Mit der ÖBV durchs Leben
ÖBV Grabenfest 2005
Pandämonium der Stimmen und Sounds
Grabenfest mit hoher Musikalität
Erbauliches gibt es zu vermelden vom diesjährigen, traditionell ins Jazzfest hineinlappende GrabenFest der OBV, das sich mit dem Mammutevent in Staatsoper und Co auch das Geburtsjahr 1991 teilt. Derartig freudvolle Kunde, dass dem geneigten Leser gleich zu Beginn der an sich als Resümee gedachte Satz entgegengeworfen sei, dass der Jahrgang 2005 als einer der spannendsten noch geraume Zeit nachbauen wird. Und an pulsbeschleunigenden Momenten nicht arm war, obwohl als Generalthema das Wilhelm-Hauff-Märchen "Das kalte Herz" fungierte.
Wichtiger als dieser Text, dem Unfallchirurg Johannes Poigenfürst seine an Nestroy geschulte Stimme lieh, war freilich der Umstand der Präsentation dreier junger musikalischer Persönlichkeiten: Kurator Ach im Tang hatte die in den letzten Jahren nicht selten nach Familienfeier riechende Veranstaltung wieder zu jenem Experimentlabor für zeitgenössische Improvisationsmusik zurückverwandelt, als das das GrabenFest Reputation gewonnen hat.
Den Namen Philip Zoubek etwa wird man sich fortan merken müssen. Der 27-jährige niederösterreichischc Pianist gefiel durch einen radikalen und doch ausnehmend sinnlichen Zugang zu seinem Instrument, welches sich unter seinen Händen in einen Klangfarben-Generator zu verwandeln schien. Mit allerlei Saitenpräparationen und -manipulationen sahen sich abstrakte, in motorischem Drive permutierte Patterns entwickelt, die in sich farbige Polyfonie hören ließen.
Singende Säge
Im Ansatz ähnlich, in den stilistischen Assoziationen
jedoch konkreter, erwies sich auch Stefan Heckel als Virtuose
des String Piano: Singende Sägen, Hackbretter, dann gar
eine Bottleneck-Gitarre, kurz: ein ganzes Pandämonium
an Stimmen und Sounds horte man da dem schwarz glänzenden
Flügel-Rachen entsteigen, immer wieder an der Tastatur
klug strukturiert.
Elektronik-Spezialist Thomas Grill hingegen erimprovisierte
im Verein mit Pianistin Katharina Kleinen! und Flötistin
Angelica Castello feinnervige Interaktionsnetze im ten-denziell
tieferen Registerbereich. So stark und selbstbe-wusst sich
die drei jungen Improvisatoren gaben, so bestimmend war das
Moment der Suche in ihren Kompositionen für die aus Andreas
Lindenbaum (Cello), Petra Ackermann (Viola) und Gerald Preinfalk
(Klarinetten) bestehende Trio-Auskopplung des Wiener Klangforums:
schön, dass beides beim GrabenFest ein Forum gefunden
hat.
Andres Felber / der Standard 2.7.2005
