die ÖBV in den Medien
Charming Nights
Auszüge aus dem Gespräch von Mirjam Jessa
mit Dr. Johann Hauf und Herbert Strohschein auf Ö1
M.J.: Der Grund, warum Sie heute bei mir zu Gast sind, ist
Ihr Kultursponsoring. Sie sind Initiator des Grabenfestes.
Heuer stehen die Grabenfesttage unter einem besonders schönen
Motto: Charming Nights.
Ich nehme an, so hoch ich das Grabenfest schätze, dass
das Grabenfest nicht wirklich in ganz Österreich, oder
außerhalb Wiens bekannt ist. Da diese Sendung in ganz
Österreich gehört werden kann, dürfte ich beide
Herren bitten, zu erklären, was das Grabenfest ist.
Dr. Hauf: Das Grabenfest ist eine jährliche Veranstaltung
der Österreichischen Beamtenversicherung mit dem Ziel
unsere Freunde und unser spezielles Publikum anzusprechen.
Die ÖBV ist ja nicht nur dadurch gekennzeichnet, dass
wir in ganz Österreich Versicherungen verkaufen, sondern
wir versuchen auch unser gehobenes Klientel, unser gebildetes
Klientel mit dem Grabenfest anzusprechen.
Wir sind seit 12 Jahren sehr erfolgreich damit. Die ursprüngliche
Idee war, den Innenhof unseres Grabenhofes, das ist das große
Gebäude am Graben, für kammermusikalische Aufführungen
zu nützen. Sehr schnell sind diese Aufführungen
in die avantgardistische Richtung gegangen.
Wir haben immer versucht junge Musiker zu fördern, zu
sponsern. Wir haben jungen Musikern und Komponisten die Chance
gegeben, sich selbst zu verwirklichen. Viele dieser damals
jungen Leute sind jetzt bereits arrivierte, bekannte Musiker.
Wir sind sehr stolz auf dieses Fest. Es ist unter dem Strich
ein Familienfest der Freunde der ÖBV. Ich gestehe hier,
es war mir auch ein Bedürfnis, zu Beginn dieses Fest
dazu zu benützen, den etwas antiquierten, etwas verstaubten
Glanz oder Ruf der ÖBV zu beseitigen und zu zeigen, dass
diese Versicherung modern und auch wirtschaftlich ein sehr
erfolgreiches Institut ist.
Herbert Strohschein: Das Thema knüpft an eine Arie von Henry Purcell an, Charming Nights. Das ist natürlich mit der Lust am Leben verbunden. (...) Es macht Spaß und es ist eine große Lust bei diesem Festival mitzuarbeiten, mitzudenken und Dinge und Themen zu erfinden, die jungen Komponisten die Möglichkeit geben, neue Sachen zu schreiben. Die Essenz des Festivals besteht ja darin, dass Uraufführungen entstehen, dass junge Musik in Österreich einen Stellenwert bekommt.
Das Musikland Österreich soll kein Museum sein, sondern soll lebendig und vital bleiben. Das ist das Besondere dieses Festivals.
Das ist auch der Sinn von Kunst, neue Wege der Kommunikation zu bieten. Die Musiker und Komponisten, die wir heuer eingeladen haben, haben als Hausaufgabe bekommen, sich mit den Charming Nights und Purcell zu beschäftigen. Wir haben sehr interessante junge Musiker gefunden, die in völlig neuen Konstellationen auftreten, die bisher noch nicht da waren.
M.J.: Können Sie ein paar Namen nennen?
Herbert Strohschein: Anna Hauf wird die Arie im Original singen, Judith Unterpertinger wird neue Kompositionen zum Thema bieten. Das Koehne-Quartett ist das Basis-Ensemble für alle drei Tage. Es wird sehr kammermusikalisch arbeiten, was auch dem Raum im Palais der ÖBV am Graben entgegen kommt.
M.J.: Wir haben eine Aufzeichnung, ich glaube vom letzten Jahr, mit einer Komposition von Judith Unterpertinger. Das war ihre erste große Komposition, ihr erster großer öffentlicher Auftritt. Sie war überhaupt die Überraschung des Festes.
Dr. Hauf: Judith Unterpertinger ist eine der jungen Damen, ein „rising star“ der Musikszene. Sie studiert in Linz. Sie hat voriges Jahr bei uns einen großen Erfolg gefeiert. Wir haben sie auch heuer wieder engagiert, damit sie dieses Thema bearbeitet. Sie wird es gemeinsam mit Sascha Shevchenko, einem Akkordeonisten bearbeiten. Wir sind sehr gespannt, was daraus wird. Er ist ein hervorragender Akkordeonist. (..)
M.J.: Wie funktioniert denn das normalerweise, Herr Direktor Hauf, wenn so ein Thema für drei bis fünf Komponisten und Komponistinnen vorgegeben wird. Funktioniert das immer ganz reibungslos oder was ist das für ein „Working Progress“?
Dr. Hauf: Es ist sicherlich nicht so einfach, aber ich mache es mir einfach, indem ich das Thema vorgebe, und den Musikern und Komponisten sehr freie Hand bei der Interpretation gebe.
