Mit der ÖBV durchs Leben
ÖBV Grabenfest 2006
Retro - Rückblick Interviews, Berichte & Meinungen
ÖBV-GrabenFest-Einnahmen für Projekt in Weißrussland
Drei Eisenbahner zogen aus, um die Welt zu verbessern
Drei österreichische Eisenbahner kümmern sich um ein Dorf in Weißrussland, das seit dem Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 verstrahlt ist. Einmal im Jahr wird für die am meisten betroffenen Kinder des Dorfes eine Reise nach Österreich organisiert. Die Einnahmen des jährlich von der ÖBV veranstalteten Grabenfestes (siehe S ) gingen heuer an diese Privatinitiative. Die Kinder bedankten sich am letzten Tag des dreitägigen Festivals im GrabenHof im ersten Wiener Gemeindebezirk mit einem Ständchen und gaben so Einblick in ihre Kultur.
Damit Kinder verstehen, was Zukunft sein kann
Zu Hause sind sie oft müde, haben Kopfweh oder Nasenbluten. Freizeit haben sie kaum. Wenn sie von der Schule kommen, helfen sie den Eltern bei der Feldarbeit. Die meisten leben von dem, was sie selbst anbauen, denn um etwas zu kaufen ist kaum Geld da. Kinder aus dem weißrussischen Gomel-Gebiet, das seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl verstrahlt ist, leben in einer Welt, die wir uns kaum vorstellen können.
Wie es sich anfühlt, wenn sich der kleine Körper etwas erholt, merken die Kinder erst, wenn sie schon ein paar Tage von zu Hause weg sind. Plötzlich ist Kraft zum Spielen und Toben da. Während ihres dreiwöchigen Aufenthaltes in Österreich lernen die Kinder eine Welt kennen, für die es sich lohnt zu lernen und zu arbeiten. Damit in einem Gebiet, das hoffnungslos erscheint, eine neue Generation heranwächst, die versteht, warum es sich lohnt etwas aufzubauen.
Vom Nehmen und Geben
Begonnen hat alles damit, dass ein Fahrdienstleiter namens Helmut Mitterfellner vor einigen Jahren einer verirrten Reisegruppe aus der Gegend um Tschernobyl am Bahnsteig den Weg zeigte. Einmal Kontakt mit diesen verstrahlten Kindern aufgenommen, ließ ihn der Gedanke helfen zu müssen nicht mehr los. „Man muss einmal dorthin gefahren sein, um es zu verstehen“, meint er. Genauer gesagt in das kleine Dorf Swjetilowitchi in Weißrussland. „Der Helmut ist dort schon so was wie der heimliche Bürgermeister“, weil er bei seinem jährlichen Besuch besonders darauf schaut, dass die Spendengelder auch für das verwendet werden, wofür sie gedacht sind – und das soll alles schön schnell gehen.
„Aber wir sind dort nicht die reichen Herren aus dem Westen, die Almosen bringen, da wären wir nicht weit gekommen – dafür sind die Menschen dort viel zu stolz“. Sie wurden mit den Jahren vielmehr als Freunde des gesamten Dorfes wahrgenommen. „Wodka-mäßig ist das ein Wahnsinn, aber sie sind so dankbar und wollen gerne etwas zurückgeben. Da kann es schon mal passieren, dass dir eine Familienmutter von den fünf einzigen Kaffeehäferln der ganzen Familie aus Dankbarkeit eines einwickelt und mitgibt.“ Wenn man verstanden hat, dass diese Form des Nehmens auch etwas mit Geben zu tun hat, dann packt man das Häferl ein und stellt es zu Hause an einen besonderen Ort.
Sandra Maierhofer
Die Kinder bedankten sich mit einem Volkslied beim Publikum
des GrabenFests.
