Spürsinn mit Kunstsinn: 20 Jahre Kulturengagement
Unter der Regie von Johann Hauf wurde die Österreichische Beamtenversicherung zu einem modernen Institut mit viel Kunstsinn. Wo andere von der Stange kaufen, fördert er die junge österreichische Künstlerszene auf eigenständige Art und Weise. Er hat Grund, das Jubiläum zu feiern: Seit 20 Jahren ist Johann Hauf Generaldirektor der Österreichischen Beamtenversicherung (ÖBV).
Begrüßt man den stets energiegeladenen Hausherrn in seiner gewohnten Arbeitsumgebung, ist man beeindruckt: Das Büro in der Chefetage ist weitläufig, geräumig, hell und hat diese besondere Atmosphäre, wie man sie aus Galerien kennt. Bilder in Großformat und Skulpturen säumen die Wände. Zeugnisse von Künstlern wie Barbara Höller, Cecile Nordegg, Jonathan Berkh, Franz Hauzinger, Thean Chie Chan und Skulpturen von Oswald Stimm, aber auch Haufs eigene Werke finden sich hier. Denn so intensiv Hauf an der Entwicklung und der Neupositionierung der Versicherung gearbeitet hat, so intensiv betreibt er auch seine kunstsinnigen Faibles. „Eine Art Ausgleich“, wie er zugibt, findet er als Schlagzeuger in seiner Jazzmusik und als Bildhauer in seinen Skulpturen. Auch das von ihm gegründete Hans Hauf Quartett macht ihm viel Freude. Die von ihm bevorzugte Stilrichtung ist der moderne Jazz.
Trendsetzer.
Als weltoffener und moderner Mensch, wie er sich selbst einschätzt, hat er auch die Österreichische Beamtenversicherung mit zeitgeistigen Trends versehen und das Unternehmen nach innen wie außen fortschrittlich geprägt. Er wollte das Selbstverständnis der ÖBV verstärken und sichtbar machen, so der Generaldirektor. Die angestrebte Signalwirkung nach außen gelang vollends mit dem 1995 fertiggestellten Umbau des Firmensitzes in der Wiener Grillparzerstraße. Aus einem abgenutzten und verwinkelten Gründerzeithaus wurde ein lichtdurchflutetes und feingliedriges Gebäude mit wunderschönem Atrium. Ein architektonisches Meisterwerk an Helle und Offenheit. Durchgeführt von dem damals unbekannten Architekten Walter Stelzhammer: „Mutig, diesem sehr talentierten, aber eben so jungen Menschen den Auftrag zu geben“, erinnert sich Hauf nachdenklich zurück. Es war der richtige Instinkt und die richtige Entscheidung.
„Der Umbau hat viel Lob eingebracht, von Architekten wie Baumeistern. Auch die Wirtschaft zollte mit etlichen Auszeichnungen und Preisen viel Anerkennung.“ Die Maßnahmen verfehlten also ihre Wirkung nicht. „Wir präsentierten eine moderne Versicherung, die auch wirtschaftlich ein sehr erfolgreiches Institut ist.“ Wichtig vor allem für das System der Gegenseitigkeit, da jeder Kunde ja gleichsam Miteigentümer der Versicherung ist. Ein sympathisches und offenes Image schien Hauf mehr als angebracht.
Das Moderne spiegelt sich auch in der Kunstsinnigkeit wider. Kunst gehört bei der ÖBV zum Programm. Individualität spielt natürlich im Engagement eine Rolle, so Hauf: „Das Spezielle bei uns ist immer das Neue – wir kaufen nie von der Stange. Unsere Kulturarbeit ist stets mit Eigenproduktionen verbunden und wir geben jungen Künstlern eine Chance.“
So werden auch beim jährlichen Grabenfest Themen vorgegeben, zu denen von Künstlern neue Kompositionen angefertigt werden. Dieses im Grabenhof der Habsburgergasse stattfindende ÖBV-Festival ist mittlerweile eine fixe Größe für neue Musik und hat sich als Kulturevent in Wien etabliert. „Mit jungen, großteils unbekannten Musikern, die noch brennen“, so Hauf über das Festival für Avangardistisches. „Das Musikland Österreich soll kein Museum sein, sondern soll lebendig und vital bleiben.“ Das sei das Besondere an diesem Festival, die freie Entfaltung und Entwicklung der Künstler: „Wir haben versucht, eine Chance zu geben. Viele von den damals Jungen und Unbekannten sind heute arrivierte und bekannte Künstler.“
Kontaktmensch.
Der direkte Kontakt zum Menschen ist Hauf schon immer wichtig gewesen: „‚Von Mensch zu Mensch‘ lautet auch der Slogan und das Lebensprinzip. Das Herz im Logo darf kein lustiger Gag sein, sondern ist unsere Grundphilosophie.“ Bezeichnend ist auch Haufs Credo beim Einrichten der Räume: „Unsere Büros wurden transparent gestaltet, haben Raum zum Atmen und Denken. Es befinden sich weder Kästen noch Regale über Kopfhöhe. Stauraum gibt es in den Gängen.“
Woher nimmt der Privatmensch Hauf seine Energie? Unabhängig von der Uhrzeit, sein Leben ist Engagement. Da verschwimmt eine klare Trennungslinie häufig, erklärt er nachdenklich. „Ich versuche, mein Leben von unschönen Einflüssen, Eitelkeiten und Belastungen freizuhalten. Ich verbringe meine Zeit großteils mit Menschen, die interessant, liebenswert und reizend sind. Und ich versuche, viele unterschiedliche Dinge zu machen“, so Hauf resümierend.
Musik, Bildhauerei, Vorträge, Engagement in der Kunstförderung, seine Familie und insbesondere seine Kinder bringen jede Menge Lebensfreude und Energie. Sein Leben frei zu gestalten, das hat er auch seinen beiden Kindern, Anna und Boris, beigebracht. Als Sopranistin und als Saxophonmusiker sind sie beruflich erfolgreich. „Ich habe meine Kinder ohne Zwang und Druck erzogen. Sie sollten die Berufe erlernen, die ihnen Freude bereiten.“
Seit Dezember 1983 Vorstand der ÖBV, seit 88 Generaldirektor. Nach 20 Jahren als Generaldirektor in der ÖBV hat Hauf viel zum Kunstverständnis in seinem Arbeitsumfeld beigetragen, viel Innovation ins Unternehmen gebracht und vor allem das Image wesentlich geprägt und die Versicherung neu positioniert. Ein Kraftakt, manchmal so mühevoll, dass er einmal als Ausgleich den Wien-Marathon gelaufen ist. Aber Energie geht ja bekanntlich nicht verloren. Er bekennt lächelnd: „Ich liebe Herausforderungen.“
Ricki Weiss im
Wiener Journal vom 04. April 2008
