ÖBV – Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit – ÖBV Versicherung

Grafik: Grabenfest 2007

ÖBV Grabenfest 2007
"Happy End" - Die Gunst des Augenblicks

26. – 28. Juni 2007

Über den Rändern der Klänge

Bestens besucht, medial hervorragend präsent und ein Spendenrekord, der dieses Jahr der Frauenhelpline zugute kam – das war kürzest gefasst das GrabenFest 2007. Auch dieses Jahr hat die Journalistin Christine Dobretsberger drei Abende zugehört und beobachtet und ihre Eindrücke für die ÖBV zusammengefasst.

Beginnen wir mit dem nachgeordneten Untertitel des diesjährigen GrabenFestes: mit der Gunst des Augenblicks. Zumal speziell in der Musik dem Augenblick, oder besser gesagt, dem Ausloten des Augenblicks allerhöchster Stellenwert zuteil wird. Ganz besonders im (Klang)Reich der Improvisation, die im wahrsten Sinne des Wortes in „Echtzeit“, also im „Jetzt“ stattfindet; mit Spielregeln ohne sicheren Ausgang, in jedem Fall aber mit ungebremster Leidenschaft für die (musikalische) Gunst des Augenblicks.

In diesem Sinne lassen sich – bildhaft gesprochen - die nunmehr 16. GrabenFesttage (GFT) der ÖBV nicht einfach zwischen fünf Notenlinien pressen. Und zwar deshalb nicht, weil das musikalische Spektrum, das an den drei Abenden geboten wurde, denkbar großzügig und weit gefächert war.

Aber nun der Reihe nach. Schon bei der Eröffnung ließ ÖBV Generaldirektor Johann Hauf durchklingen, dass die diesjährigen GrabenFesttage ganz bewusst ein Wiedersehen mit musikalischen Weggefährten mit sich bringen werden. Konkret mit Franz Hautzinger (Trompete), Hannes Löschel (Klavier), Max Nagl (Saxophon), Achim Tang (Kontrabass), Martin Siewert (Gitarre) und Martin Brandlmayer (Schlagzeug). Allesamt Musikschaffende, die das GFT über viele Jahre stilprägend beeinflussten und heuer den „Orchester Graben“, also das Basisensemble bildeten.

Was wiederum perfekt zum Festival-Motto „Happy End“ passte, das Kurator Achim Tang weniger als Abschied interpretiert sehen wollte, sondern als „willkürlichen Schlusspunkt, als Zwischenergebnis, als Zäsur in einer Geschichte, die nach dem Happy End noch weiter geht.“ Quasi als Übergang zum nächsten Kapitel, wobei der diesjährige Abschnitt mit der Uraufführung „7enden“ von Matthias Kranebitter eröffnet wurde. Eine Komposition für Kontrabass (Herbert Mayr), Cello (Michael Williams), Klavier (Christoph Cech) und Life-Elektronik (Matthias Kranebitter), die in sieben Stationen in die unterschiedlichsten Klangräume entführte und speziell in rhythmischer Hinsicht punktete.

Danach trat erstmals der zuvor erwähnte „Orchester Graben“ in Aktion. Auf dem Programm standen Kompositionen von Martin Brandlmayer („P. D. Sample Basher“, Achim Tang („A propos“) und Franz Hautzinger („9143 raindays“). Drei in sich abgeschlossene und gänzlich unterschiedliche Annährungen an das Thema „Happy End“, die sich andererseits wiederum zu einem homogenen Ganzen fügten. Gefühlvolle, zarte Momente (Achim Tang) ergänzten sich wie von Zauberhand mit der verführerischen Dichte von Franz Hautzingers „raindays“, die Tags darauf kurzfristig Wirklichkeit wurden, was wiederum mittlerweile auch schon zur Tradition der GFT gehört.

Konkret zog just ein heftiges Gewitter über die Stadt, als Christian Reiner (Stimme) und Christian Weber (Kontrabass) die Performance „Fertig. Von über, für Leon Askin“ in Szene setzten. Eine Hommage an den vor zwei Jahren verstorbenen Wiener Schauspieler und Regisseur, der heuer seinen 100. Geburtstag begangen hätte. Doch ähnlich wie im vergangenen Jahr taten die Wetterkapriolen dem Kunstgenuss keinen Abbruch, sondern im Gegenteil: Das Prasseln des Regens verschmolz perfekt mit Reiners simmakrobatischer Lautmalerei und Webers zum Teil perkussiv eingesetztem Bass. Aber noch ein Wort zu Leon Askin: Wie GD Dr. Hauf bei dieser Gelegenheit in Erinnerung rief, trat die Hollywood-Legende im Jahr 2001 höchstpersönlich bei den GFT auf und wurde im Rahmen seiner Lesung faszinierenderweise „von Minute zu Minute jünger“.

Mindestens ebenso erfrischend die Atmosphäre nach der Pause, zumal abermals drei Uraufführungen vom „Orchester Graben“ auf dem Programm standen. Und gleich vorweg: Dieser Part zählt sicherlich zu den absoluten Höhepunkten in der Geschichte der GFT, denn alle drei Kompositionen („Outlet Parndorf“, Hannes Löschel; „Happy Endings“, Max Nagl; „Endless“, Martin Siewert) machten all jene Faktoren transparent, für das die GrabenFestage auf so einzigartige Weise einstehen: Die Lust am Musizieren, am Experiment, am Mut neue Wege zu bestreiten.

Dementsprechend innovativ entwickelten sich die jeweiligen Kompositionen/Improvisationen im Faktor Zeit und gipfelten in einem spontanen Saxophon-Solo von Boris Hauf, das tatsächlich an die Ränder der Hörgewohnheiten entführte.

Der dritte und letzte Festivalabend stand wiederum im Zeichen „Vom Suchen, vom Finden und vom Festhalten des Glücks“. Eine Uraufführung von Viola Falb für Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon (Wolfgang Schiffner, Arnold Zamarin, Florian Fennes), die behutsam ineinander verzahnte Klangräume eröffnete. Musikalische Zwiegespräche, die immer wieder von einzelnen Soli durchsetzt waren, stets aber dem durchkomponierten musikalischen Leitfaden treu blieben.

Ebenso stimmig, wenn auch von gänzlich anderer Energie beseelt, der Schlusspunkt des diesjährigen GrabenFestes, den die aus Burkina Faso stammenden Perkussionisten Mamadou Diabate, Louis Sanou und Karim Sanou setzten. Eine Kombination aus traditionell westafrikanischer Musik und zeitgenössischen Einflüssen, die das Thema „Happy, And…“ in tanzbare Rhythmen verwandelte.

Kurzum: Es wurde nach Herzenslust gefeiert, womit sich der Bogen wieder zur eingangs erwähnten Gunst des Augenblicks spannt, wo alles möglich und unmöglich zugleich scheint, wo der (musikalisch gesteuerte) Zufall Regie führt und man plötzlich das Gefühl hatte, es gäbe keine Fragen mehr, sondern nur Antworten, keine Verunsicherung, sondern nur Klarheit, denn alle Gedanken wurden mit einem Mal zu Musik. Und plötzlich war es einfach da, das Happy End, synchron mit dem Wunsch nach dem nie enden wollenden Augenblick.

Christine Dobretsberger

Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit