Bildern skizziert sie in beeindruckend atemlosem Stil, wie stressig Schulalltag sein kann. Edeltraud Wiesmayr unterrichtet an der Hauptschule Schererstraße in Vöcklabruck.

Dr. Eckehard Quin, Mag. Franz Andexlinger, ÖBV-LD OÖ Ursula Steinberger und RVL Georg Rausch
Dr. Eckehard Quin, Mag. Franz Andexlinger, ÖBV-LD OÖ Ursula Steinberger und RVL Georg Rausch

Apropos Autorinnen und Autoren: Sehr zur Freude aller Beteiligten waren am Abend der Buchpräsentation viele jener Lehrerinnen und Lehrer persönlich anwesend, die das Buch mit ihren Geschichten bereicherten: u. a. Ute Albert, Lucia Maria Valero, Herbert Stadler, Katalin Darthe, Irmi Güttner, Erna Stadler, Thomas Koller, Michaela Bräuer, Roswitha Springschitz, Eveline Haindl und Renate Schertler. Für jede Menge Gesprächsstoff war also gesorgt, denn was gibt es Spannenderes, als jenen Menschen persönlich zu begegnen, die man bislang „nur“ über ihre Texte kennenlernen durfte?

Mit anderen Worten: Diese Buchpräsentation war nicht nur ein von ÖBV-PR-Referentin Mag. Eva Enichlmayr perfekt organisiertes Fest für alle literarisch versierten Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch eine willkommene Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen, sich vom zahlreich erschienenen Publikum verstanden und wertgeschätzt zu fühlen. Auch für die stimmungsvolle musikalische Umrahmung zeichneten übrigens drei Männer „vom Fach“ verantwortlich. Denn hinter dem Trio Melody Three stehen mit Johannes Preßl (Geige), Reinhard Kirchengast (Gitarre) und Reinhard Mair (Saxophon) drei musikbegeisterte Lehrer aus der Steiermark.

Kurzum, ein in jeder Hinsicht authentischer Abend, der – wie es Herbert Stadler (seines Zeichens Lehrer am Sonderpädagogischen Zentrum Hoefftgasse, 1110 Wien, und Autor der Geschichte „Eigentlich ein ganz normaler Tag ...“) auf den Punkt brachte: „Balsam für die  leidgeprüfte Lehrerseele“ war.


Das Buch „Geschichten, die die Schule schreibt“ ist im Buchhandel erhältlich oder über www.styriabooks.at zu beziehen (Gratis-Versand).


 

Bild links:
v.l. Die Lehrerinnen und Mitautorinnen des Buches Edeltraud Wiesmayr, Gundi Haigner und Sonja Pfeiffer mit Mag. Gerda Schaffelhofer, Mag. Christine Dobretsberger und Mag. Josef Trawöger.

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