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Noémi Kiss - Bug in a Rug

Noémi Kiss, 1969 in Székelykeresztúr (RO) geboren, absolvierte Diplomstudien in Architektur an der TU Wien und in Philosophie an der Universität Wien. 2012–13 realisierte sie unter dem Label „KISS THE REICHL" gemeinsam mit Andreas Reichl Projekte an der Schnittstelle zwischen Design, Architektur und Installationskunst. Seit 2013 arbeitet Kiss erfolgreich als bildende Künstlerin in Wien. Sie wird in London und Chicago international durch Galerien vertreten.  

Eine hohe Sensibilität für Materialien mit Gebrauchsspuren paart sich in Noémi Kiss‘ Kunst mit dem philosophischen Hinterfragen ihres Tuns. Wie schon in der Ausstellung „Bug in a Rug“ im ÖBV Atrium 2014, welcher das Werk „Hirschkäfer im Rahmen“ in der ÖBV Sammlung entstammt, benützt die Künstlerin noch heute entsorgte, von Trittspuren gezeichnete Teppiche als ihr bevorzugtes Ausgangsmaterial.

Fragilität und Vergänglichkeit, Alterungsprozesse und achtlose Vernichtung textiler Artefakte stellen für Kiss ein weites Reflexionsfeld dar. Dabei sind, neben ästhetischen und philosophischen, auch ökologische und gesellschaftspolitische Überlegungen Teil des künstlerischen Konzepts. Indem Kiss die alten Teppiche durch Eingießen in Beton, Bemalen, Schleifen oder reliefartiges Beschneiden in ihrem Sinn gestalterisch verändert, wertet sie die vorwiegend von Frauen hergestellten Kunsthandwerke doppelt auf: als „Recycling-Art“ und als Würdigung meist unter- oder gänzlich unbezahlter weiblicher Arbeit.

Eine Rückschau zur Vernissage im ÖBV Atrium im Jahr 2014 finden Sie hier

Mehr über die Künstlerin erfahren Sie auf ihrer Website.

Text: Mag.a Maria Christine Holter, Kunsthistorikerin und Kuratorin in Wien

„Ich erinnere mich an eine lustige Begebenheit beim Ausstellungsaufbau: Für die bereits gedruckte und verschickte Einladung zu ,Bug in a Rug‘ hatte ich in die fotografische Abbildung meiner PU-Schaum-Installation an der Glaswand des Atriums einen überdimensionalen schwarzen Käfer digital hineinmontiert. Als die Eröffnungsrednerin die Ausstellung ein paar Tage vor der Vernissage besichtigte, war sie ganz enttäuscht, dass der Käfer als reales Objekt nicht existierte, denn sie hatte vorgehabt, bei der Vernissage aus Franz Kafkas Erzählung ,Die Verwandlung‘ zu zitieren, in der sich der Protagonist in ein käferartiges Insekt verwandelt. ,Dafür gibt es genügend Spinnen und einen tollen Hirschkäfer hier‘, bemerkte sie schmunzelnd nach dem Ausstellungsrundgang und gab Kafka als literarische Einleitung zu ihrer Laudatio zum Besten.“ 

(Noémi Kiss, 2020)

Die Unbeständigkeit des Materials bedeutet seine ,Gebrechlichkeit‘. Gerade in dieser Schwäche liegt die affektive Nähe vom Mensch zum Material, es erinnert an die eigene Vergänglichkeit.

© Vernissagenfotos: Karl Grabherr