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Eine Säule allein kann die Aufgabe nicht bewältigen

Ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Mag. Josef Trawöger, Österreichische Beamtenversicherung, VVaG, und Generaldirektor Mag. Andreas Zakostelsky, VBV. 

ÖBVaktiv: Die Pensionen der Sozialversicherung und die Beamtenpensionen mussten in den vergangenen Jahren gekürzt werden. Wie beurteilen Sie die Akzeptanz der Altersvorsorge-Produkte in der Öffentlichkeit?

Trawöger: Die Pensionen der Sozialversicherung und die Beamtenpensionen bilden unbestritten die Basis der Altersvorsorge und sind volkswirtschaftlich unverzichtbar. Um diese beiden Bereiche nachhaltig abzusichern, mussten Korrekturen vorgenommen werden. Das bedeutet, dass die Einzelnen die Notwendigkeit einer ergänzenden Eigenvorsorge erkennen müssen.






Die Lebenserwartung wird unterschätzt

ÖBVaktiv: In der Lebensversicherung beträgt die durchschnittliche Prämie 730 Euro im Jahr, knapp 61 Euro im Monat. Der Betrag genügt doch nicht für eine Zusatzpension? 

Trawöger: Das ist immer eine Frage der Laufzeit. Wenn man früh genug anfängt, dann geht es. Entscheidend ist, dass den Menschen rechtzeitig bewusst wird, dass eine Eigenleistung zur Absicherung des Lebensstandards im Alter erforderlich ist. Es geht vor allem um das Risiko der Langlebigkeit, das man wohl als angenehmes Risiko bezeichnen kann. Dieser Vorteil hat aber eine Kehrseite: Sehr leicht kann der Zustand eintreten, „mein Geld ist weg, aber ich bin noch da!“. Denn generell wird die Lebenserwartung um Jahre unterschätzt. 

Zakostelsky: Man muss die Notwendigkeit der privaten, zusätzlichen Altersvorsorge im gesellschaftlichen Bewusstsein verankern. Erforderlich wäre ein nationaler Schulterschluss aller Entscheidungsträger in der Politik und bei den Sozialpartnern. Hier spielt der Umstand eine Rolle, dass generell das Wissen über Finanzfragen zu schwach entwickelt ist. 

Die Altersvorsorge kostet weniger als so mancher Alltagskonsum

ÖBVaktiv: Die aktiven Arbeitnehmer und die Selbstständigen zahlen in der Sozialversicherung 22,8 Prozent der Bezüge. Erschwert dieser Umstand nicht die ergänzende Vorsorge? 

Trawöger: Das ist oft gar nicht das Problem. Wichtig sind eine längerfristige Sichtweise und eine Verschiebung der Prioritäten im Konsumverhalten zugunsten der privaten Vorsorge. Dabei geht es nicht unbedingt um große Summen. Wenn man früh beginnt, dann sorgen schon kleine Beträge für eine interessante Zusatzpension.  

Gleiche Bedingungen für alle drei Säulen 

ÖBVaktiv: In Österreich gibt es im Unterschied zu Deutschland kein Bekenntnis der Politik zum Drei-Säulen-Prinzip. Die Pensionen der Sozialversicherung dominieren. 

Trawöger: Das Zusammenwirken der drei Säulen ist unbedingt notwendig, weil eine Säule allein die Aufgabe nicht bewältigen kann. Deswegen sollten auch für alle die gleichen Rahmenbedingungen gelten. Die steuerliche Behandlung in der Beitragssammlungsphase wie in der Auszahlungsphase weist derzeit große Unterschiede auf, eine Anpassung wäre unbedingt wünschenswert. 

Zakostelsky: Auch im Rahmen der bestehenden Regelungen könnten mit kleinen Korrekturen große Wirkungen erreicht werden. In der zweiten Säule, also in der betrieblichen Altersvorsorge, können die Unternehmer zehn Prozent der Lohnsumme von der Steuer absetzen, wenn sie diesen Betrag für den Aufbau von Pensionen für die Mitarbeiter verwenden. Die hier mögliche Summe wird in den meisten Fällen nicht ausgenützt. Also sollten die Arbeitnehmer im Rahmen des frei bleibenden Betrags ebenfalls steuerlich begünstigt Einzahlungen vornehmen können.

Trawöger: Man hat am Beispiel der Prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge gesehen, dass Förderungen eine große Wirkung haben. Das Konstrukt hatte ursprünglich Schwächen und musste repariert werden. Wichtig ist aber festzuhalten, dass viele Bürgerinnen und Bürger durch diese Aktion nun im Besitz einer Rentenversicherung sind, die die staatliche Pension ergänzt.






Nur jeder vierte Arbeitnehmer hat eine betriebliche Altersvorsorge

ÖBVaktiv: Die zweite Säule, die betriebliche Altersvorsorge, spielt im Gegensatz zur Schweiz in Österreich eine kleine Rolle. 

Zakostelsky: Dies ist aus mehreren Gründen schwer verständlich. Die steuerliche Abzugsfähigkeit der Unternehmer-Beiträge ist bis zu zehn Prozent möglich und wird nicht ausgenützt. Was fehlt, ist die Initiative der Arbeitnehmer. Warum gehen nicht tausende zu ihren Firmenchefs, zum Personalchef, zum Betriebsrat und fragen nach einer betrieblichen Zusatzpension. Ich begreife auch nicht, warum die Politik dieses Thema nicht besetzt. Da wäre eine Frohbotschaft für 75 Prozent der Arbeitnehmer möglich – quasi eine Pensionserhöhung in Form einer Zusatzpension. Nur 25 Prozent haben in Österreich eine betriebliche Zusatzpension. 

Auch die Beamten sollen zwischen mehreren Anbietern wählen können 

ÖBVaktiv: Die Pensionen der öffentlich Bediensteten waren auch Gegenstand von Reformen. Dies sollte sich doch in einer verstärkten Nachfrage nach Vorsorge- Produkten der ÖBV niederschlagen? 

Trawöger: Die ÖBV ist mit Vorsorgelösungen in der Beamtenschaft stark verankert. Allerdings beschränkt sich das Angebot auf die dritte Säule, auf die persönlichen Vorsorgeprodukte. Die zweite Säule wird ausschließlich von der Beamten-Pensionskasse im Rahmen der Bundespensionskasse AG betreut. Andere Anbieter, wie sonstige Pensionskassen oder die Lebensversicherungen mit der betrieblichen Kollektivversicherung, sind im Gesetz nicht vorgesehen. Hier wäre eine Lockerung wünschenswert, die den Beamten eine Wahlmöglichkeit eröffnet. 

Das Interview führte der Journalist Ronald Barazon.

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