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Erich Steininger - Monotypie

Erich Steininger, geboren 1939 in Oberrabenthan im Waldviertel, gestorben 2015 in Wien, zählt mit seinem Œuvre zu den wichtigsten Druckgrafikern Österreichs. Davon kann man sich u.a. in dem vom Künstler 2012 gegründeten Grafikkabinett Erich Steininger, heute Archiv und Ausstellungsort seines künstlerischen Nachlasses, in der ehemaligen Volksschule Kirchbach bei Rappottenstein überzeugen. Der große Künstler und liebenswerte Mensch, dessen Werke vorwiegend in seinen Ateliers in Wien und im Waldviertel entstanden, wurde zu Lebzeiten mit Auszeichnungen, umfangreichen Publikationen und zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland bedacht, darunter auch mit einer Einzelpräsentation im ÖBV Atrium 2014 aus Anlass seines 75. Geburtstags.

Obwohl die beiden multiplen Druckverfahren Holzschnitt und Radierung stets im Zentrum des an der Akademie der bildenden Künste bei Maximilian Melcher ausgebildeten Künstlers standen, erlaubte sich Steininger für die Ausstellung im Atrium einen "kleinen Exkurs in die Monotypie". Diese unikate Drucktechnik, bei der auf mehreren farbig eingewalzten Platten mit Fingern, Tüchern, Schwämmen oder Holzspateln zeichnerische Spuren hinterlassen und die Farbträger anschließend von Hell nach Dunkel übereinander gedruckt werden, hatte Erich Steiniger in seinen letzten Lebensjahren begeistert angewandt. Die Möglichkeit des sehr freien, nahezu malerischen Umgangs war es wohl, die den stets neugierigen und experimentierfreudigen Künstler zum Aufgreifen dieser Technik bewogen hatte.

Zwei qualitätvolle Beispiele dafür sind die beiden Monotypien „Figur um Figur kehrt zurück“ und „Rosenspuren“, wovon sich letztere seit 2014 in der ÖBV Kunstsammlung befindet. Die Blätter verbildlichen gekonnt Steiningers aus der figurativen Tradition des Expressionismus weiterentwickelte, abstrakte Formensprache mit jenen zeichenhaften Kürzeln, die sich als kreatürliche Reminiszenzen in den Arbeiten manifestieren können.

Eine Nachlese zur Vernissage im ÖBV Atrium im Jahr 2014 und den ausgestellten Werken finden Sie hier.

Mehr über den Künstler erfahren Sie auf seiner Website.

Text: Mag.a Maria Christine Holter, Kunsthistorikerin und Kuratorin in Wien

„Steininger zieht!“
(ÖBV Vorstandsvorsitzender Mag. Josef Trawöger bei der Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste am Vernissagenabend)

 

„Die Monotypie ist ein Medium, das normalerweise nicht mit Erich Steininger in Verbindung gebracht wird. Sie ist ein Hinschielen zur Malerei, ein druckgrafisches Zwitterwesen, das es erlaubt Linien, Flächen und Grafisch-Kürzelhaftes ins Malerisch-Atmosphärische zu verdichten.“ 
(Aus der Laudatio von Florian Steininger, Sohn des Künstlers und künstlerischer Direktor der Kunsthalle Krems, 2014)

Erich Steiningers Monotypien: frei schwebende Körper im flirrenden Farbraum.

© Vernissagenfotos: Karl Grabherr