ÖBV – Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit – ÖBV Versicherung

Grafik: Grabenfest 2006

ÖBV Grabenfest 2006

Ohne Worte
Eine Hommage an Samuel Beckett

27. – 29. Juni 2006

Samuel Beckett wäre am 13. April 2006 Jahres 100 Jahre alt geworden. Trotz Nobelpreis und weltweiter Anerkennung kennen die wenigsten Menschen auch nur Teile seiner Arbeit. Die Assoziation Beckett : Warten Auf Godot ist fast ein Reflex, so wie Musikinstrument : Gitarre, mit dem Unterschied, das kaum jemand von Godot mehr als den Titel kennt. Beckett verschließt sich dem oberflächlichen Konsum. Das hat er mit vielen Werken der zeitgenössischen Musik gemeinsam. Erst durch die tiefere Beschäftigung mit seinen Arbeiten eröffnet sich eine Welt, die weit mehr zu bieten hat, als der erste Eindruck ahnen lässt.

Becketts Sprache erzeugt schon beim Lesen einen speziellen Klang. Die Bedeutung der Worte tritt hinter diesem Klang und der Konstruktion der Texte zurück, Beschriebenes und Beschreibung, Inhalt und Form verschmelzen zu einem Ganzen.
Schon viel ist über Beckett geschrieben worden. Die Liste der zu seinem Werk veröffentlichten Sekundärliteratur ist bedeutend länger als sein eigentliches Oeuvre. Beckett selbst zweifelte im Laufe seines Lebens zunehmend an der Sprache. Sein Weg führt „von der Sprachgewalt des Frühwerkes über den Sprachzweifel in Watt oder Godot (...) zum sprechenden Verstummen in L´innommable, zum realisierten Schweigen in Film, zum vielsagenden Schweigen in Not I, zur Sprachlosigkeit in Quad “ (Rolf Breuer).

„Ich bin kein Intellektueller...“ sagt Beckett in einem Interview mit Gabriel d´Aubarede, 1961. Seine Arbeiten brauchen keinen intellektuellen Überbau. Sie entfalten ihre Wirkung direkt. Sie brauchen offene Ohren, offene Augen, vielleicht etwas Mut sich einzulassen. Das hat er mit vielen Werken der zeitgenössischen Musik gemeinsam. Die 15. Grabenfesttage widmen Samuel Beckett eine dreitägige Hommage zu seinem einhundertsten Geburtstag.
Ohne Worte.
(Achim Tang, Kurator)

Tiziana Bertoncini beschäftigt sich radikal mit dem Medium „neue Musik“. Sie versucht intensiv eine neue Klang und Formensprache zu finden, insbesondere auch in ihrer Beschäftigung mit dem Phänomen der Improvisation. In der Tradition der europäischen Musik erzogen stellt sie sich bewusst in den, von ihr selbst als deutlich definiert empfunden Zusammenhang der neuen Musik, die sich auf eben dieses Erbe der abendländischen Tradition beruft und es zu erneuern sucht.

Klaus Gesing ist seines Zeichens Jazzmusiker, wobei die Frage, was das eigentlich heute bedeutet kaum, oder jedenfalls nicht eindeutig zu beantworten ist. Er hat die universitäre Ausbildung des Jazzmusikers in Deutschland und den Niederlanden durchlaufen und schon in jungen Jahren zahlreiche Preise als Instrumentalist und Improvisator bekommen. Seit 1995 in Österreich lebend konzentriert er sich seit einigen Jahren auf die Bassklarinette und das Sopransaxophon, und ist dabei zu einem bedeutenden Solisten geworden, der europaweit deutlich mehr Anerkennung findet als in seiner österreichischen Wahlheimat.

Christian Bakanic schließlich kommt aus der Tradition der österreichischen, der steirischen Volksmusik. Er ist der jüngste der drei Komponisten und absolviert zur Zeit eine klassische Akkordeon Ausbildung an der Kunstuniversität in Graz. In verschiedenen Ensembles der „neuen Volksmusik“ ist er nicht nur als außergewöhnlicher Instrumentalist sondern auch als begabter Komponist tätig.

Neben diesen drei Kompositionsaufträgen werden die GFT 2006 noch eine weiter Produktion präsentieren: aus der Zusammenarbeit der kanadisch/griechischen Tänzerin Lito Walkey und dem österreichischen Musikers Boris Hauf entsteht ein Stück, welches sich ebenfalls mit „Film“ von Samuel Beckett auseinandersetzt. Beide Künstler haben schon verschiedene Arbeiten im Duo oder Trio vorgelegt. Die Einbeziehung von Tanz in die GFT, einem Festival für zeitgenössische Komposition stellt einen neuen Aspekt in die programmatische Arbeit der dar: Auch Choreographie ist Komposition.

Scott Fields ist mit seinem Beckett Projekt ein weiterer, prominenter Gast bei den GFT. In seiner Arbeit übersetzt er die Texte von sieben kurzen Beckett Theaterstücken Wort für Wort in Musik. Diese Aufführung ist die erste öffentliche Präsentation der erst Ende 2005 fertiggestellten und für das amerikanische Label Delmark aufgenommenen Komposition und wird in Zusammenarbeit mit einem jungen Wiener Ensemble realisiert.

Passend zu unserem Thema werden die drei Tage von dem Zyklus „Lieder ohne Worte“ von Heinz Holliger eröffnet. Der Schweizer Komponist und Oboist ist einer der„Klassiker“ der neuen Musik und hat neben zahlreichen anderen Arbeiten eine Oper zu Becketts Theaterstück „Not i - Nicht Ich“ geschrieben, welches von der zeitgenössischen Oper berlin aufgeführt wurde. Auch in anderen Teilen seines Werkes finden wir Bezüge zur Literatur: so bezeichnet er selbst lange den Dichter Georg Trakel als Brennpunkt seines Schaffens.

Für das Ensemble 06 konnten zur Uraufführung der Kompositionen wieder drei hervorragende Musiker gewonnen werden, nähmlich Uli Fussenegger (Bass), Lorenz Raab, Alfred Gaal (Trompete) und ein alter Freund der GFT, Berndt Thurner (Marimba).

 

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