Nationalbibliothek
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Die Nationalbibliothek wird digital

Hunderttausende historische Bücher und Zeitschriften sind bereits im Internet abrufbar.

Der Weg in die Österreichische Nationalbibliothek führt über einen der bekanntesten Plätze Österreichs, den Wiener Heldenplatz. Hinter dem zentralen Eingang der Neuen Burg, einem Teil der Hofburg, wird seit vielen Jahren an der Bibliothek der Zukunft gearbeitet.

Die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) ist die zentrale wissenschaftliche Bibliothek des Landes und verwahrt in ihren Archiven den größten Bücher- und Zeitschriftenbestand Österreichs. Obwohl die Bücher eine eigene Ruhe ausstrahlen, herrscht in der ÖNB rege Betriebsamkeit: Das hängt mit den über 230.000 LeserInnenzusammen, die jährlich in die Bibliothek kommen, aber auch mit dem ehrgeizigen Ziel, die traditionelle Gelehrtenbibliothek des 19. und 20. Jahrhunderts in ein offenes Wissenszentrum des 21. Jahrhunderts weiterzuentwickeln, in dem immer mehr Bestände und Services online zur Verfügung stehen. 

Angefangen hat alles mit der Digitalisierung des sogenannten Zettelkatalogs, bei dem jedes einzelne Werk der Bibliothek auf einer eigenen Karteikarte dokumentiert ist: Ab 1997 wurden hunderttausende dieser Zettel für das Projekt „KatZoom“ eingescannt, um sie auch über das damals rasant populärer werdende Internet abrufen zu können. Die ÖNB war weltweit die erste Großbibliothek, die alle Kataloge ihres gesamten historischen Druckschriftenbestandes online verfügbar machte.


Ein weiterer Meilenstein war das Projekt „ABO“, Austrian Books Online. Seit 2011 digitalisiert die ÖNB in einer Public-private-Partnership mit Google den gesamten urheberrechtsfreien Druckschriftenbestand, also rund 600.000 Bücher, die zwischen 1501 und der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erschienen sind. „Mittlerweile sind mehr als 420.000 Bände gescannt, darunter seit kurzem auch der Bestand des Prunksaals mit seinen rund 200.000 Werken“, so Generaldirektorin Dr.in Johanna Rachinger. „Das ABO-Projekt wird voraussichtlich 2018 und damit zum 650. Geburtstag der Österreichischen Nationalbibliothek abgeschlossen sein: ein Meilenstein in der Demokratisierung des Wissens.“ 

Wertvolles bewahren und dennoch zugänglich machen

Neben diesem Massendigitalisierungsprojekt wurden und werden laufend auch andere Bestände der Bibliothek digitalisiert, zum Beispiel historische Zeitungen, Zeitschriften sowie alte Postkarten und Theaterzettel. Wie läuft diese Vorgehensweise konkret ab? Wir fragen Mag.a Christa Müller, Leiterin der Abteilung „Digitale Services“ und zuständig für das Projekt ANNO (AustriaN Newspapers Online): „Am Beginn jedes Digitalisierungsprojektes wird entschieden, ob in der Abteilung ‚Digitale Services‘ oder bei beauftragten Partnerunternehmen gescannt wird. In einem weiteren Schritt werden die eingescannten Textseiten mittels OCR-Schrifterkennung in Text umgewandelt und in den digitalen Bestand der ÖNB eingefügt.“ In der Abteilung „Digitale Services“ arbeiten rund 15 MitarbeiterInnen an hochqualitativen Scannern, die Papierformate bis hin zur Größe A0 verarbeiten können. Jeder Scanner wurde für einen speziellen Einsatzzweck angeschafft, denn die historischen Werke fordern einen äußerst sensiblen Umgang. Jener Mitarbeiter, der während des Besuchs des ÖBVaktiv Redaktionsteams den Scanroboter bediente, scannte rund 1.400 Seiten pro Stunde – in sehr guter Qualität, wohlgemerkt.

Mag.a Müller führt weiter aus: „Die Digitalisierung hebt jenen Widerspruch auf, der jeder Bibliothek Kopfzerbrechen bereitet: Einerseits sollen die Bücher klimakontrolliert und sicher aufbewahrt werden, damit sie auch kommende Generationen noch lesen können, andererseits soll das Wissen dieser Werke weltweit für alle Interessierten leicht zugänglich sein.“ Mit Hilfe der Digitalisierung können diese beiden Aufgaben durch die Bibliotheken besser als je zuvor erfüllt werden. Für die LeserInnen bietet die Digitalisierung einen ganz wesentlichen Vorteil: Alle gescannten Werke sind rund um die Uhr abrufbar und auch auf ihre Inhalte hin elektronisch durchsuchbar.

„Ganz neue, umfassende Studien werden damit erst möglich. Die digital erfassten Inhalte erlauben es, dass beispielsweise Zeitungen über Jahrzehnte auf die sich verändernde Sprache hin untersucht werden können. Für eine Recherche muss man sich nicht mehr die gebundenen Jahrgangsbände der Zeitung ausheben lassen, um sie im Lesesaal händisch durchzublättern, sondern kann über die Volltextsuche alle Zeitungen auf einmal von zu Hause aus durchsuchen“, erklärt Mag.a Müller.



17 Millionen Zeitungsseiten elektronisch abrufbar

Inzwischen liegen mehr als 17 Millionen gescannte Seiten von über 1.000 verschiedenen Zeitungs- und Zeitschriftentiteln vor. „Die älteste Ausgabe stammt aus dem Jahr 1568, ab dem Jahr 1689 sind die Ausgaben auch im Volltext zu durchsuchen. Aus rechtlichen Gründen sind die jüngsten Zeitungsausgaben online aus dem Jahr 1946.“ 

Mag.a Müller ist sichtlich stolz: „Der Erfolg des ANNO-Projektes ist erstaunlich! Täglich hat der digitale Zeitungslesesaal der ÖNB mehr als 3.000 Leserinnen und Leser und damit schon mehr Interessierte als Personen, die noch persönlich zum Stöbern vorbeikommen.“

07.06.2017

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