Die Interpretationen werden von uns in keiner Weise beeinflusst. Darauf lege ich großen Wert. Ich möchte, dass sich die Musiker und Freunde von uns frei entfalten und entwickeln können. Das Resultat ist immer sehr zufrieden stellend.
Das Fest wird generell von der Musikszene bereits sehr wohl aufgenommen. Die Vorgabe ist eigentlich nur das Thema. Dieses Thema wird bearbeitet. Gewisse Einschränkungen entstehen selbstverständlich durch das Budget und dadurch, dass man nicht unendlich viel Zeit zur Verfügung hat, ein Thema zu interpretieren. Ansonsten sind die Künstler vollkommen frei in der Interpretation des Themas.
M.J.: Eine gewisse „Einschränkung“ ist vielleicht auch der Raum. (..) der Innenhof befindet sich in der Habsburgergasse 1a. ... Das ist sehr intim. Ich weiß nicht, wie vielen Leuten der Innenhof Platz bietet. Aber man fühlt sich sehr wohl.
Herbert Strohschein: Es gibt zweierlei: Der Raum selbst fasst ca. 150 Leute. Wir haben aber gleichzeitig mit Ö1 den Hörraum erfunden, d. h. es gibt ein „Open-Air“ vor dem Palais der ÖBV. Alle Personen, die nicht mehr in den Raum hineinpassen, können dann unter freiem Himmel, unter Sternenhimmel, eine Life-Übertragung des Festivals hören. Es gibt Sofas am Graben, das ist sehr angenehm. Ich glaube, man fühlt sich wohl.
M.J.: Was hat so ein Festival, wie die Grabenfesttage für eine Nachhaltigkeit für junge Komponisten und Komponistinnen?
Dr. Hauf: Die Nachhaltigkeit ist gegeben. Wir sind seit einigen Jahren dabei die Aufführungen auch auf CD aufzunehmen. Es bestehen dann Aufnahmen dieser Musik. Für viele dieser jungen Leute, die bei uns gespielt haben, war es sicherlich ein Sprungbrett, durch das Grabenfest bekannt zu werden. Das freut mich persönlich sehr, gerade für die jungen Leute, die Unterstützung brauchen.
M.J.: (..) Ich habe an den Herrn Generaldirektor Hauf eine Frage: Spielen Sie manchmal auch mit? Sie sind ja nicht nur Generaldirektor, sondern auch Musiker!
Dr. Hauf: Ich bin Hobbymusiker und Christoph Cech, der Kurator des heurigen Grabenfestes, lässt mich in seiner Amateurformation mitspielen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe, so glaube ich, auch schon einige musikalische Erfolge errungen. Ich habe durch diese starke Führung des Herrn Cech etwas dazu gelernt. Er ist ein sehr lieber, aber ein sehr strenger musikalischer Leiter. Das ist auch der Vorteil für das Grabenfest. Ich habe vorhin gesagt, wir lassen eine lange Leine bei der Komposition und viel Freiheit, aber selbstverständlich braucht man eine musikalische Oberhoheit, eine Leitung, die hat beim heurigen Grabenfest, sowie beim letzten Grabenfest, Christoph Cech.
(...)
M.J.: Der Untertitel der heurigen Grabenfesttage 2003 lautet: die Lust am Leben. Was verbirgt sich hinter diesem Untertitel?
Dr. Hauf: Jedes Grabenfest hatte immer ein Thema, das kein akademisches war und auch kein gesellschaftspolitisches, sondern ein Thema, das uns als Menschen betrifft.
Das war das Eigene, das Fremde, die Liebe, die Kindheit. Die entartete Musik war auch einmal ein Thema bei uns. Das sind die Themen, die wir vorgeben. Wir versuchen, wir bitten Menschen, diese Themen musikalisch zu interpretieren.
Das heurige Fest ist ein Fest und kein Festival im klassischen Sinn. Das ist wichtig: Das ist auch in der Tradition des Grabenfestes der ÖBV: Es sind Menschen, die komponieren und musizieren, es sind Menschen die dort sind.
Es geht um die Begegnung, es geht um die Lust an der Musik. Es ist keine akademische Veranstaltung. Wir sind heuer bei Charming Nights davon ausgegangen, das wir sagen: was hier und in vielen andern Ländern passiert, bedeutet Kälte, eine Entfremdung der Menschen voneinander, eine Entsolidarisierung. Was man gerade besonders in Zeiten wie diesen braucht, ist eine Rückbesinnung auf die Besonderheiten des Lebens, auf gemeinsame Werte und auch die Lust daran. Wir wollen kein akademisches Festival, sondern wir wollen ein Fest, bei dem sich die Menschen wohl fühlen, die Zuhörer genauso wie die Komponisten. Daher werden unseren Besuchern in den Pausen auch Erfrischungen angeboten.
M.J.: Herr Direktor Hauf, warum entscheidet sich eine Versicherung, ein Nischenprodukt zu fördern wie zeitgenössische neue Musik?
Dr. Hauf: Wie Sie wissen, kann man von der Stange kaufen, oder man kann selbst etwas produzieren. Wir legen großen Wert auf eigene Produktionen. Das ist uns bis jetzt gelungen und wir sind sehr glücklich darüber.
Ö1bis zwei - 20.6.2003
