ÖBV Grabenfest 2005
Das kalte Herz - Ein Märchen?
28. – 30. Juni 2005
Auch 2005 bot das Gabenfest wieder ein spannendes Programm,
ein Märchen, das aktueller ist denn je. Denn dem kalten
Herz des annonymen Wirtschaftens und des menschenverachtenden
Profits steht das pulsierende Herz der Solidarität und
des menschlichen Miteinanders gegenüber - ganz im Sinne
der ÖBV-Tradition "von Mensch zu Mensch".
Der Schwarzwald bietet nicht nur die Kulisse für klinische Arztmärchen. In seinen besseren Zeiten war es dort erheblich unheimlicher, nicht Dr. Brinkmann, sondern Waldgeister, arme Köhler und Märchenerzähler tummelten sich im Schatten der unheimlichen Tannen. So gehört „Das Wirtshaus im Spessart" zu den bekanntesten Schauplätzen des bayrischen Biedermeier.
Die Botschaft des Märchenerzählers Willhelm Hauff beschränkt sich aber in seiner Moral nicht auf das klassische „immer hübsch bescheiden sein", sondern bildet auch ein Stück Sozialgeschichte ab: Im kalten Herz sind die Märchenhelden zugleich dramatis personae in einer frühindustriellen Gesellschaft, die armen Köhler in ihren Hütten einerseits, die reichen Flötzer und Händler auf der anderen Seite. Sie bringen das Idyll von „Treu und Redlichkeit" erheblich ins Wanken, sind sie doch Handelsreisende mit Welterfahrung die ersten Boten der grenzüberschreitenden Unbescheidenheit und Sittenlosigkeit, die heute gerne „Globalisierung" genannt wird - und all das vermögen sie dank des „kalten Herzens", dessen Zauber-Geschichte hier erzählt werden soll.
Drehscheibe des internationalen Handels war damals Holland
- so ist es kein Zufall, dass der Böse in diesem
Märchen „Holländer Michel" heißt.
Peter Munk, der Held des Märchens, ist zwar ein Sonntagskind,
gehört aber in der Schwarzwälder Märchenwelt
zu den Verlierern, er ist Köhler und würde wohl
immer Köhler bleiben, wenn da nicht die hilfreichen
Waldgeister wären. Unter ihnen gibt es naturgemäß
böse und gute, wobei der „Schatzhauser"
oder das „Glasmännchen" zur besseren Sorte
gehört und dem jungen Peter drei Wünsche gewährt.
Er wünscht sich vor allem Reichtum, was nicht gut
gehen kann und auch nicht gut geht. Ganz rasch wieder
verarmt, wendet sich der verzweifelte Peter, völlig
aus der Bahn geworfen, an den böseren der beiden,
den schrecklichen Holländer-Michel - nun nimmt das
Märchen seinen Lauf.
Der Erlös aus den Eintrittsgeldern des Grabenfestes kommt traditionsgemäß karitativen Organisationen zugute. 2005 wurdedie "Casa Austria", ein Unfall-Krankenhaus in Temesvár/Rumänien, unterstützt. Dieses Projekt geht auf eine Initiative des bekannten Unfallchiurgen Prof. Dr. Johannes Poigenfürst zurück, der ja das Festival auch mitgestaltete.
