ÖBV - Österreichische Beamtenversicherung, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit - ÖBV Versicherung

Foto: Johann Hauf

Manager mit Fingerspitzengefühl

„Jeder Stein lebt in sich selbst und hat seinen eigenen Charakter. Das erfordert Respekt vor diesem fantastischen Teil der Natur. Ich suche daher in jedem Stein die Form, die in ihm drin ist, und lasse mich dabei von der Arbeit führen – und von meiner Intuition.“
Johann Hauf

Manche Menschen bewegen sich durchs Leben, als gäbe es einen roten Faden, an dem sie sich orientieren. Ihr Weg mag nicht immer geradeaus gehen, ihre Anstrengungen nicht immer von Erfolg gekrönt sein – doch sie erreichen ihre langfristigen Ziele und scheinen dabei trotz mancher Richtungswechsel immer ganz sie selbst zu sein.

Johann Hauf gehört zu diesem Menschenschlag. Er absolvierte sein Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien, spezialisierte sich auf die Gebiete Marketing, Marktforschung und Werbung. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in London als Generalsekretär der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) übernahm er 1988 die Position des Generaldirektors der ÖBV (Österreichische Beamtenversicherung). Und verwandelte die 1895 gegründete „Unterstützungs-Societät der Staatsbeamten Österreichs“ in ein modernes Institut mit einem Leitbild, das sich von den meisten anderen Versicherungen in einem markanten Punkt unterscheidet: Wo sonst der Profit samt Shareholder Value im Vordergrund steht, setzt die ÖBV auf Solidarität „von Mensch zu Mensch“ – und auf Kunst als verbindenden Faktor und „Lebensnerv“ der Zivilgesellschaft.

Work-Life-Balance

Mit Glück hat diese erfolgreiche Manager- Karriere allerdings nur wenig zu tun. Umso mehr mit der Fähigkeit, Klarheit über jene Lebensmotive zu gewinnen, die das eigene Denken und Tun bestimmen. Mit der Kreativität, daraus eine Lebensvision zu entwickeln, die alle relevanten Bedürfnisse abdeckt. Und mit der inneren Kraft, die eigenen Energien so auszurichten, dass die selbstgesteckten Ziele auch erreicht – und die Früchte der Arbeit genossen werden können.

Für Johann Hauf ist diese Form der „Work-Life-Balance“ der Normalzustand. Denn ihm scheint gelungen zu sein, was andere ihr Leben lang versuchen: ein Gleichgewicht zu finden zwischen den wichtigsten Lebensbereichen.

Und die sind im Fall des zweifachen Vaters neben dem Job vor allem die Familie, die sportliche Betätigung – und die Kunst.

Leben ist Musik

Für Musik konnte sich der begabte Akkordeonist und Schlagzeuger schon in seiner Jugend begeistern. Bereits im Alter von 14 saß der Sohn aus musikalischem Haus an seinen ersten eigenen Drums.

Heute tritt er mit der BigBand „Biggaband“, dem Hans-Hauf-Quartett und der Hans-Hauf-Combo regelmäßig im In- und Ausland auf. Zu seinen Partnern zählen die Besten ihres Fachs. Beispielsweise der Komponist, Pianist und Schlagzeuger Christoph Czech, Leiter des Jazz- Instituts der Anton-Bruckner-Universität in Linz. Der Jazz-Profi Achim Tang und sein Sohn Boris am Saxophon. Alle drei Musiker mit hohem internationalen Renommee.

Als Generaldirektor hat Hauf im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit das „Grabenfest“ als Ort der kulturellen Begegnung im ÖBV-eigenen Grabenhof ins Leben gerufen. Sein Wunsch: Für Themen, die die Menschen in unserer Gesellschaft bewegen, zeitgenössische Antworten in der Sprache der zeitgenössischen Kunst zu suchen – und zu finden. Bereits seit 1991 ist das „Grabenfest“ fixer Bestandteil der Wiener Kulturszene– die ÖBV wurde dafür zweimal mit dem Maecenas-Preis ausgezeichnet, dem prominentesten Wirtschaftspreis für Kunst-Sponsoring.

Vor allem jungen, unbekannten Musikern und Komponisten wird hier eine Plattform geboten, und für viele entpuppte sich das „Festival für Neue Musik“ als wichtige Station ihrer internationalen Karriere.

