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Räume im Raum

Bildräume der Künstlerin Rosa Hausleithner

Eindrücke von der Vernissage

Räume zu bauen und sich dabei weder an perspektivische noch an statische Regeln halten zu müssen, das reizte die Wiener Künstlerin Rosa Hausleithner an ihrer aktuell im ÖBV Atrium gezeigten Präsentation von Gemälden.

Diese neuerlich für das Haus einzigartige Ausstellung wurde am 1. Oktober 2019 unter großem Publikumszuspruch durch Vorstandsvorsitzenden Mag. Josef Trawöger eröffnet. Zu den Bildräumen Hausleithners gesellten sich Klangräume, gezaubert durch Pianistin Sayuri Hirano und der ebenso hervorragenden Sopranistin Ekaterina Protsenko.

Wie Musik ein waches Ohr, so bedarf jedes von Hausleithners Kompositionen der eingehenden Betrachtung – des Davor-Verweilens und Sich-in-sie-Versenkens. „RÄUME“ stellt uns Werke vor, die keine Geschichten erzählen, die uns die Welt nicht erklären wollen, die nichts sind außer bildgewordene Imagination und doch so vieles können.

Beginnen wir also beim Raum selbst, der für diese Ausstellung titelgebend ist, beim Raum im Raum. Wer das ÖBV Atrium betritt, befindet sich in einer in den 1980er Jahren hinzugefügten baulichen Konstruktion innerhalb einer aus dem späten 19. Jahrhundert stammenden Hülle. Zu dieser postmodernen Architektur wurden durch die Künstlerin unter der erfahrenen Hand von Kuratorin Jacqueline Chanton weitere Raumideen, nämlich Hausleithners variantenreiche Vorstellungen und Möglichkeiten von Raum eingebracht: Räume im Raum im Raum. Diese sind nun bis Jänner 2020 im Atrium zu sehen.

Die in 1952 Wien geborene und hier lebende und arbeitende Rosa Hausleithner ist keine Architektin und im eigentlichen Sinne auch keine Malerin, obwohl sie im ÖBV Atrium Gemälde auf Leinwand zeigt. Sie hatte in den 1980er Jahren bei Bruno Gironcoli auf der Akademie der bildenden Künste in Wien Bildhauerei studiert und diesen Weg auch bis weit in die 90er Jahre beschritten.

Mit der Jahrtausendwende begann sie anstelle von tatsächlich dreidimensionalen Gebilden gemalte Farbräume zu gestalten. Damit wechselte sie in ein ihr fremdes Medium, das sie sich erst mühsam und mit viel „trial and error“ erkämpfen musste und – das soll hier auch erwähnt werden – zudem dem chronischen Platzmangel in ihrem für die Lagerung von plastischen Modellen viel zu kleinen Wohnatelier geschuldet ist. Denn nach anfänglich steiler Karriere mit Ausstellungen in renommierten Kunsträumen und Galerien, mit Präsentationen als Teil der aufstrebenden Gironcoli-SchülerInnen in ganz Österreich und der Aufnahme in die Wiener Secession war es im Laufe der Zeit um Hausleithner stiller geworden – ein typisches Künstlerinnenschicksal, das die Alleinerzieherin eines Sohnes (unter teilweise prekären Bedingungen lebend und vorwiegend außerhalb ihres Künstlerinnendaseins berufstätig sein müssend) mit vielen weiblichen Kunstschaffenden ihrer Generation teilt.

Umso erfreulicher ist es, dass Rosa Hausleithner nach einer vielbeachteten Einzelausstellung in einer Wiener Innenstadt-Galerie im Vorjahr, ihr künstlerisches Comeback mit dieser umfassenden Schau von Raumkompositionen aus 2012 bis 2019 im ÖBV Atrium fortsetzt. Sie ist eine stille Kämpferin. Bei ihr verheißt die oft von ihr eingesetzte Farbe ihres Vornamens „Rosa“, mit der sie bisweilen auch signiert, nichts Liebliches, sondern ist Teil eines ausgeklügelten Farbkonzepts, das kraftvoll nicht nur innerhalb des Gemäldes wirkt, sondern auf seine Umgebung „invasiv“ übergreift: das omnipräsente Rosa und Violett in unterschiedlichen Schattierungen, dazu komplementär gesetzt strahlendes Türkis, warmes Gelb, sattes Orange und gedeckte Rottöne; die Blautöne Ultramarin und Indigo so lange übereinandergeschichtet, bis daraus an manchen Stellen ein lebendiges Schwarz wird.

„Ich gehe von einer mehr oder weniger konkreten Raumvorstellung aus, dann beginnt der Kampf! Der Kampf um die Farbe!“, gibt die Künstlerin, auf ihre konkrete Herangehensweise hin angesprochen, preis. Als kleine, skizzenhafte Linienzeichnungen werden die Bildideen mit Blei- und Farbstiften auf Papier fixiert, um dann in Acryl auf Leinwand ausformuliert zu werden.

So können wir Hausleithner als Farbbaustein-Architektin begreifen, die polychrome Raumskulpturen baut, welche irreleiten, die zu kippen beginnen, wo Begriffe wie oben und unten kaum greifen und die keiner statischen Prüfung standhalten würden. Ihre fiktionalen Farbräume sind ein wohlkalkuliertes Auseinandernehmen, ein Dekonstruieren von Wirklichkeitsräumen und seiner Gesetze. Sie hintertreibt damit die Erwartungshaltung der Betrachterinnen und Betrachter, dass diese Räume funktionieren könnten. „Doch nichts funktioniert hier!“, ruft uns Hausleithner zu. Damit zwingt sie ihr Publikum, sich ihren fluktuierenden Raumerfindungen vorbehaltlos, mit fast kindlicher Neugier zu nähern. Und so verliert sich das Auge genussvoll zwischen den einzelnen Bildbausteinen, deren Positionierung durch das exquisite Zusammenspiel der Farbflächen jeweils aufs Neue bewertet werden muss. 

(Mag.a Maria Christine Holter, Kunsthistorikerin und Kuratorin in Wien)

Fotos: © Karl Grabherr

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