die ÖBV in der Presse
Das zweite Wohnzimmer
Weniger ist mehr - lautet meist die Devise bei der Büroeinrichtung
Massgeschneiderte Architektenrnöbel haben in den Büros
der Manager ebenso Platz wie Massenware von Interio &
Co. Das zweite Zuhause muss vor allem herzeigbar sein.
Die einen schwören auf die Kompletteinrichtung - von
der Lampe Grimsö bis zum Schreibtisch Jonas samt Sessel
Snille. Andere legen eher Wert auf edle Familienerbstücke
und erlesene Kunst an den Wänden. Geschmäcker sind
nun mal verschieden. Wie viel Luxus ein Büro aushält,
hängt viel von der Branche ab. in der man tätig
ist, findet Innenarchitekt Richard Wenzl, dem das gleichnamge
Innenarchitekturbüro in Waidhofen/Ybbs gehört. „Vertreibe
ich beispielsweise High-End-Produkte, muss ich bei der eigenen
Büroeinrichtung schon Geld in die Hand nehmen",
ist er überzeugt.
Wohlfühlen vor Design lautet die Devise von Angelika
Trachtenberg, Geschäftsführerin der Werbeagentur
BBDO. Im Herbst 1989 ist sie mit ihrer Agentur in das renovierte
Gartenpalais Liechtenstein im neunten Wiener Gemeindebezirk
gezogen. „Wir haben sehr viel Wert darauf gelegt, dass
wir den Räumen ihre Grosszügigkeit lassen und
sie nicht zudesignen." Der für Trachtenberg wichtigste
Teil des Büros kommt ohnehin fast gänzlich ohne
Möbel und Schnickschnack aus: die Terrasse. „Da
werde ich in der schönen Jahreszeit zum Freiluftarbeiter."
Viel Wert auf die Büroeinrichtung legt Johann Hauf,
Generaldirektor der Österreichischen Beamtenversicherung
- allerdings nicht im monetären Sinn.
„Unsere Büros wurden transparent gestaltet, haben
Raum zum Atmen und Denken", sagt Hauf, dem obendrein
wichtig war, dass die Köpfe seiner Mitarbeiter das „Höchste"
im Raum sind. „Es befinden sich weder Kästen noch
Regale über Kopfhöhe. Stauraum gibt es in den Gängen",
erklärt Hauf.
Interio im Luxusbüro
Viel Glas und Holz und jede Menge zeitgenössische Kunst
an den Wänden, so sieht das Büro von Sotheby's-Geschäftsführerin
Andrea Jungmann aus. Allerdings fand neben viel Design auch
ein Ladenschrank von Interio seinen Platz im Palais Wilczek
in der Wiener Herrengasse. Ein Einzelstück quasi. Der
Rest der Einrichtung wurde massangefertigt. „Grossteils
nach Entwürfen eines befreundeten Architekten, der unsere
Ideen und Wünsche einbezogen hat", erklärt
Jung mann. „Die Kunst, die immer wieder wechselt, kommt
ebenfalls von befreundeten jungen Künstlern."
Und wie arbeitet eigentlich ein Innenarchitekt, der seinen
Lebensunterhalt damit verdient, Kunden Büroträume
zu erfüllen? „In einem 15 Jahre alten Büro",
überrascht Richard Wenzl. Sein einziger Luxus: Ein riesiger
Tisch.
Wirtschaftsblatt vom: 7.9.2006
Kathrin Gulnerits
