Mit der ÖBV durchs Leben
ÖBV - Veranstaltungen und Events
Grabenfest 2002
Die Trouba Tour - Musik und die Liebe
19. - 21. Juni
Textbuch
an meine Kamantscha · aus einem armenischen Märchen · Volkslied aus Czernowitz · Troubadix · Theodor W. Adorno · Eyck van Anten
Literarische Wanderungen durchs Thema
an meine Kamantscha
Du erfreust viele traurige Herzen
Du beruhigst das Zittern der Kranken
wenn Du Deine süße Stimme erhebst
wird auch der Sänger mit Dir erhoben
Sage dem Volk einen Dank, sie sagten:
Laß Deinen Spieler hochleben
Solange Sajat Nova lebt
Wirst Du viel sehen, Kamantscha.
(Sajat Nova)
aus einem armenischen Märchen
Es vergingen neun Monate, neun Tage, neun Stunden, neun Augenblicke
- die Königstochter kniete auf die Erde und gebar ein
hübsches Söhnlein. Als sie das Gesicht des Sohnes
erblickte, fing sie an zu lachen - als sie zu lachen anfing
- bedeckten sich die Wände und die Decke im Hause des
Vaters mit Rosen.
Volkslied
Ich beiße Dich, Du Butterbrot.
Ich esse Dich, aus Liebesnot.
Manche Messer schneiden nicht,
es schneidet Dich mein Leibgedicht.
Du bist lustig wie ein Schinken.
Du bist wach vom Wenigtrinken.
Manche Messer schneiden nicht,
es schneidet Dich mein Leibgedicht.
Troubadix
Automatix: Spielen darfst du, nur singen nicht! Wenn du singst,
schlag ich dich kurz und klein!
Troubadix: Banause!
Troubadix: Natürlich! Ohne mich gehts wohl nicht im
Dorf. Ist mir aber egal. Ich muß an meine Karriere denken.
Obelix: Ah ... Troubadix gings nicht etwas leiser? Ich mein
wegen Idefix, er ...
Troubadix: Keineswegs! Wenn man was von mir will, dann sing ich auch! Letzte Warnung!
Asterix: Warte doch, Troubadix!
Troubadix: Ich warne dich, Asterix. Der Banause ist der Tropfen, der die Amphore zum Überlaufen bringt!
Die Normannen: Angst? Ich hab Angst? Wir haben Angst?
Troubadix: Ich frage mich, ob ich das Publikum nicht zu sehr angeheizt habe.
Asterix: Nein, Troubadix! Das ist jetzt nicht der geeignete Augenblick zum Singen! Du riskierst, dass der Teppich aus dem Gleichgewicht gerät und wir stürzen ab.
Troubadix: Ich brauche geistige Nahrung. Ich will meine Lyrik zur Leier singen.
Obelix: Mein lieber Schwan! Fang bloß an zu singen und ich knall dich auf die Matte, Hörr Trouibadix!
Theodor W. Adorno
In den Liedern der Troubadours beginnt die Musik zu gehen,
sie gewinnt Tempo und Timbre aus dem Menschen-Schritt, dem
Schlag des Pulses. So wie die Liebe das Wandern liebt beginnt
die Musik die Liebe zu lieben, sie hält harmonische und
dissonante Einkehr in ihren Sängern. Im Troubadour liebt
die Liebe sich selbst - oder sie kehrt ein - zuvor noch unstet
in der Wanderung begriffen in die Musik, den Sänger als
Ort ihres Atems. (...)
Das Wandern der Sänger ist verinnerlichte Flucht, divergente,
diverse, aber stets auch di-versende Harmonisierung des Vertriebenseins.
In den Liedern der Fahrenden ist andrerseits die Flucht schon
eingeschrieben, ein Vorschein der Heimatlosigkeit, die viel
grausamer noch morden sollte, bis in der Vernichtung der Fremden
das Lied die Frage an sich selbst zu Tode stellt.
Eyck van Anten
Die großartigste Frucht des wunderbaren und bis zur äußersten
Verzerrung entwickelten Frauendienstes ist die wahrhaft üppige
Literatur der südfranzösischen Troubadours (trobadors
ist Akkusativ des provencalischen "trobaire") und
der nordfranzösischen Trouveres, die fast in allen romanischen
Höfen von Aragonien über Frankreich bis nach Piemont
und England hin, anzutreffen waren.
Die Troubadours (d.h. die Erfinder, die Dichter) waren meistens,
aber durchaus nicht immer, von ritterlichem Geblüt. Daher
bedienten sie sich, um ihre Lieder an die richtige Adresse oder
überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen,
gemeinhin der längst vorhandenen fahrenden Volkssänger,
der sogenannten Jongleurs (Joglars, ioculatores), die zu gleicher
Zeit Seiltänzer, Gaukler und Lustigmacher waren. Diese
pflegten den Vortrag des Gedichtes mit der Viole, der Harfe
oder der Zither zu begleiten und zogen von Ort zu Ort. Unter
den bei Raynouard erwähnten 359 Troubadours befanden sich
14 Damen, wie etwa Maria von Ventadour.
Der erste bedeutende Troubadour war der wilde und abenteuerlich lebende Graf Willhelm von Poitiers, der Großvater der Königin Eleonore, dessen Liebeslieder und Tenzonen (= Streitgedichte zur Entscheidung der Liebesfrage) trotz ihrer geschickten und regelrechten Form mit ihrem Inhalte durchaus der höfischen Sitte spotten.
