Wo bleiben die Werte? Ethikunterricht an den Schulen
Schon mehrmals gastierte der ÖAAB-Wien mit spannenden Diskussionen in unserem schlicht G 14 genannten Veranstaltungsraum, dem ÖBV-Atrium in der Wiener Grillparzerstraße Nummer 14. Nach einer Veranstaltung zum Thema Altern lud der ÖAAB zuletzt Mitte April zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Wo bleiben die Werte? - Ethikunterricht an den Schulen".
Eine Frage, die offensichtlich viele bewegt, denn 150 Interessierte besuchten die Veranstaltung und wurden von ÖBV-Landesdirektor Erich Projer begrüßt.

Der Moderator der spannenden und von hohem Wissensniveau getragenen Veranstaltung, Landtagsabgeordneter GR DI Roman Stiftner, konnte Vertreter der islamischen und katholischen Glaubensgemeinschaften Prof. Anas Shakfeh und Mag. Andrea Pinz ebenso begrüßen wie den Vizepräsidenten des Wiener Stadtschulrates, Prof. Walter Strobl und den Wiener Schuldirektor Dr. Dieter Braunstein sowie den Obmann der Wiener Schülerunion Philipp Braza.
Eine Gesellschaft muss Werte tragen
„Wir wollen nicht in einer Gesellschaft leben, in der Werte, Religion und Moral nicht mehr vorzufinden sind, denn ohne weltanschauliche Fundierung können wir nicht geordnet zusammen leben", betonte ÖAAB-Landesobmann Dr. Matthias Tschirf in seinem Impulsreferat. Und weiter: „Nur eine Gesellschaft, die Werte trägt kann menschlich sein. Als christlich-soziale Partei haben wir es uns zum Ziel gesetzt, offensiv an dieses Thema heranzugehen, nicht zurückzuweichen und uns der gesellschaftspolitischen Verpflichtung zu stellen."
Der Vizepräsident des Wiener Stadtschulrates Prof Walter Strobl forderte die Verpflichtung jener Schüler zum Ethikunterricht, die sich vom konfessionellen Religionsunterricht abmelden bzw. ohne Bekenntnis sind. "Die Schule hat einen gesellschaftspolitischen Auftrag zu erfüllen und könnte dies auf diesem Wege erledigen", so Strobl. Ob man den Ethikunterricht dem Religionsunterricht gleichsetzen kann, beantwortete die Fachinspektorin für kath. Religion Andrea Pinz so: „Der konfessionelle Religionsunterricht ist unverzichtbar und würde keine Konkurrenz zum Ethikunterricht bilden."

Integration und Gewaltprävention durch Ethikunterricht vorantreiben
Ähnliche Worte fand auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Prof. Anas Shakfeh, der den Ethikunterricht nur als Alternative zum Religionsunterricht sieht: „Unsere Werte stammen nicht von der Aufklärung ab, sondern haben einen altreligiösen Ursprung", Dass der Ethikunterricht in Österreich nicht erst seit einigen Jahren im Gespräch ist, verdeutlichte der Direktor des BG Alterlaa Dr. Dieter Braunstein: „Seit 13 Jahren bieten wir in unserer Schule den Ethikunterricht an, der letztendlich sogar dazu geführt hat, dass die Abmeldungen vom Religionsunterricht zurückgegangen sind."
"Die Wertevermittlung wird derzeit in unserer Gesellschaft von den Eltern auf die Schule abgewälzt", betonte Philipp Braza von der Wiener Schülerunion und ist davon überzeugt, dass die Einführung des Ethikunterrichts, Integration und Gewaltprävention vorantreiben würde.
Als wesentliche Hürde sehen die Bildungsexperten die Finanzierung. Derzeit muss der Ethikunterricht von der Schule selbst bezahlt werden, was zwangsläufig zu Minderausgaben in anderen Schulbereichen führt. „Für die Finanzierung des neuen Unterrichtsfachs benötigen wir eine politische Lösung, denn langfristig kommt eine Gesellschaft ohne ethische Werte teurer als der Ethikunterricht", so Braunsteiner und Strobl unisono. Einig war man sich auch bei der Ausbildung der Ethikunterrichtlehrer: „Unterrichten können sollen alle Lehrberechtigten, die eine entsprechende Zusatzausbildung absolvieren", waren sich die Diskussionsteilnehmer abschließend einig.
Bild v.l.: Lazhar Nafati, Landesorganisations- referent ÖAAB-Wien,
Philipp Braza, Obmann der Wiener Schülerunion,
Prof. Walter Strobl, Vizepräsident Wiener Stadtschulrat,
GR DI Roman Stiftner,
Mag. Andrea Pinz,
Dr. Matthias Tschirf,
ÖAAB-Obmann,
Prof. Anas Shakfeh.
Ganz rechts
Prof. Dr. Dieter Braunstein, Direktor des BG Alterlaa.
