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„Immer nahe an den Menschen und konsequent in der Sache“


Seit Oktober ist ÖGB-Vizepräsident Dr. Norbert Schnedl der neue Mann an der Spitze der Gewerkschaft GÖD. 

ÖBVaktiv führte mit dem Nachfolger von Fritz Neugebauer das folgende Interview.

ÖBVaktiv: Zuallererst möchten wir Ihnen im Namen der gesamten ÖBV zur neuen Funktion herzlich gratulieren. Sie treten die Nachfolge der „Ikone“ Fritz Neugebauer an – was bedeutet das für Sie?

Schnedl: Herzlichen Dank für die Gratulation und dafür, dass Sie mich nicht gleich nach meiner Schuhgröße fragen, weil die Journalisten seit meiner Wahl dauernd über große Fußstapfen sprachen. Zwei Dinge kurz vorweg: Erstens halte ich Fritz Neugebauer für einen der erfolgreichsten Gewerkschafter, der in der Öffentlichkeit leider oft sehr einseitig dargestellt wurde. Daher war es mir ein persönliches Anliegen, ihn auch zukünftig in unserem Team zu haben, weil wir auf sein Verhandlungsgeschick, seine Kompetenz und Erfahrung in der GÖD nicht verzichten wollen. Damit komme ich zum zweiten Punkt: Es wurde ja nicht nur eine Person gewählt, sondern ein gesamtes Team, mit mir an der Spitze, ist mit einem sehr großen Vertrauensvorschuss ausgestattet worden. Das ist eine große Ehre und zugleich eine große Herausforderung, die wir gemeinsam meistern wollen.


ÖBVaktiv: Was sind – nach dem GÖD-Kongress vom Oktober – die wichtigsten Anliegen und Zielsetzungen der GÖD in den nächsten fünf Jahren? 
Schnedl: So ein Kongress folgt gewissen Regeln, bei uns heißt das: Wir haben etwa 500 Anträge behandelt, wobei allein der Leitantrag 11 Schwerpunkte umfasst. Wenn ich das alphabetisch ordne, reicht der Bogen von Bildung bis Verwaltungsreform – aber es macht wohl keinen Sinn, mit einer Aufzählung zu beginnen. Am ehesten kann festgehalten werden, dass wir in vielen Bereichen unserer Gesellschaft einen deutlichen und raschen Wandel erleben, der durch die „Digitalisierung“ so etwas wie eine Turbo-Beschleunigung erfährt. Alle Bereiche des Lebens werden davon betroffen sein. Wir müssen dafür sorgen, dass diese Entwicklung allen Menschen zugute kommt und nicht nur einige wenige profitieren. Dieser großen Herausforderung müssen wir uns stellen.

ÖBVaktiv: Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre sind auch im Öffentlichen Dienst spürbar. Was heißt das für die GÖD? 
Schnedl: Zunächst dürfen wir nicht in Vergessenheit geraten lassen, wer diese Krise ausgelöst hat. Eine weltweit aus dem Ruder gelaufene Finanzwirtschaft hat viele Banken an den Rand des Ruins gebracht und die Rettung dieser Banken durch staatliche Notmaßnahmen hat wiederum die Staatsschulden massiv erhöht. Seit Jahren versuchen nun die Regierungen mit Sparprogrammen ihre Budgets wieder in den Griff zu bekommen. Die GÖD hat sich immer dagegen ausgesprochen, wenn die Regierung unter diesem „Sparzwang“ nur Budgetkürzungen und Aufnahmestopps in der Verwaltung durchsetzen wollte. Wir stehen für qualitativ hochwertige Leistungen, für den Schutz der Rechtsstaatlichkeit und der Sicherheit, und dafür braucht es wieder eine vorausschauende und verlässliche Personal- und Ressourcenplanung.

ÖBVaktiv: Sie sind ausgewiesener Dienstrechtsexperte. Eine Vereinheitlichung des Beamten-Dienstrechts steht auch im Koalitionsübereinkommen der derzeitigen Regierung. Wie sehen Sie hier die Chancen, dass es in absehbarer Zeit zu einer Weiterentwicklung kommt? 
Schnedl: Unsere Konzepte liegen längst auf dem Tisch. Es gab auch schon erste Treffen mit der neuen Staatssekretärin Mag.a Muna Duzdar. Aber wir wollen da kein politisches Kleingeld wechseln, sondern wirklich einen großen Wurf zustandebringen, der ein eigenständiges Dienstrecht für Vertragsbedienstete und Beamtinnen und Beamte umfasst. Wir brauchen auch für Neueintretende eine neue, flachere Besoldungsstruktur, wobei ein Optionsrecht für im Dienststand befindliche Kolleginnen und Kollegen greifen soll. In einigen Bundesländern wurden so ein modernes Dienstrecht bereits umgesetzt und sehr positive Erfahrungen gemacht. Obwohl die Qualität des Ergebnisses Vorrang hat, wäre ein Zeitfenster, das einen vertretbaren Rahmen hat, höchst wünschenswert.

ÖBVaktiv: Die GÖD hat einen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen – im Gegensatz zu manch anderen Gewerkschaften – und ist mit mehr als 240.000 Mitgliedern die zweitgrößte Einzelgewerkschaft im ÖGB. Was macht die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst richtig? 
Schnedl: Der unbedingte Einsatz für alle Kolleginnen und Kollegen ist das Erfolgsgeheimnis der GÖD. Da ziehen wir alle an einem Strang, unabhängig von der jeweiligen Fraktionszugehörigkeit. Vielleicht liegt darin der Schlüssel, weil viele Menschen in unserem Land den Dauerstreit in der Politik nicht mehr wollen. In der GÖD ist es nie um Parteipolitik gegangen, sondern wir haben immer Partei ergriffen für die Anliegen unserer Mitglieder. Wenn es sein musste auch hart und unnachgiebig. Aber wenn man seiner Linie treu bleibt und dies durch unsere Funktionärinnen und Funktionäre gut vermittelt wird, dann stellt sich auch der Erfolg ein. Immer nahe bei den Menschen und immer konsequent in der Sache!

ÖBVaktiv: Die GÖD ist ein wichtiger Partner der ÖBV. Uns verbindet eine langjährige, gute Zusammenarbeit. Was schätzen Sie persönlich an der ÖBV? 
Schnedl: Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat deutlich gemacht, dass Nachhaltigkeit auch im Finanz- und Versicherungssektor absolut notwendig ist. Die ÖBV hat diesbezüglich immer die Interessen der Kundinnen und Kunden, die ja überwiegend öffentlich Bedienstete sind, im Fokus gehabt. Dass die ÖBV dem Prinzip der Solidarität verpflichtet ist und durch verantwortungsvolle Veranlagung nachhaltig wirtschaftet, zeigt, dass wir auch in Zukunft auf eine solide Partnerschaft zwischen GÖD und ÖBV setzen können.

ÖBVaktiv: Wir danken für das Gespräch. 

11.01.2017

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