Mit der ÖBV durchs Leben
ÖBV Grabenfest 2005
Achim Tang: Künstler sollen Stellung beziehen
Achim Tang, erstmals Kurator des Grabenfestes, über
Märchen, Solidarität und junge Musiker
Marie-Therese Rudolph im Gespärch mit Achim Tang für
die Zeitschrift jazzzeit.
Wie kam es dazu, Wilhelm Hauffs Märchen, »Das
kalte Herz«, zum Thema des diesjährigen Grabenfests
(GF) zu machen?
Achim Tang: Wir wollten die drei Tage durch eine fortlaufende
Geschichte verbinden und so einen roten Faden durch das Festival
ziehen. Es ist natürlich nicht selbstverständlich,
ein Märchen aus dem frühen 19. Jahrhundert als Aufhänger
für ein Festival zeitgenössischer Musik zu benützen.
Gerade dieser scheinbare Widerspruch scheint mir aber sehr
reizvoll zu sein. Ich bin sehr gespannt, wie sich die sowohl
inhaltliche als auch sprachliche Beschäftigung mit dem
Text in den Kompositionen niederschlägt, wie sich das
Neben- oder Miteinander der zwei, durch fast 200 Jahre getrennten
Welten anfühlen wird. Dieser Aspekt wird noch verstärkt
durch die Zusammenarbeit der jungen Künstler mit dem
Sprecher, Johannes Poigenfürst. Durch diese Zusammenarbeit
findet ein weiterer Dialog über die Grenzen der Zeit
hinweg statt - in dem Fall über zwei Generationen.
»Das kalte Herz« ist auch als gesellschaftspolitisches Statement zu verstehen?
Unbedingt! Die Österreichische Beamten Versicherung (ÖBV) steht, obwohl als Versicherungsgesellschaft in der Welt der Wirtschaft angesiedelt, für soziale Werte, für Menschlichkeit und Toleranz. Je mehr in unserer Zeit die kapitalistische Ordnung ausufert und je einseitiger die gesellschaftlichen Werte ausgerichtet sind, desto wichtiger wird es -auch für Künstler - außerhalb tagespolitischer Kommentare zu diesen Dingen Stellung zu beziehen und Werte wie Solidarität und Miteinander zu betonen. So ist es auch zu dem Untertitel: Ein Märchen? gekommen. Wie schon seit Beginn wird die ÖBV auch dieses Mal die Eintrittsgelder für ein soziales Projekt spenden.
Wie kam es zu der Auswahl der Komponisten Philip Zoubek, Thomas Grill und Stefan Hechel?
Mir war es ein Anliegen, junge und noch wenig bekannte Musiker auszusuchen und damit an eine wichtige GF-Tradition anzuknüpfen: Noch nicht etablierte Künstler zu fördern - und zu fordern! Alle drei Komponisten habe ich in verschiedenen Zusammenhängen erleben können; sie haben alle einen sehr persönlichen Stil, eine eigene musikalische Sprache. Alle drei gehen von unterschiedlichen Standpunkten und mit ihrem eigenen Erfahrungs-horizont an die Arbeit. Es wird sicherlich keine Untermalung oder Illustration der Geschichte geben. Selbstverständlich wird die Auseinandersetzung mit dem Märchen aber die Kompositionen beeinflussen.
Wie werden die Texte eingesetzt?
Wir haben eine stark gekürzte Fassung des Märchens erarbeitet, damit der Text die Musik nicht dominiert. Der inhaltliche Kern der Geschichte ist jedoch erhalten. Der Text zieht sich durch alle drei Abende, die Geschichte setzt sich von Abend zu Abend fort. Zwei der Komponisten haben den Text noch weiter bearbeitet und verändert, so dass er ganz Teil der vorgetragenen Musik ist und der Sprecherins Ensemble eingebunden wird. Natürlich haben wir dafür gesorgt, dass der gesamte Text zum Nach- oder Mitlesen aufliegt.
Die Grabenfesttage der Österreichischen Beamtenversicherung stellen ein sympathisches Beispiel für Kultursponsoring in Österreich dar. Wie sehen Sie das Festival?
Die Grabenfesttage sind für mich ganz intensiv mit der Person des Dr. Johann Hauf verknüpft, der ja mit der ÖBV auch sonst ein sehr wichtiger Kunstförderer in Wien ist. Er wurde u.a. für die GFT 2002 mit dem Maecenas-Preis für Kultursponsoring ausgezeichnet, aus meiner Sicht auch eine Würdigung für die kontinuierliche und konsequente Arbeit in diesem Bereich.
Im Lauf ihres Bestehens haben sich die Grabenfesttage einen festen Platz in der Wiener Kulturlandschaft gesichert. Durch dreijährlich vergebene Kompositionsaufträge sind die GFT nicht nur Konzertveranstalter, sondern ermöglichen auch das Entstehen von neuer Musik. Dieser Punkt zeichnet sie besonders aus. Die Kuratoren sind dabei in ihren Programmen immer wieder Risiken eingegangen, haben sich nicht auf gesicherte Positionen zurückgezogen. Das wäre ohne die Toleranz und Offenheit seitens der ÖBV sicher nicht möglich gewesen.
