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Walter Angerer-Niketa: Große Liegende, 1968, Kalkstein, 90 x 35 x 39 cm. Courtesy ZS art Galerie

Walter Angerer-Niketa - RÜCKBLICK/QUERSCHNITT

Der Wotruba- und Pillhofer-Schüler Walter Angerer-Niketa wurde 1940 in Wels, OÖ, geboren. Er lebte und arbeitete bis zu seinem Tod im September 2021 im niederösterreichischen Weinviertel. Nach anfänglicher Reduktion der menschlichen Figur in Holz, Stein und auf Papier fand der Künstler während der 1970er- bis 80er-Jahre zu seiner für ihn charakteristischen neokonstruktivistischen, zunehmend minimalistischen Spielart der geometrischen Abstraktion. Resultat sind zeitlose, in ihrer Klarheit unvergleichliche Werke in der 2. und 3. Dimension.

2012 würdigte die ÖBV Angerer-Niketa mit einer umfassenden Retrospektive unter dem Titel „RÜCKBLICK/QUERSCHNITT“. Besonders eindrücklich sind die im Atrium präsentierten Steinskulpturen in Erinnerung, aus deren Ensemble die in ihrer Eleganz bestechende „Ma'at“ aus dunkelgrünem Serpentin in die ÖBV-Sammlung aufgenommen wurde. Dass diese Arbeit den Namen einer altägyptischen Gottheit trägt, ist kein Zufall – zeigte sich der Bildhauer doch ab Mitte der 1980er-Jahre zutiefst von der steingewordenen Spiritualität altägyptischer Monumentalkunst fasziniert.

Ein Gemälde von 1991, das ebenfalls in der ÖBV zu sehen war und nun im Hinblick auf Angerers Ableben eine tiefere Bedeutung erlangt, trägt den Titel „Im Augenblick der Ewigkeit“. Es zeigt zwei dünne, in einem stumpfen Winkel aufeinandertreffende rote Linien auf weißem Grund, die an abhebende Vogelschwingen denken lassen. Wir werden den Menschen und Künstler Walter Angerer über sein Werk in Erinnerung behalten.

Eine Nachlese zur Vernissage im ÖBV Atrium im Jahr 2012 und den ausgestellten Werken finden Sie hier

Mehr über den Künstler erfahren Sie auf der Webseite seiner Galerie.

Text: Mag.a Maria Christine Holter, Kunsthistorikerin und Kuratorin in Wien

„Die umfassende Personale im ÖBV-Atrium hat – von unserem Engagement als Galerie einmal abgesehen – zur Wiederentdeckung dieses großartigen Künstlers einen wichtigen Beitrag geleistet.“

(Andrea Zehetbauer, Galeristin von Angerer-Niketa, 2020)

Meine Arbeit ist der Versuch, mit der minimalsten Veränderung, mit der geringsten Reduzierung des Volumens eine Bewegung, eine Verschiebung, eine Schwingung zu erreichen. Ich strebe nach Ruhe in der Bewegung und Bewegung in der Ruhe.

© Vernissagenfotos: ÖBV