Vielfalt und Verantwortung des Öffentlichen Dienstes

Der Blick ins Detail zeigt Vielseitigkeit und Vielfalt der öffentlichen Aufgaben. Wandel und Modernität wird im Staatsdienst nicht gepredigt, sondern gelebt.

IT-Techniker

Am Vormittag: Die Lehrerin fängt einen Papierflieger ab und setzt den Unterricht fort. Die Polizistin findet im doppelten Boden des Laderaums ein Lager voll von geschmuggelten Zigaretten. Der Chemiker überprüft die Qualität des Badesees. Zwölf Stunden später – mitten in der Nacht: Der Botschaftsrat kümmert sich um einen in Not geratenen Österreicher. Drei Justizwachebeamte schlichten einen Streit in einer Gefängniszelle. Der IT-Techniker wehrt einen Hackerangriff auf das Bundesrechenzentrum ab.

 

487.000 Menschen im öffentlichen Sektor

Rund 487.000 Menschen in Österreich sind im öffentlichen Sektor tätig. Etwa 350.552 erbringen die öffentlichen Leistungen als Bundes-, Landes- oder Gemeindebedienstete. Dazu kommen noch rund 137.000 Beschäftigte in ausgelagerten Unternehmen und weiteren Einheiten wie Universitäten oder Bundeskammern. In Summe machen die öffentlich Bediensteten gerade einmal 12,8 % der Erwerbstätigen aus.

Vielseitig und innovativ

Die Aufgaben der Beamtinnen und Beamten sind so vielseitig wie die Bedürfnisse der StaatsbürgerInnen. Die öffentlich Bediensteten selbst sind so vielseitig wie das Land und die Menschen, denen sie „dienen“. Sie sorgen dafür, dass das Leben in Österreich in geordneten Bahnen abläuft. Sie sind das Rückgrat für das Funktionieren der Gesellschaft. Aber wie viele Berufe gibt es im Öffentlichen Dienst?

Sind es 5.237 oder doch nur 742?

Im Öffentlichen Dienst gibt es eine Vielzahl an Franz AbleidingerBerufen, die sich oft nicht scharf voneinander abgrenzen lassen. In den Besoldungsgruppen gibt es vielfältige unterschiedliche Tätigkeiten, die im Dienstrecht nicht nach Berufen unterschieden werden. Richard Holzer von der GÖD nennt ein Beispiel aus der Verbrechensbekämpfung: „Den Spezialisten für Wirtschaftskriminalität gibt es nicht. Betriebsprüfer zum Beispiel werden fünf Jahre ausgebildet, bevor sie auf die Suche nach Steuerhinterziehern geschickt werden.“

 

Ein Beruf – viele Aufgaben

Karl-Heinz Grundböck, der Sprecher von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, stellt klar:Polizistin „Bei der Polizei gibt es nur eine Berufsbezeichnung: Exekutivbediensteter.“ Es handle sich um Generalisten, die nach ihren Kompetenzen, den Vorgaben der Vorgesetzten und nach Bedarf eingesetzt werden. Verkehrspolizisten müssen etwa Autofahrer wegen Geschwindigkeitsübertretungen anhalten. Die Exekutive hat in ihren Reihen aber auch Kriminalpsychologen oder Polizeitaucher. Und künftig sollen PolizistInnen verstärkt aus allen Teilen der Gesellschaft rekrutiert werden. Gesucht wird Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz. In Wien ist das Ziel, dass bis Ende des Jahres jede der 98 Dienststellen einen Kollegen oder eine Kollegin mit Migrationshintergrund bekommen soll.

107 Gesundheitsberufe

Das Gesundheitsministerium nennt 107 unterschiedliche Betätigungsfelder. Viele Arbeiten werden nach wie vor von Landesbediensteten erbracht. Dazu zählen PflegerInnen, ApothekerInnen oder Fachärzte. „Das Gesundheitswesen im Land ist eine Begleitung von der Geburt bis zum Tod: Überall gibt es spezifisch geschultes Personal“, sagt Dr. Hans Freiler, Vize-Vorsitzender der GÖD. Georg ApplUnter den MitarbeiterInnen bei der ausgegliederten AGES, der Gesellschaft für Gesundheit und Ernährungssicherheit, sind viele NaturwissenschaftlerInnen. Die Vielfalt der Berufe ist hier jedoch besonders groß. „Wir haben Chemiker, Ernährungswissenschafter, Humanmediziner, Tierärzte, Biologen, Mikrobiologen, Genetiker und Physiker – aber auch Statistiker etwa für die Riskioabschätzung“, sagt Georg Appl, Lebensmitteltierarzt in der AGES.

Mehr Frauen im Dienst

Der Frauenanteil im Öffentlichen Dienst ist laut Bericht des Beamtenministeriums in Elisabeth Vondrasekder Zeit von 1995 bis 2010 um gut vier Prozent gewachsen: Von 22% auf 26,1%. Die Frauenquote bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) liegt aktuell bei rund 8,4 %. Das ist im internationalen Vergleich eher wenig. „Innerhalb der vergangenen acht Jahre hat sich der Frauenanteil verdoppelt“, so Elisabeth Vondrasek und Dr. Traude Kogoj, die Diversity-Beauftragten der ÖBB. Das Zukunftsthema auf dem Fahrplan der ÖBB heißt Diversität. Im ÖBB-Konzern gibt es 138 unterschiedliche Funktionen. Beschäftigt werden MitarbeiterInnen aus 40 Ländern.

Den ganzen Artikel lesen Sie in der ÖBVaktiv Nr. 72.

Hohes Ansehen des Öffentlichen Dienstes in Österreich

Das Ansehen des Öffentlichen Dienstes kommt in Österreich deutlich besser weg als in anderen Ländern Europas. Laut einer Umfrage von Reader’s Digest hat jeder zweite Österreicher Vertrauen in den Öffentlichen Dienst. Der europäische Schnitt liegt bei 33 %. Die österreichische Verwaltung gilt in der EU in vielen Bereichen wie beispielsweise beim Grundbuch oder in der Finanzverwaltung als vorbildlich.

18.06.2012