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Balanceakt Frauenvorsorge

Immer mehr Frauen werden mit dem Pensionsantritt in die Armutsfalle tappen. Durch geringere Verdienste im Vergleich zu Männern, oftmals ungewollte Teilzeitbeschäftigungen und geringe Ansprüche durch Karenz und Kinderbetreuung

Grund der Pensionslücke, die bei Frauen um vieles höher ist als bei Männern: Im Durchschnitt verdienen Frauen um 41 Prozent weniger als Männer. Knapp jede zweite Frau ist teilzeitbeschäftigt, obwohl viele mehr arbeiten wollen. 
Außerdem senken Karenz und Kinderbetreuung die Pensionsansprüche. 2013 betrug die durchschnittliche monatliche Bruttopension für Frauen 842 Euro, während Männer 1.379 Euro lukrierten.

Einkommensschere bleibt weit offen

Obwohl beinahe acht von zehn Frauen arbeiten, sind Frauen weiterhin gehaltlich benachteiligt. Im Jahr 2013 verdienten unselbständig beschäftigte Frauen im Mittel 1.474 Euro netto im Monat. Bei Männern lag der Nettoverdienst bei 2.082 Euro im Monat, also um 41 Prozent über dem der Frauen. Auch im EU-Vergleich ist die Einkommensschere in Österreich immer noch sehr groß – Österreich liegt hier an vorletzter Stelle.

Die gläserne Decke ist Realität

Von den derzeit 115.000 Führungskräften in Österreich sind nur etwa 25.000 Frauen (ca. 20 Prozent). Sehr deutlich ist der Unterschied bei Akademikern. Hier üben 22,3 Prozent der Männer, aber nur 7,0 Prozent der Frauen eine führende Tätigkeit aus. Wobei derzeit mehr Frauen als Männer eine akademische Ausbildung vorweisen können. Während knapp 384.000 Männer eine Universität, Fachhochschule oder verwandte Ausbildung abgeschlossen haben, sind es über 404.000 Frauen. 

Teilzeit – ein Muss für Mütter?

Nicht nur die Position und der Beruf der Frauen beeinflussen die Höhe der Pension negativ. Viele weitere Parameter rund ums Kinderkriegen haben ebenfalls deutliche Auswirkungen: die Länge der Elternkarenz und gegebenenfalls einer weiteren Auszeit für Kinderbetreuung, der anschließend schwierige Wiedereinstieg in den Beruf, zumeist eine Teilzeitbeschäftigung für mehrere Jahre.


Quelle: STATISTIK AUSTRIA

In Österreich arbeiten derzeit knapp 2 Millionen Frauen, davon 90 Prozent als unselbständig Beschäftigte. Knapp jede zweite Frau ( insgesamt über 909.000 Frauen) ist in Teilzeit beschäftigt. Bei Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren sind es 70,9 Prozent.

Jede vierte teilzeitbeschäftige Österreicherin möchte gerne mehr Stunden arbeiten. Viele haben aber als Alleinerzieherinnen keine Wahlfreiheit. Außerdem bieten viele Arbeitgeber im Handel, zunehmend nur noch Teilzeitjobs an.


Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2014

Papa arbeitet, Mama kümmert sich um die Kinder 

Während Frauen in der Elternschaft also meist ihre Arbeitszeit reduzieren (müssen), nimmt bei Männern der Arbeitsumfang zu, wenn Kinder im Haushalt leben.
Die Teilzeitquote der 25- bis 49-jährigen Männer mit Kindern unter 15 Jahren liegt bei 5,0 Prozent. Väter mit aufrechtem Dienstverhältnis, die Karenz- bzw. Kinderbetreuungsgeld beziehen, gibt es laut den Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger wenige: 2012 nahmen nur 3.361 Männer eine Väterkarenz in Anspruch.

Fiktives Einkommen in der Karenz 

Für die Berechnung der Pensionskontogutschrift während der Karenz wird für das Jahr 2014 ein fiktives Bruttoeinkommen in Höhe von von 19.798,08 Euro pro Jahr angenommen, unabhängig vom Einkommen vor der Karenz. Davon gelangen 1,78 Prozent als Gutschrift auf das Pensionskonto, was einer monatlichen Bruttopension von rund 25 Euro entspricht.

Mit dem Allgemeinen Pensionsgesetz kam auch eine neue Regelung – das Pensionssplitting. Der erwerbstätige Elternteil kann die Hälfte seiner Pensionskontogutschrift dem Elternteil, der sich vorwiegend der Kindererziehung widmet, für die ersten 48 Monate der Karenzzeit übertragen. Dies kann auch im Nachhinein bis zum siebten Geburtstag des Kindes bei der Pensionsversicherungsanstalt beantragt werden. Somit lukrieren Mütter, die sich der Kindererziehung widmen, eine zusätzliche Gutschrift am Pensionskonto, die bis zum Pensionsantritt erhalten bleibt und sich auch nachhaltig positiv auf die Pension auswirkt. 

Fazit: Die Politik ist gefragt 

Dass Frauen in Österreich derzeit im Durchschnitt um 41 Prozent weniger verdienen und eine um 30 Prozent geringere Pension erhalten als Männer ist Anlass für Politik, Gesellschaft und Arbeitsmarkt, endlich deutliche Zeichen zu setzen. Aber auch die Arbeitgeber sind gefragt. Es gilt, frauen- und kinderfreundliche Arbeitsplätze zu schaffen und die Gleichberechtigung bei den Einkommensverhältnissen voranzutreiben, ganz nach dem Motto „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Frauen dürfen in der Pension nicht dafür bestraft werden, mit ihren Kindern für die Pensionen der Zukunft zu sorgen.

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