Was wiederum ganz im Sinne seines Erfinders ist, der bereits den ersten Event unter ein Motto von Jean Anouilh stellte: „Aufgabe der Kunst ist es, dem Leben eine Form zu geben“.

In stein gehauen

Wenn Johann Hauf nicht gerade hinter seinem repräsentativen Schreibtisch sitzt, musiziert oder sich beim Joggen auf den nächsten Marathon vorbereitet, ist er häufig in seiner „Werkstatt im Freien“ anzutreffen. Denn der agile Mittzechziger hat nicht nur die Drumsticks fest in der Hand, sondern weiß auch mit Meißel und Hammer umzugehen. Während er in seiner London-Zeit die eine oder andere Holz-Skulptur aus Stämmen „herausschälte“, gilt seine Liebe – und sein Ehrgeiz – nun dem Stein. Ob Granit oder Donaukalk, Serpentin oder Marmor, den er selbst aus dem Krastaler Steinbruch holt – ihn reizt der Widerstand, den ihm das harte Material entgegensetzt, ebenso wie die Form, die sich ihm langsam offenbart.

„Stein ist lebendiges Material, ist von Natur aus ein Kunstwerk“, meint Hauf und streichelt fast zärtlich über eine der Skulpturen, die sein Büro schmücken: „Ich bin immer auf der Suche nach Impulsen, taste mich langsam an die Form heran. Ich weiß ungefähr, was ich erreichen will, aber letztendlich weist mir der Stein den Weg zu dem, was in ihm steckt.“

Sein Refugium am Land ist gleichzeitig Werkstatt und Galerie. Denn noch ist der Autodidakt zurückhaltend, wenn es um die öffentliche Präsentation seiner Werke geht. Dass sich die Ergebnisse von Talent und Ausdauer durchaus sehen lassen können, bestätigen ihm allerdings nicht nur enge Freunde, sondern auch sein künstlerischer Mentor, der Bildhauer Joachim Hoffmann. Mittlerweile sind einige Skulpturen im ÖBV-Haus zu bewundern. Die erste große Vernissage hat Johan Hauf allerdings erst für die Zeit nach seiner Pensionierung geplant.

Manager & Sponsor

Bis es so weit ist, findet der Hauf‘sche Kunstsinn andere Betätigungsfelder. Denn so wie er Musik aktiv betreibt und passiv unterstützt, ist Johann Hauf nicht nur selbst aktiver Künstler, sondern hat in seiner Funktion als Generaldirektor die ÖBV zu einem der profiliertesten Kunstsponsoren des Landes gemacht.

Einen ersten Eindruck davon gewinnen Besucher schon beim Betreten der ÖBV-Zentrale in der Wiener Grillparzerstraße: Was von außen wie ein klassisches Gründerzeithaus wirkt, präsentiert sich im Inneren als lichtdurchflutetes Gebäude mit haushohem Atrium und jeder Menge moderner Kunst an den Wänden. Mehrmals im Jahr finden hier Lesungen und Vernissagen statt, initiiert vom Hausherrn persönlich, der sich bei der Auswahl der Künstler ein Mitspracherecht vorbehält.

Auch mit regelmäßigen Symposien und Konzerten zieht das Atrium in der ÖBV ein bunt gemischtes Publikum an – ganz so, wie Johann Hauf sich das wünscht. Denn Kultur, so der begeisterte Kulturvermittler, „lässt sich nicht verordnen, so wie Toleranz und Weltoffenheit nicht dekretiert werden können. Kultur muss von innen her wachsen, ob als Lebenskultur oder kulturpolitisches Verständnis, aber auch als Kultur des Wirtschaftens.“

Die Frage, welches Kunstwerk, welcher Künstler ihn bisher am meisten beeindruckt hat, beantwortet Hauf mit einem breiten Lächeln. „Auch wenn Sie mich jetzt vielleicht für präpotent halten: Das wichtigste Kunstwerk sind die ÖBV und die Menschen, mit denen ich hier zusammenarbeite. Ein Kunstwerk, das ich mitgestaltet habe. Und in dem trotzdem so viel eigenes Leben steckt, dass es sich ständig weiterentwickelt. Auch dann, wenn es mich auf dem Chefsessel nicht mehr geben wird.“

 

Arwag news 06/2008

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