die ÖBV in der Presse
Big Drummer-Boy
Johann Hauf gibt nicht nur als General der Osterreichischen
Beamtenversicherung den Takt vor. Der 63-Jährige sitzt
gern am Schlagzeug, fördert ein Festival Neuer Musik
und legt als Skulpteur Hand an Holz und Granit.
Die sieht doch ein bisschen wie Comic-Held Bart Simpson aus",
streicht Johann Hauf liebevoll über eine selbst gefertigte
Skulptur, die er extra aus seiner Privatwohnung ins Büro
der Österreichischen Beamtenversicherung in der Grillparzerstraße
transportiert hat. Ein Arbeitsumfeld, das jedem Shooting für
„Architektur heute" Ehre machen würde - weitläufig,
hell, klar, bis ins kleinste Detail von ästhetischer
Einheit durchzogen und veredelt mit ausgewählten Großformaten
von Barbara Höller, Cecile Nordegg, Jonathan Berkk, Thean
Chie Chan, Trompeter-Freund Franz Hautzinger sowie einzelnen
Skulpturen von Oswald Stimm und dem in Wien ansässigen
Perser Bahruz Heshmat. Alles in allem wähnt man sich
hier eher in der schicken Chefetage eines Modekonzerns denn
in der Machtzentrale der Beamtenversicherung.
1995 konnte Generaldirektor Johann Hauf den ÖBV-Firmensitz
neu präsentieren. Architekt Walter Stelzhammer hat das
Innenleben des verwinkelten Gründerzeitbaus zum lichtdurchfluteten
Bürotempel
umgestaltet. Eine wichtige unternehmens-strategische Entscheidung,
mit der Hauf die Privatversicherung, die auf 110 Jahre Firmengeschichte
zurückblicken kann, vom Staub befreien wollte. Hauf kämpft
darum zu zeigen, dass Beamte nicht mit Bürokraten zu
verwechseln sind. Ein Glaube, der ihm im Zuge der komplizierten
Baubehörden Verhandlungen fast selbst abhanden gekommen
wäre. „Ich hätte vor Wut Bäume umschneiden
können", umreißt Hauf seine damalige Gefühlslage.
Zwecks Kampfansage sei er damals sogar den Wien-Marathon gelaufen.
Denn so schnell gibt Johann Hauf nicht auf.
Faible für Jazz und Neue Musik.
Mit Beharrlichkeit hat er auch im Grabenhof in der Habsburgergasse
das ÖBV-Festi-val für Neue Musik etabliert. Mit
jungen, großteils unbekannten Musikern, die, so Hauf
begeistert, „noch für ihre Musik brennen".
Mindest so wie der ÖBV-Chef für sein Instrument,
das Schlagzeug. Bereits im Alter von 14 Jahren ist der Sohn
aus musikalischem Haus an den ersten eigenen Drums gesessen,
hat von Göttern wie Buddy Ritch geträumt und kein
Konzert namhafter US-Jazzmusiker, die in Wien gastierten,
versäumt.
Als ihm das Schlagzeug im Alter von 19 Jahren gepfändet
wurde, war die Musikerkarriere erst einmal unterbrochen. Nach
dem Wirtschaftsstudium ging Hauf nach London, wo es gegen
alle Erwartungen zu keinen großen Sessions mit der ansässigen
Musikszene kam. „Vielleicht war ich ja zu schüchtern",
sinniert der Versicherungsgeneral schmunzelnd. Zurück
in Wien, hätte ihn jedenfalls Reinald Deppe wieder für
die Musik wachgeküsst.
Zwei Schlagzeuge hat er mittlerweile: eins im Gartenhaus,
eins im Probelokal, wo das von ihm ins Leben gerufene Hans
Hauf Quartett zusammenkommt. Das sind die „Götter
Christoph Czech, Achim Tang und mein Sohn Boris", wie
Hauf erläutert. „Echte Profis, die sich herablassen,
mit mir zu spielen." Großteils Avantgardistisches.
Ehrgeizig und unnachgiebig ist Hauf dabei, wenn's darum geht,
Schlagabfolgen zu üben: „Man hat doch mehr Rhythmus
im Körper, als man denkt." Des Öfteren findet
man den agilen 63-Jährigen auch im Jazzklub Porgy &
Bess, wo er seine Freunde Paul Gulda und Franz Hautzinger
besucht. Viele der jungen Musikerkollegen hat er über
seine beiden Kinder kennen gelernt. Anders als der Vater haben
die beiden nämlich den Weg als Berufsmusiker eingeschlagen.
Tochter Anna ist als Sängerin in der Avantgardeszene
unterwegs. Sohn Boris hat Saxofon studiert und pendelt zwischen
Wien und New York.
In Stein gehauen.
Und da der kunstsinnige Versicherer so gar nichts von Einseitigkeit
hält, sondern sich eher in der Tradition eines Renaissancemenschen
sieht, zeigt er auch als Skulpteur ein begnadetes Händchen.
Fast schon ein erotisches Verhältnis habe er zu seinen
Steinen, die er im Garten lagert und bearbeitet, „bis
die Funken sprühen". Ob Granit oder Alabaster.
FORMAT 07/06 - Michaela Knapp
