ÖBV - Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit - ÖBV Versicherung

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Freunde des Hauses ...

Johann Hauf, Generaldirektor der Österreichischen Beamtenversicherung ermöglicht seit 1991  das Wiener Grabenfest. Die "jazzzeit" sprach mit ihm anlässlich seines 60. Geburtstages über erfolgreiches Kultursponsoring und die dafür dringend notwendigen gesetzlichen Veränderungen.

An drei Abenden Ende Juni geht im Wiener Grabenhof seit 1991 ein kleines, feines Festival über die Bühne: die Grabenfesttage der Österreichischen Beamtenversicherung.

Wer den prachtvollen Grabenhof - wie der Name schon sagt, am Graben gelegen - nur von außen sieht, kann sich wohl schwer vorstellen, dass drinnen unter einem aufgespannten Segeldach schon unzählige Uraufführungen zu hören waren. Und nicht nur neue Werke wurden hier entdeckt, auch zahlreiche junge Musiker.

Nach der Gründung durch den Musiker, Komponisten und Veranstalter Renald Deppe mit Rückendeckung von ÖBV-Generaldirektor Johann Hauf, waren diverse künstlerische Leiter für die Programmierung des Festivals - mit leichtem Hang zur improvisierten Musik - zuständig. Heuer stellte Vollblut-Musiker Christoph Cech jedem Tag der Grabenfesttage einen musikalischen Leiter voran:
den Kontrabassisten und Koller-Preisträger Peter Herbert,
die junge Pianistin und Komponistin Judith Unterpertinger sowie Grabenfesttage-Urgestein Hans Steiner.

Ohne den musikbegeisterten Generaldirektor Hauf, der jedes Jahr aufs neue bei seinem Vorstand Überzeugungsarbeit leistet, dass sein Unternehmen ein selbstfinanziertes Nischen-Festival brauche, wären die Grabenfesttage schon längst abgeschafft - oder wären überhaupt nie gegründet worden.

Vergangenes Jahr erhielten die Grabenfesttage bereits zum zweiten Mal den Kultursponsoringpreis „Maecenas", der außergewöhnliche Projekte auszeichnet.


GD Dr. Hauf

Hr. GD Dr. Hauf im Interview

jazzzeit: Sind Sie nach wie vor überzeugt, dass der kulturelle Weg, den die ÖBV im Sponsoring geht, der richtige ist?

Hauf: Unbedingt. Aber eigentlich interessiert mich beim Sponsoring vor allem die Kombination von effizientem Einsatz sparsamer Mittel in Verbindung mit der Philosophie, dass man lieber den interessanten Nachwuchs fördert als die etablierten Musiker. Ich muss nur ehrlicherweise hinzufügen, dass in diesem langen Zeitraum, in dem wir Sponsoring betreiben, sehr viele junge, hoffnungsvolle Musiker bereits zu etablierten geworden sind. Und die sind halt noch immer Freunde des Hauses. Daher kann es leicht passieren, dass bei den Grabenfesttagen auch etablierte Musiker wie Achim Tang oder Christoph Cech auftreten.

jazzzeit: Die momentane Wirtschaftslage ist nicht gerade rosig, auch das Geld für Kultur wird knapper. Wie wirkt sich das auf das Graben fest aus?

Hauf: Die allgemeine Situation ist nicht sehr angenehm. Auch wir müssen sparen. Damit die Kunst so wenig wie möglich darunter leidet, versuchen wir innovativ zu sein. Etwa mit Kooperationen oder mit dem Anbieten unserer Räumlichkeiten. Wir versuchen, das Programm soweit wie möglich - trotz reduzierter Mittel - aufrecht zu erhalten. Dabei kommt es uns entgegen, dass wir auch in der Vergangenheit nie sehr viel Geld ausgegeben haben. Wir haben das Geld einfach nur gut eingesetzt.

jazzzeit: Was könnte der Gesetzgeber tun, um mehr Sponsoring-Anreize für Unternehmen zu schaffen?

Hauf: Es wäre schön, wenn man Kultursponsoring-Ausgaben absetzen könnte. Ich befürchte aber, dass das in der gegenwärtigen Situation nicht passieren wird. Und gerade das Sparen, das in der Kulturpolitik derzeit angesagt ist, erwischt in erster Linie die Jungen. Dem wollen wir entgegenwirken -soweit es in unserem Rahmen möglich ist.

jazzzeit: Wie sieht in Ihren Augen eine erfolgreiche Beziehung zwischen Kunst und Wirtschaft aus?

Hauf: Es muss Freude machen, es muss Anregung sein, ein Gemeinschaftsgefühl schaffen ... und es muss nicht unbedingt teuer sein!

jazzzeit: Ihr Engagement für Kultur wird in der Öffentlichkeit sehr positiv wahrgenommen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie über zwei Qualitäten verfügen, die nur selten in Kombination auftreten: Verständnis für wirtschaftliche und für künstlerische Fragen.

Hauf: Mit zunehmenden Alter bekommt man mehr Funktionen - und damit auch mehr Arbeit. Dazu kommt, dass ich persönlich schwer nein sagen kann. Und man muss aufpassen, dass man trotz zahlreicher Betätigungen noch halbwegs seine Leistung erbringt. Nur Funktionen anzuhäufen und den Gemeinschaften, denen man sich verpflichtet, nichts mehr zu bringen, halte ich für nicht richtig. Deshalb habe ich mich nur für Tätigkeiten entschieden, die mir Spaß machen. So sitze ich etwa im Kuratorium des mica und engagiere mich für den Kulturverein Alsergrund.

jazzzeit: Das heurige Grabenfest fällt mit ihrem 60. Geburtstag zusammen. Gibt es irgendwelche Neuerungen?

Hauf: Wir wollten einmal über ein westliches Land etwas machen, daher haben wir uns für Großbritannien entschieden. Dazu hab ich auch eine besondere Beziehung, weil ich dort lange gelebt habe. Heuer wollen wir rein akustische Musik spielen, also keine Elektronik. Dem kommt auch der Grabenhof mit seiner hervorragenden Akustik entgegen. Und wir legen auch großen Wert auf die Pausen zwischen den Konzerten, denn da findet der soziale Austausch bei einem oder mehreren Gläsern Wein statt.

jazzzeit Juni 2003

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