Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny
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„Wir können nur davor warnen, dass Bitcoin & Co. hochspekulative Anlageobjekte sind“

Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank (OeNB), im Interview über eine Regulierung der Kryptowährung, den Hype um Bitcoin, die aktuelle Zinslage sowie die Digitalisierung der Finanzwelt.  

ÖBVaktiv: Viele Sparer leiden unter dem niedrigen Zinsniveau. Sehen Sie eine Wende bzw. Entwicklung in naher Zukunft?

Nowotny: Wir werden noch für einige Zeit niedrige Zinsen haben. Niedrige Zinsen bringen für die Sparerinnen und Sparer Nachteile, aber man muss die niedrigen Nominalzinsen auch hier im Kontext zur niedrigen Inflationsrate sehen. Es gibt auch Vorzüge dieser niedrigen Zinsen: Wer derzeit einen Kredit braucht, kann sich zu günstigen Konditionen eine Wohnung kaufen, ein Haus bauen. Das niedrige Zinsniveau hat also auch für viele Vorteile. Gesamtwirtschaftlich gesehen war unsere Nullzinspolitik erfolgreich, weil wir Investitionen und den Konsum belebt haben. Das wieder starke Wachstum im Euroraum und in Europa beweist, dass wir mit unserer Geldpolitik richtiggelegen sind.

ÖBVaktiv: Gibt es alternative Möglichkeiten zur finanziellen Vorsorge, die Sie empfehlen würden?

Nowotny: Als Notenbankgouverneur kann ich grundsätzlich keine Anlageempfehlung abgeben. Als generellen Rat möchte ich aber allen sagen: Jede oder jeder sollte seine Anlagen streuen. Das verringert schon einmal das Risiko. Und man sollte sich immer bewusst sein: Mit versprochenen hohen Zinsen ist immer auch ein höheres Risiko verbunden.

ÖBVaktiv: Stichwort Jugend: Wie können Jugendliche Ihrer Meinung nach am besten vorsorgen?

Nowotny: Die beste Vorsorge im Jugendalter ist, sich Wissen rund ums Geld anzueignen. Uns ist es ein besonderes Anliegen, finanzielle Bildung zu vermitteln, damit man wirtschaftliche Zusammenhänge versteht. Bereits mit der Euro-Kids-Tour für Volksschulen setzen wir bei den Jüngsten an, gefolgt von der Euro-Logo-Tour für Unterstufen und der Euro-Fit-Tour für Oberstufen. Zudem bietet die OeNB zielgruppengerechte Finanzbildungsprogramme in allen Bundesländern an.

ÖBVaktiv: Ein heiß diskutiertes Thema sind momentan digitale Währungen. Immer mehr Menschen investieren in Bitcoin. Was halten Sie davon?

Nowotny: Bitcoin oder auch andere sogenannte Kryptowährungen sind keine Währung, sondern ein reines Spekulationsobjekt. Eine gute Währung zeichnet sich vor allem durch Stabilität aus. Das trifft bei Bitcoin jedoch nicht zu. Die Kursschwankungen sind hoch und Bitcoin und Co. werden nicht reguliert. Im Prinzip müsste man, wie bei allen anderen Geldgeschäften auch, eine Regulierung andenken. Es kann ja nicht sein, dass wir viele Sparvereine mit Regeln erfassen, Milliarden-Geschäfte im Internet aber de facto unreguliert bleiben und Kryptogeld auch für Geldwäsche missbraucht werden kann.

ÖBVaktiv: Viele behaupten, der „Bitcoin lässt die Banken sterben“. Was bedeutet Ihrer Ansicht nach die Entwicklung der digitalen Währungen konkret für die Menschen, die im Finanzsektor arbeiten?

Nowotny: Die Digitalisierung verursacht generell einen Umbruch in der Finanzwelt. Das BlockchainVerfahren, das Bitcoin zugrunde liegt, gilt als eine besonders sichere Transaktionsmöglichkeit, daher forschen auch Notenbanken am Einsatz dieser Technologie für digitale Währungen. Das digitale Geld wäre neben Bargeld und Giralgeld eine dritte Säule. Allerdings hätte die Einführung von digitalem Zentralbankgeld Auswirkungen auf Geschäftsbanken, denn Kundinnen und Kunden könnten ihre Konten direkt bei der Zentralbank führen und somit würden die Einlagen bei den Kommerzbanken zurückgehen. Da bedarf es noch vieler Diskussionen, bis Notenbanken eigene digitale Währungen ausgeben können und sollen.

ÖBVaktiv: Viele Bitcoin-Fans misstrauen offiziellen Währungen und Notenbanken. Was unternehmen die Österreichische Nationalbank und die EZB, um den Euro zu stärken?

Nowotny: Wir können nur davor warnen, dass Bitcoin und Co. hochspekulative Anlageobjekte sind. Eine Regulierung dieser Märkte ist auf dem Weg. Das ist positiv, weil nicht einzusehen ist, dass jeder Sparverein kontrolliert wird, aber sogenannte Kryptowährungen überhaupt keiner gesetzlichen Regulierung unterliegen. Letztlich muss man auch sagen: Finanzbildung wird immer wichtiger. Nur wenn man über Wirtschaft Bescheid weiß, wird man auch für sich selbst vernünftige Entscheidungen treffen können. 

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